Reisetagebuch

05.08. – 19.08.2005: Südafrika, Pretoria

So stehen wir nun mit einem fahrunwilligen GeU am Straßenrand in Pretoria. Obwohl Arthur sofort das Werkzeug herausholt, sind wir gezwungen, die Nacht an dieser verkehrsträchtigen Straßen zu verbringen. Nach fast 24 Stunden hat der Chef-Ingenieur GeU wieder schalt- und fahrfähig gemacht, aber GeU besteht leider auf eine grundsätzliche Lösung. Das zwingt uns zu einem längerem Aufenthalt in Pretoria.

Wir sind nach unserem Zwangscamping auf der Straße gut bis zu Jens’ Haus gekommen, doch als wir GeU erneut bewegen wollen, kommen wir nicht weit. Nach 500 Meter hakt erneut die Schaltung. Also Zurückschieben! Zunächst helfen uns zwei deutsche Nachbarn, die neun Tonnen in Bewegung zu setzen. Dann geht es minimal bergab und GeU rollt von sich aus. Die letzten Meter bis zum Haus zieht uns Jens mit seinem Jeep.
Arthur verschwindet erneut unter dem Auto, baut das Getriebe wieder auseinander und hat nach eineinhalb Stunden die beiden Übeltäter gefunden. Zwei Buchsen im Selektor sind abgenutzt und führen zu ungenauen Schaltvorgängen. Ersatz ist erforderlich. Man könnte solche Teile in Südafrika drehen lassen, aber wegen einem verlängertem Wochenende rufen wir lieber am Montag früh bei IFA in Ludwigsfelde an. Gerne ist man uns behilflich und will die Teile noch am selben Teil mit einem Kurier auf die Reise schicken. So sollten sie nach drei Tagen eigentlich ankommen. Aus welchem Grund auch immer – jedenfalls gegen unseren ausdrücklichen Wunsch – werden die Teile als Päckchen mit der normalen Post gesandt. Das kann also dauern.
Die Zeit nutzen wir, um viele Kleinigkeiten an GeU herumzubasteln. Ein 18 Jahre altes Auto gibt einem genug zu tun. Aber nach über einer Woche ist wirklich alles erledigt. So wird GeU erstmals auch von außen geputzt, drinnen erfolgt natürlich auch. Damit das Ungetüm richtig schön wird, verteile ich viel Farbe mit dem Pinsel. Dabei konnte ich nicht widerstehen und habe auch die vordere Stoßstange neulackiert. Eine völlig überflüssige Aktion, wie Arthur meint, wird der Lack doch bei der ersten Buschfahrt wieder abgekratzt sein. Egal, für die Wartezeit in Pretoria haben wir ein strahlendes und glänzendes Ungetüm vor der Haustür stehen.
Abwechslung erleben wir, als Jens uns mit zu seiner Farm nimmt. Vor vielen Jahren hatte er die Farm 50 Kilometer nordöstlich von Pretoria gekauft, um sie zu einer Lodge umzubauen. Das ist inzwischen mit viel Liebe zum Detail geschehen. Nur fand sich in den letzten Jahren kein Betreiber. Das hat sich jetzt geändert. Die Vorbereitungen laufen. Außerdem liegt die Lodge in einem touristischen Entwicklungsgebiet (Dinaking), wo zur Zeit aufgrund der Überpopulation vom Krüger Nationalpark die Big Five (Elefant, Büffel, Leopard, Nashorn, Löwe) angesiedelt werden.
