Reisetagebuch

31.08. – 05.09.2005: Mosambik, von Tofo bis Vila Nova da Fronteira

Tofo ist nicht der einzige schöne Strand Mosambiks. Leider lässt unser Zeitplan weitere ausführliche Aufenthalte an der Küste nicht zu. So stoppen wir nur für zwei Nächte in Vilanculos, um auf jeden Fall einen Eindruck von den vorgelagerten Paradiesinseln zu bekommen. Ansonsten lautet die Devise: zügig vorankommen – sofern GeU will.

Leider holt sich GeU auf dem Weg zwischen Tofo und Vilanculos einen weiteren Platten – entgegen meiner 10.000-km-Theorie. Konnten wir bislang die Schläuche immer flicken, haben wir diesmal den ersten Reifen-Totalschaden zu verbuchen. Ausgehend von einem kleinen Riss in der Seitenwand hat sich der Mantel komplett zerlegt und hätte sich anschließend durch das Walken fast noch entzündet. Das nun anstehende Prozedere kennen wir, nur nehmen wir den kaputten Reifen direkt noch von der Felge und lassen ihn an Ort und Stelle liegen. Das ist mühseliger als erwartet, hatte sich der zerfetzte Schlauch zwischen Reifen und Felge verklemmt. Aber im rechten Moment tauchte Grommet auf. Mark und Blanca waren etwas später in Tofo gestartet und kamen gerade rechtzeitig, damit Mark eine Hand reichen konnte.
Als wir Vilanculos nach einer Nacht im Busch schließen erreichen, haben die anderen schon das Quartier ausgesucht. Im Garten der „Casa Josef e Tina“ können wir günstig und gut stehen. Zu uns hat sich inzwischen ein weiteres britisches Paar gesellt. Rachel und Jason waren die letzten zwei Jahre in der Entwicklungshilfe in Malawi tätig und kurven zum Abschluss im südlichen Afrika herum. Zusammen mit Britney und Ben aus San Francisco sind wir so genug Menschen, um ein Boot für einen Trip rund um die Paradiesinseln zu chartern. Zwar hält der Verkäufer kaum eins seiner Versprechen (Schatten an Bord, Eis für die Kühlboxen, ausreichend Schwimmwesten, Segel und Paddel falls der Motor ausfällt), aber das ist „real africa“. Mit deutlich weniger Motorkraft als in Tofo tuckern wir zum Bazaruta Archipelago Nationalpark. Trotz der vorgelagerten Paradiesinseln ist es kabbelig, die eine oder andere Welle kommt ins Boot. So sind wir bereits nass, als wir am Zwei-Meilen-Riff ankommen. Das Riff schaut bei Ebbe um die eineinhalb Meter aus dem Wasser und bietet uns Schnorchlern Wellenschutz. Leider ist die Wassertemperatur noch „winterlich“ frisch, so dass wir nicht allzu lange schorcheln. Aber auch in kurzer Zeit sehen wir viele bunte Fische, Seesterne und Muscheln! Zweiter Programmpunkt unserer Bootstour ist die Picknickpause auf einer der Inseln. Der Strand und das Wasser sind einfach paradiesisch traumhaft. Der einzige Nachteil: es gibt keinerlei Schatten. So kommt endlich unser Regenschirm zum Einsatz. Hier könnte man schon eine Weile bleiben, aber unser Bootsführer treibt uns schon bald wieder ins Boot und bringt uns zurück.
Da wir uns am nächsten Tag von Mark und Blanca verabschieden werden und uns aufgrund unterschiedlicher Routen und Zeitpläne nicht mehr in Afrika treffen werden, gibt es ein letztes Mal Apple Crumble mit Custard. Das schmeckt auch den anderen Briten und den Amerikanern hervorragend. Mehrfach bekomme ich von Mark Avancen, nun mit Grommet weiter zu reisen, aber ich muss den Ofen mitbringen. Aber Arthur will den Ofen nicht hergeben!
Das restliche Stück in Mosambik bis zur malawischen Grenze bringen wir zügiger hinter uns als erwartet. Schon die Straße bis Vilanculos war besser als erwartet, aber aufgrund der vielen Baustellen nicht immer zügig zu fahren. Bis zur Kreuzung mit der Ost-West-Verbindung Beira-Mutare bleibt das überwiegend so. Dann wird es richtig gut. Wir düsen auf einer so neuen Straße entlang, dass diese noch nicht einmal in der Michelin-Karte verzeichnet ist. Die Bestätigung, dass wir trotzdem richtig sind, bekommen wir durch „Navigation by Coca-Cola“. Die speziell für den mosambikanischen Markt bedruckten Dosen haben alle Hauptstraßen und Hauptgrenzübergänge verzeichnet. Der Verkehr auf der Strecke ist ausgesprochen gering. So gering, dass sich auf über 300 Kilometern keine Tankstelle angesiedelt hat. Selbst in Caia am Sambesi ist nichts. Wir brauchen zwar keinen Diesel, aber wollen unsere Meticals, immerhin drei Millionen, (ca. 100 Euro) ausgeben. So tanken wir mal wieder auf dem Schwarzmarkt, was nur wenig teurer als an der Tankstelle ist. Aus unseren Erfahrungen in Nigeria haben wir gelernt. Zunächst werden die Kanister vermessen, dann der Füllstand aller sieben Kanister geprüft und dann vier Augen darauf gerichtet, dass nichts weggetragen wird, was wir anschließend bezahlen sollen. Diesmal landet die vereinbarte Menge im Tank.
In Caia verlassen wir die gute Teerstraße und fahren auf guter Piste nach Sena. Dort gibt es eine kostenfreie Brücke über den Sambesi. Zwar fragt der Brückenwärter nach Meticals oder US-Dollars, aber wir verneinen. Unsere restlichen Meticals haben wir nach dem Tanken für ziemlich viele Coca-Cola-Dosen ausgegeben. Kleine Dollar-Scheine haben wir angeblich nicht. So lässt er uns passieren. Die Brücke, ehemals für die Eisenbahn benutzt, ist beeindruckend aufgrund ihrer Länge. Fast drei Kilometer führt sie uns zunächst über das Flussschwemmland, dann über den Sambesi selbst. Wirkte der Sambesi an den Victoria-Falls wild, fließt er hier langsam und gemächlich die letzten Meter bis zum Indischen Ozean.
Kurz danach erreichen wir die Grenzstation, die wieder klassisch afrikanisch ist. Der Grenzer saß bis zu unserer Ankunft im Schatten eines Baumes. Sein Büro: keine Computer, alte Möbel, keine Fenster, aber immerhin Ausreiseformulare und keine große Kladde. Schnell ist der Stempel im Pass. Auch das Carnet wird zügig gestempelt. Dem Zöllner müssen wir versprechen, beim nächsten Besuch etwas mehr Portugiesisch zu sprechen. Irgendwann kommen wir bestimmt wieder nach Mosambik. Dafür waren die Menschen zu freundlich und die Strände zu paradiesisch.
Nach der Quittung für die Roadtax hat keiner mehr gefragt. Insgesamt hatten wir nur drei Polizeikontrollen. Über eine haben wir berichtet („GPS-Show“), bei den anderen haben die Polizisten Lachanfälle bekommen, als sie hörten, dass GeU „our home“ ist.

05.09.2005

Vila Nova da Fronteira
Mosambik

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