Reisetagebuch

06.09. – 12.09.2005: Malawi, von Blantyre bis Songwe

Malawi besteht zu einem Fünftel aus dem gleichnamigen See. Dieser ist nach dem Victoria-See und dem Lake Tanganyika der drittgrößte Afrikas und ist Bestandteil des Great Rift Valley, dem ostafrikanischen Graben. So nehmen wir nach einem schnellen Stopp im Wirtschaftszentrum Blantyre Kurs auf den See. Wir wollen an mehreren Orten in den See springen und von Livingstonia den Blick auf den 800 Meter niedriger gelegenen See genießen. Doch zuvor haben wir eine weitere unruhige Nacht im Busch, weil es in Malawi angeblich „too dangerous“ sei.

Die ersten zwei Stunden bemerkt uns keiner. Dann tauchen Security Guards vom nächsten Dorf auf und erklären uns, dass eine Übernachtung im Busch zu gefährlich sei. Warum das so sei, erklären sie nicht, aber wir verziehen uns lieber. Der nächste Polizeicheckpoint bestätigt die Gefährlichkeit und sieht selbst die Übernachtung unmittelbar am Checkpoint als viel zu gefährlich an! So parken wir schließlich mitten im Ort Salima unter einem Baum und haben drei Stunden Ruhe. Dann werden wir mit Licht und Klopfen von der Polizei geweckt, weil „es hier viel zu gefährlich für uns ist“. Wir vertreiben schließlich die Polizei und haben eine ruhige Nacht, schlafen allerdings nach so viel Gefasel über die Sicherheitslage etwas unruhiger.
Unser Eindruck von Malawi ist trotz der zwei unruhigen Nächte positiv und sicher. Das Auswärtige Amt hat keine länderspezifischen Sicherheitshinweise für das Land und auch die Besitzerin von „Cool Runnings“ bestätigt unseren Eindruck. Sie will daher die örtliche Polizei auf unsere Erlebnisse ansprechen, damit nicht weitere Touristen verschreckt werden.
Und dann können wir uns endlich dem See widmen, der an der Küste von Senga Bay mehr wie ein richtiges „Meer“ aussieht. Es ist recht kabbelig, Wellen spülen an den Strand und vom anderen Seeufer ist nichts zu sehen. Für zwei Tage pausieren wir hier und genießen die ruhige Atmosphäre bei „Cool Runnings“. Von der Bar und dem Rasen können wir auf den See schauen und wagen auch ein Bad. Laut sämtlicher Reiseführer ist der Lake Malawi nicht frei von Bilharziose, weswegen man auf das Baden in diesem Süßwassersee verzichten sollte. Aber das trifft nicht auf alle Teile zu und wo keine Pflanzen am Seeufer und im flachen Wasser sind, an denen sich die Schnecken mit den Krankheitserregern ansiedeln können, besteht angeblich keine Gefahr. So wagen wir es! Was wir auch wagen, ist der Genuss der Chocolate Cake. Mit diesem Stichwort hatte man uns „Cool Runnings“ empfohlen und wir werden nicht enttäuscht. Samantha, die Besitzerin, eine gebürtige Simbabwerin, ist bekennende Chocoholic und liebt es, den Chocolate Cake zu machen. Ein wahrer Genuss und eigentlich ein guter Grund, länger dort zu verbleiben, zumal auch der Fisch aus dem Malawi-See vorzüglich mundet. Aber wir rollen weiter und lassen uns von unserem Ungetüm ärgern, das sich in Malawi zwei weitere Platten holt. So viel zu meiner 10.000 Kilometer-Theorie. Als wir in Nkhata Bay ankommen, machen wir das Gleiche wie in Senga Bay: Reifen flicken! Das hatten wir uns anders vorgestellt!
Nkhata Bay liegt bereits in den Bergen. Der Ort liegt in den Hängen verteilt und die diversen Campingmöglichkeiten sind daher nicht GeU-geeignet. Wir werden schließlich auf einem Lodge-Parkplatz fündig und haben einen netten Blick auf den See. Doch am nächsten Tag ist der Blick wolkenverhangen und wir fahren weiter. Wir haben immer wieder Regen und von der angekündigten Hitze spüren wir nichts. Bei einem Stopp müssen wir kleidungstechnisch aufrüsten. So ist leider auch die Nebenstrecke nach Livingstonia nicht so schön wie sie bei Sonnenschein hätte sein können. Entlang der Piste sind viele kleine Gemüsegärten mit Bananenstauden, Papayasträuchern und Mangobäumen. Livingstonia selbst wirkt wie ein schottisches Dorf. Vor gut 100 Jahren haben schottische Missionare den Ort gegründet und die Menschen von den Hütten in Steinhäuser umgesiedelt. Von hier aus soll man einen der spektakulärsten Blicke Afrikas haben können: auf den See, gute 800 Meter niedriger. Doch wir können das Wasser nur erahnen. Schade!
So hält uns hier in den Wolken nichts und wir wollen die Piste am Berghang mit 27 Spitzkehren herunterfahren. Am Ortsausgang von Livingstonia weist ein Schild auf „road works“ hin, mehr steht da nicht. Dass die Straße gesperrt ist, erfahren wir erst nach gut der Hälfte der Spitzkehren. Völlig unvermittelt taucht das Schild „closed“ auf. Arthur versucht zwar noch, auf die Bauarbeiter einzureden, aber der Beton ist zu frisch und würde von GeU wohl mit Spurrillen versehen werden. So müssen wir umkehren, eine Tatsache, die Arthur gar nicht mag. Aber nach einer Nacht auf einer Eco-Lodge mit etwas verschleierten Blick auf den See und einem Spaziergang zu den Manchewe Falls finden wir einen Weg, der uns an die Küstenstraße zurückbringt ohne gar zu weit zurückfahren zu müssen. Dabei können wir noch eine Kohle-Mine „besichtigen“. Per Hand bzw. nur mit Presslufthämmern und Schubkarren wird Kohle aus einem zwei Meter dicken Flöz abgebaut. Die bis zu 500 Meter langen Stollen werden mit Holzstapeln und -stempeln abgestützt. Licht gibt es nur an den Helmen der Arbeiter. Das sieht nach ziemlich harter Arbeit aus.
Wir stoppen noch für eine Nacht in Karonga am See und verlassen am nächsten Tag Malawi. Kurz vor der Grenze gabeln wir noch Andreas aus Dresden auf. Er reist seit drei Monaten mit dem Rucksack durch Afrika und wird uns trotz des etwas unbequemen Sitzes zwischen Box und Handbremse einige Tage begleiten.

12.09.2005

Songwe
Malawi

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