Reisetagebuch

14.09. – 16.09.2005: Tansania, Ruaha Nationalpark

Ruaha Nationalpark war uns von Freunden wegen seiner Abgelegenheit, seiner Landschaft und seines Tierreichtums empfohlen worden. Um es direkt es sagen: wir verleben hier zwei tolle Tage, sehen Tiere ohne Ende und sind wieder einmal mehr von Afrikas Tierwelt fasziniert. Aber auch der zweitägige Aufenthalt auf der Ruaha Hilltop Lodge ist ausgesprochen nett.

Die Lodge ist erst seit einigen Monate in Betrieb und liegt, wie der Name sagt, auf einem Hügel, ca. 30 Minuten vom Parkeingang entfernt. Von hier aus überblickt man die aus Akazien bestehende Savanne. Es ist nicht die Super-Luxus-Lodge, aber es ist alles mit viel Liebe zum Detail gemacht, sehr sauber und genau richtig für den normalen Reisenden. Wir fühlen uns auf Anhieb hier wohl und haben die gesamte Anlage für uns. Betrieben wird sie von Alban, der sich in den zwei Tagen als Ausnahme-Afrikaner präsentiert. Er ist sehr charmant, gebildet und sprachgewandt. Wir haben interessante Unterhaltungen über Tansania, Deutschland und die Welt. Er greift begierig unsere Tipps auf und stellt gezielt Fragen, wie und wo man die Lodge und den Service verbessern kann. Hätte Afrika mehr Menschen wie ihn, der sich den nicht immer einfachsten Herausforderungen beim Aufbau und Betrieb der Lodge stellt, sähe die Zukunft dieses Kontinents anders aus.
Aus Kostengründen hatten wir uns für die Selbstverpflegung auf der Lodge und während der Gamedrives entschieden. Auch dies war ein guter Schachzug. Wir dürfen in der Lodgeküche kochen (wahlweise auf unserem Benzin-Campingkocher bzw. auf Holzkohle), wo zeitgleich vom Chefkoch der Lodge und seinen „Lehrlingen“ auch das Essen für Alban und seinen Manager Titus zubereitet wird. Wir schauen uns gegenseitig über die Schulter, erklären Zutaten, schnuppern an Gewürzen, probieren, was die andere Mannschaft kocht, und haben alle viel Spaß. Das gegenseitige Probieren geht am Tisch direkt weiter. Wir teilen unsere Speisen. Die tansanische Seite findet den selbstgemachten Kartoffel-Möhren-Linsen-Eintopf „delicious“. Auch wir finden Gefallen an den tansanischen Gerichten. So behalten wir dieses Verfahren für die weiteren Essen bei.
Aber nun zum Nationalpark! Der Park ist landschaftlich reizvoll und vielseitig: Flusslandschaft am Greater Ruaha, Akazien-Savanne, offenes Grasland und Hügel mit großen Felsblöcken wechseln einander ab. In den zwei Tagen mit ausführlichen Touren im Park treffen wir insgesamt fünf andere Fahrzeuge und haben die Tierwelt ganz für uns. Die Liste der gesichteten Vier- und Zweibeiner ist lang: Elefanten, Büffel, Löwen, Nilpferde, Krokodile, Giraffen, Zebras, Elands, Impalas, Grant-Gazelle, große und kleine Kudus, Wasserböcke, Klipspringer, Dik-Diks, Banded Mongoose, Warzenschweine, Meerkatzen, Paviane, Ground Hornbills, Pelikane, Hornbills, Fischadler, Geier, Korhans, diverse Störche, diverse Vögel, diverse Echsen. Es geht Schlag auf Schlag und vor allem bei den Giraffen könnte man vermuten, dass jeder Busch seine eigene Giraffe hat bzw. jede Giraffe ihren Hausbusch hat. Wie immer belichten wir jede Menge Filme, obwohl wir zuhause eigentlich schon genug Tierbilder haben. Nur unsere Digitalkamera erweist sich wieder einmal mehr nicht als der „wahre Bringer“. Das fehlende Zoom ist ein gigantischer Nachteil und bei der nächsten Tour haben wir definitiv eine bessere Kamera dabei. Zum Glück kommen einige Tiere so nah an unser Auto, dass selbst uns gute Schnappschüsse für die Internetseite gelingen.
Von den vielen beeindruckenden Tierbegegnungen stechen zwei besonders hervor. Dies ist zum einen die riesige Herde von Büffeln. Vor immer wir hinschauen, sind Rindviecher. Wir vermuten, dass die Herde um die tausend Tiere haben muss. Zählen kann man hier nicht mehr. Der Nachteil: schnell sind die damit verbundenen Fliegen auch in unserem Auto und nerven uns. Das andere, was vermutlich für immer in unseren Köpfen bleibt, sind die Löwen. Schon beim ersten Gamedrive hatten wir einen Rudel entdeckt, den wir am nächsten Tag wiederfinden und in Ruhe sowie aus nächster Nähe (3 bis 30 Meter) beobachten können. Zunächst gehen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach und gammeln vor sich hin. Dann schreiten sie gemächlich uns ignorierend davon. Sie spazieren zwar Richtung der Büffelherde, wollen aber nicht so richtig jagen. So bleiben jagende Löwen das einzige, was wir in Ruaha nicht sehen. Später sehen wir Löwen sich paaren, was schnell und oft vonstatten geht und mit lautem Gebrüll verbunden ist. Und wie das Ergebnis dieser Aktivität aussehen kann, sehen wir am nächsten Tag auch noch in Natura: plüschig und tapsig! Leider verstecken sich die Kleinen überwiegend hinter ihren Müttern und Steinen, aber was wir sehen, begeistert vor allem mich. Aber ein kleiner Löwe im Wohnmobil ist auch nicht gewünscht.
Mit vielen neuen Eindrücken kehren wir nach Iringa zurück und sind froh, den Trip gemacht zu haben. Alban bewundert noch ausführlich unser Wohnmobil und lässt sich alles ganz genau erklären. Vor allem Teile der Campingausrüstung wie Benzinkocher und Wasserpumpe haben es ihm angetan. In Iringa verbringen wir einen letzten Abend mit Andreas (leider ohne Spargel) und tauschen Digitalbilder aus.

16.09.2005

Ruaha N.P.
Tansania

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