Reisetagebuch

20.09.2005: Tansania, Ngorongoro Krater

Der Ngorongoro Krater ist eine vulkanisch entstandene Caldera. Durch die ca. 900 Meter hohen Wänden beinhaltet der Krater ein einzigartiges Ecosystem mit Seen, Wäldern und Savannen, wo Hunderte von Tierarten inklusive der Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard) leben. Wir verbringen im Krater einen Tag mit erschlagenen Eindrücken. Der Ngorongoro Krater ist wahrlich nicht das erste Gebiet mit der faszinierenden Tierwelt Afrikas, aber es übertrifft alle Erwartungen und alles bisherige.

Schon der erste Blick in den Krater ist spektakulär. Wir stehen am üppig grünen Rand und schauen in den riesigen Krater, ca. 20 Kilometer im Durchmesser. Die ersten Tierbegegnungen lassen nicht lange auf sich warten und bescheren uns endlich Geparden, die uns bislang auf dieser Tour fehlten. Aber auf zwei Geparden kommen unendlich viele Autos. Wir befinden uns noch auf der Zufahrtsstraße zum Krater wie zur nahen Serengeti, zwei der Hauptattraktionen Tansanias mit entsprechenden Touristenmengen.
Der Weg in den Krater ist ebenfalls spektakulär. Neben uns auf einem eigenen Weg treiben die Maasais ihre Rinder zum Tränken und Weiden in den Krater. Die Maasais sind Partner in der Ngorongoro Crater Conservation Area. Um diesen Menschen nicht ihre Lebensgrundlage zu entziehen, ist der Krater vor etlichen Jahren aus dem Serengeti Nationalpark ausgegliedert worden und hat heute nicht mehr den Status eines Nationalparks, was für die Eintrittsgebühren unerheblich ist. Für das Hineinfahren in den Krater ist sogar noch eine Extragebühr von 25 US-Dollar pro Auto zu entrichten. Tansania kann es sich leisten, sich seine Ressourcen so bezahlen zu lassen.
Im Krater selbst findet man die klassischen afrikanischen Landschaftsformen. Seen- und Flusslandschaft, Savanne, Wälder und Salzseen, alles wunderschön und voll mit Tieren. Um nicht schon wieder mit einer Aufzählung anzukommen, beschränke ich mich auf die absoluten Highlights. Dazu gehören die riesigen Mengen an Gnus, die mit ihrem dunklen Fell hervorragend in der hellen Graslandschaft zu sehen sind. Wir sichten sie zum Teil nur wenige Meter vom Weg entfernt und belohnen diese Nähe mit dem Versprechen, dass ihnen ein Platz auf unserer Homepage sicher sei.
Nicht gerade aus nächster Nähe, aber nah genug, um mit dem Fernglas gut zu sehen, sichten wir mehrfach Geparden, Servals und Hyänen. Eine Hyäne ist besonders freundlich zu uns. Sie ist auf der Suche nach einem Rastplatz und gräbt sich eine Höhle in einem Sandhügel, der direkt auf der Piste abgeladen worden ist. So beobachten wir das Graben und das anschließende Betten aus zwei Meter Entfernung. Als das Tier endlich eine bequeme Position gefunden hat, haben wir auch unseren Kandidaten für die Imagekampagne der Hyänen gefunden. Wer so liebt schaut, kann gar nicht böse sein. Das ebenfalls ausgemachte Nashorn ist dagegen eher langweilig. Es steht einfach nur bewegungslos herum.
Am Hippopool machen wir nur einen kurzen Stopp. Der Baby zeigt sich nur selten, ist aber ziemlich klein neben seiner wuchtigen Mutter. Und dann düsen wir dorthin, wo schon mindestens 20 Autos stehen. Was gibt es dort wohl zu sehen? Wir sichten etwas abseits der Wagenansammlung eine Löwin und wundern uns. Dafür wird so ein Aufriss gemacht, das hatten wir in Ruaha Nationalpark schon besser. Aber wir täuschen uns. Selbst die Ruaha-Löwen-Erlebnisse können noch getoppt werden. Die Löwin bewegt sich, läuft zwischen den Autos herum und gesellt sich zu ihren beiden Kollegen. Die liegen im Schatten unter einem Touristenauto. Was für ein Bild!
Und dann kommen sie auf unser Auto zu. Wir schauen wie immer aus der Dachluke heraus und als die Löwin ihren Kopf hebt und nur noch einen guten Meter von uns entfernt ist, wird uns doch etwas mulmig. Hätten wir das Fenster aufgemacht, hätten wir dieser Großkatze den Rücken streicheln können. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, schärft ihre Krallen an unserem Kühlergrill (leider nicht auf dem Foto) und beist in unseren Ersatzreifen (auf dem Foto!!!). Dann laufen sie zurück ins Gras und gucken hungrig in Richtung der Zebras. Im Gegensatz zu den Löwen in Ruaha sind diese deutlich magerer. Es gibt im Ngorongoro Krater zwar genug Löwennahrung – theoretisch! Aber das Gebiet ist übersichtlicher, was das Jagen deutlich erschwert. So müssen Löwen häufig vom Zebra-Braten träumen.
Müde und erschlagen machen wir uns auf den Rückweg nach Karatu. Die Fahrt aus dem Krater ist nochmals beeindruckend. Einen Besuch im Ngorongoro Krater können wir ohne Einschränkung und trotz der heftigen Eintrittspreise empfehlen. Ein absolutes „Muss“ auf einer Transafrikatour wie bei einem Besuch Tansanias.

20.09.2005

Ngorongoro Krater
Tansania

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