Reisetagebuch

20.09. – 21.09.2005: Tansania, von Karatu bis Arusha

Von Karatu nach Arusha sind es gerade mal 150 Kilometer. So sollte man meinen, wir würden ein Stück ohne nennenswerte Ereignisse zurücklegen. Aber auf das kurze Stück haben wir zwei Begegnungen, die so typisch für den afrikanischen Kontinent sind.

Bei der Durchquerung des ostafrikanischen Grabens werden wir beim Herunterfahren von einem überholenden Laster gestreift. Zum Glück erwischt es nur unseren Koffer und wir werden nicht direkt von der Straße gefegt. Aber so ohne weiteres wollen wir den Lasterfahrer nicht fahren lassen. Denn wenn uns das passiert wäre, wären wir gnadenlos abgezockt worden. So war es uns in Ghana ergangen, wo wir angeblich ein Taxis gestreift hatten und für eine weitere, kaum sichtbare Schramme im verbeulten Kotflügel 40 US-Dollar zahlen mussten (wir hatten damals nicht darüber berichtet). So diskutiert Arthur mit dem Fahrer. Die Erklärung, warum er überhaupt trotz Überholverbot, Kurve und bergab überholt hat, ist „ehrlich“: Die Bremsen funktionieren nicht richtig. Aber als Arthur mit Polizei droht, vor der man angesichts des Lkw-Zustandes und des Überholverbots Sorge hat, bekommt Arthur 5.000 Schillinge in die Hand gedrückt. Das sind ca. vier Euro. Afrikanische Denkweise. So fahren wir erst einmal weiter und stellen uns im nächsten Ort neben ihn. Nochmals wird die Schramme begutachtet und immer mehr Menschen nehmen an der Palaverei teil. Wir sollen ihnen „vergeben" und "das könnte schließlich überall und jedem passieren". Da haben sie Recht, aber so einfach geht das nicht. Schließlich einigen wir uns auf weitere 10.000 Schillinge. Man erklärt zwar zunächst, man hätte kein weiteres Geld dabei, aber am Ende war das nur ein vorgeschobenes Argument. So vergeben wir ihnen. Einige Kilometer weiter suchen wir uns im Dunkeln ein Plätzchen im Busch und verbringen eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen bekommen wir Besuch. Mehrere Maasai-Männer und –Frauen sind neugierig und beobachten unsere Abfahrtsvorbereitungen. Als wir den Abwassertank leeren, fragen sie nach Wasser. Das geben wir ihnen gerne und fragen nach einem Behälter. Der Europäer denkt nun an eine Flasche, der Afrikaner kommt mit einem Kanister. Und nach und nach kommt das gesamte Dorf mit seinen Kanistern. Obwohl diverse Menschen in GeU hineingeschaut haben, haben sie keinerlei Vorstellungen, wie viel Wasser wir dabei haben könnten. Wir geben ihnen alles, was noch im Tank ist (ca. 80 Liter) und füllen gerade mal ein Viertel aller angeschleppten Kanister. Als Gegenleistung dürfen wir Fotos von ihnen machen.
Auf Arusha zufahrend haben wir einen wolkenfreien Blick auf den Mount Meru. Wir quartieren uns beim „Vision Camp“ ein. Die Sanitäranlagen sind nicht gerade berauschend, aber es ist mitten im Zentrum Arushas und trotzdem ruhig gelegen. Außerdem können wir dort direkt unsere Tour auf den Mount Meru organisieren und fangen an, das Trekking vorzubereiten. Doch zuvor lesen wir endlich mal wieder eine deutsche Zeitung. Die Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zwei Tage nach der Wahl bringt uns auf den Stand der Dinge. Deutschland ist unregierbar! In dieses Land sollen wir zurückkehren? Das Wahlergebnis selbst hatten wir dank modernster Kommunikationstechnik mitten im Busch erfahren. Arthurs Eltern waren so nett und hatten uns das Ergebnis per SMS an unser Satellitentelefon gesandt.

21.09.2005

Arusha
Tansania

[ zurück ]