Reisetagebuch

22.09. – 25.09.2005: Tansania, Mount Meru

Wir bewegen endlich mal wieder unsere Muskeln. Der Mount Meru ist mit 4.566 Metern der zweithöchste Berg Tansanias und steht völlig zu unrecht im Schatten seines großen Bruders Kilimanjaro. Wir nehmen uns trotz der nicht gerade günstigen Preise für Eintritt, Ranger, Hüttenübernachtung und Bergegebühr vier Tage Zeit, um die Schönheit und die Herausforderungen des Berges genießen zu können.

Am Momella-Gate werden wir von unserem Tourorganisator „abgesetzt“ und bekommen einen bewaffneten Ranger zugeteilt. Warum die Waffe auf Amos´s Schulter nicht nur Dekoration ist, erfahren wir noch auf dem Weg zur ersten Hütte. Unsere beiden Porter nehmen mit unserem Gepäck den kürzeren, steileren Weg. Wir nehmen die längere, aber zum Einlaufen besser geeignete Strecke.
Der Mount Meru liegt mitten im Arusha Nationalpark und der erste Teil der Bergbesteigung ist zugleich eine Walking-Safari. Mitten im Bergregenwald mit Bächen und vielen Flechten und Moosen an den Bäumen sichten wir eine Giraffe, mehrere Paviane und einige schwarz-weiße Colobusaffen. Wie üblich sind wir begeistert. Bei der nächsten Tierbegegnung hält sich zunächst unsere Begeisterung in Grenzen. Mitten auf dem Weg begegnen wir nach einer Kurve einem Elefanten, einem alten, allein herumstreifenden Bullen, der uns sofort droht und in unsere Richtung trabt. Wir müssen unmittelbar den Rückzug antreten, so dass keinerlei Zeit für ein Foto bleibt. Amos entsichert seine Waffe, ein Geräusch, das der Elefant kennt. Schnell gibt er auf und verdrückt sich wieder im Busch, wo wir ihn zwar nicht direkt sehen können, aber an den Geräuschen und dem Wackeln der Bäume wissen, wo er gerade ist. Wir warten noch einige Minuten auf einem etwas höher gelegenen Pfad und können dann unseren Aufstieg zur Miriakamba Hütte fortsetzen. So haben wir die ersten Tausend Höhenmeter hinter uns.
Von den Hütten am Mount Meru sind wir sehr angetan und bekommen für unsere 20 US-Dollar pro Nacht eine wirkliche Gegenleistung. Sie sind im hervorragenden Zustand, haben mit Solarstrom betriebene Lampen, akzeptable Sanitäranlagen und bieten neben den Schlafsälen sogar Vierbetträume. Die ersten beiden Nächte haben wir einen Raum für uns. Von der Hütte haben wir einen tollen Blick auf den Gipfel des Mount Meru sowie auf den Kilimanjaro. So kommen Erinnerungen an unsere Kili-Tour von vor zweieinhalb Jahren hoch.
So lassen wir uns den Sonnenaufgang am nächsten Morgen um 6.30 Uhr nicht entgehen und nehmen gutgelaunt die nächste Etappe zur Saddle-Hut auf einer Höhe von 3.500 Meter in Angriff. Ich bin zwar etwas langsamer als am Vortag und merke schon etwas die Höhe. Aber nach vier Stunden sind wir oben. Die Vegetation hat deutlich abgenommen. Die uns von unseren anderen Bergtouren in Ostafrika bekannten Lobelien und Seneccien sind hier zu finden. Der Weg selbst war steil, aber durch die gemachten Wege und Treppenstufen kein Problem. Trotzdem mache ich bei der Besteigung des Little Meru (3800 Meter) schlapp und lasse Arthur endlich mal in seinem Tempo hochlaufen.
Um für die Gipfelbesteigung zu Kräften zu kommen, haben wir aus unseren Vorratskästen was ganz besonderes herausgeholt: Mousse au Chocolat als Trekkingportion zum schnellen Anrühren. Die Packung hatten wir zum Abschied bekommen und fanden nun endlich die richtige Gelegenheit zum Verzehr: „Mousse am Mount Meru“. Während der gesamten Trekkingtour haben wir uns auch aus Kostengründen für die Selbstversorgung entschieden und futtern einen Teil unsere Dosenvorräte – als Notreserve für die Kongos mitgenommen – auf.
Wer den Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Mount Meru erleben will, muss mitten in der Nacht (2.00 Uhr) los laufen. Das war nicht unser Ding. Dass es dann noch später als angedacht wird, liegt an unserem Wecker, der einfach nicht klingelte. Wir werden schließlich durch Amos´s Klopfen an unserer Tür geweckt und springen etwas panisch aus dem Bett. Schnell sind wir fertig und laufen zügig zum Rhino Point hoch, um von dort den Sonnenaufgang erleben zu können. Das schaffen wir nicht ganz, aber das morgendliche Licht von rot bis gelb ist auch so schön. Am Rhino Point ist für mich dann Schluss. Die weiteren 700 Höhenmeter wären für mich, untrainiert wie ich zur Zeit bin und angesichts der Höhe, eher eine Qual. Ich kehre um und genieße von der Saddle Hut für Stunden einen wolkenfreien Blick auf den Kilimanjaro. Wann hat man das schon mal? Arthur „macht“ in hervorragender Zeit den Gipfel und ist so gut dabei, dass Amos zwischendrin auf eine Pause besteht. Die beiden werden mit spektakulären, immer noch wolkenfreien Blicken in den Krater, auf den Rhino Point und Little Meru sowie den Kili belohnt, was für Amos allerdings zum Alltag gehört. Er läuft durchschnittlich einmal pro Woche hier hoch.
Dann geht es abwärts. Die dritte Übernachtung findet wieder in der Miriakamba-Hütte statt. Wir brauchen mit einer Pause zwei Stunden, genießen erneut den Sonnenuntergang mit seinen Farbenspielen am Kili und fallen früh ins Bett. Am nächsten Morgen ist es leider bedeckt. Was hatten wir für ein Glück. Auf der kurzen Strecke brauchen wir noch zwei Stunden bis zum Momella-Gate und begegnen erneut einigen Tieren. Ein Warzenschwein ist besonders schmerzfrei. Es grast einfach drei Meter neben dem Weg weiter und lässt sich fotografieren.

25.09.2005

Mt. Meru
Tansania

[ zurück ]