Arthur setzt Kenny’ s Quadbike wieder in einen fahrfähigen Zustand. Zur Belohnung darf er eine Runde drehen und ist kurz gewillt, GeU gegen das Quadbike auszutauschen. Das fährt wenigstens, ist aber auf Dauer und im Busch nicht so bequem. Mit Kenny spielen wir viele Runden „Uno“ und eine Runde „Monopoly“, wobei wir gnadenlos Bankrott gehen. Arthur schaut jede Menge von Kenny’s DVDs. Leider nicht mein Geschmack. Da bleiben mir nur die Haustiere der Familie. Den Deutschen Schäferhund namens „Rusty“ darf ich kaum anschauen. Schon beim kleinsten Blickkontakt stürmt er auf mich zu. Außerdem ist er eifersüchtig, wenn ich mich mit dem Kater „Kombi“ beschäftige. Aber zum Glück darf nur der Kater ins Haus und bekommt dort seine Streicheleinheiten. Das gefällt ihm so gut, dass er mehrfach versucht, in GeU einzusteigen. Aber Kater im Wohnmobil – lieber nicht!
Über die ganze Warterei in Pretoria ist unser „Temporary Residence Permit“ abgelaufen. So fahren wir mit einem Sammeltaxi zu Home Affairs ins Zentrum und kommen Kopf schüttelnd und ergebnislos wieder heraus. Eine Verlängerung kostet 425 Rand (ca. 50 Euro) und dauert 10 Tage. So lange wollten wir dann doch nicht mehr bleiben. Der Beamte bestätigt indirekt, wir sollen einfach so zur Grenze fahren. Das werden wir auch tun und dort diskutieren. Denn je nach Grenze und diensthabenden Grenzer bekommt man 15, 30 oder 90 Tage in sein „Temporary Residence Permit“ eingetragen. Aber Bürokratie muss man bekanntlich nicht verstehen.
Als wir immer noch warten und uns – bewegungsunfähig wie wir sind – anfangen, zu langweilen, bekommen wir eine SMS von Mark und Blanca. Zur Aufheiterung kommen sie vorbei. Da wir nicht wollen, dass ein zweiter Overlander-Truck vor Jens’ Haus steht, beschließen wir schnell, zusammen zu Ralf und Judith auf den Campingplatz herauszufahren. Grommet wird mit unserem Zelt und anderen Dingen für die Nacht gefüllt, die Herren dürfen vorne Platz nehmen, Blanca und ich werden „hinten drin verladen“. Bei einem Supermarkt besorgen wir die Barbeque-Zutaten und treffen uns zum ersten Mal zu sechst. Wir mussten allerdings zuvor versprechen, nicht allzu viel auf Deutsch zu reden. Ralf und Judith weilten schon eine Weile auf dem Campingplatz und warteten vor allem auf GeU. If´chen, der IFA W 50, hatte sich vor 12 Tagen selbständig gemacht, Ralf und zwei Caravans in die Mangel genommen und war schließlich an einem Baum hängen geblieben. Dort stand er nun! Ralf war mit zahlreichen Prellungen noch nicht in der Lage, ins Fahrerhaus zu krabbeln. So war die große Frage, ob Grommet If´chen herausziehen kann. Die drei Männer versammelt sich umgehend um den IFA und überlegten, was zu tun ist. Arthur hat ihn schließlich vorsichtig rückwärts bewegt. Er sieht zwar vorne etwas gematscht aus, aber er fährt.
Doch bevor wir zum Campingplatz aufgebrochen sind, bringen wir Variante zwei für den Erhalt der Ersatzteile ans Laufen und bitten Jens, eine Möglichkeit zum Drehen der beiden benötigten Teile zu finden. Er findet sie, indem er sich in seiner Firma selbst an die Drehbank stellt. Mehr als hocherfreut nehmen wir die Teile nach unserer aushäusigen Nacht in Empfang. Schnell sind sie eingebaut und GeU fährt wieder!
So bereiten wir unsere Abreise aus Pretoria vor. Zunächst geht es zum Reifenhändler, wo wir unsere alten Reifen aufarbeiten lassen haben. Dort hatten wir ziemlich gedrängt, dass die Reifen schnell fertig sein müssen. Was geschah! Wir erscheinen nicht zur vereinbarten Abholung. Das kann schon mal passieren, wenn man mit einem Truck unterwegs ist. Es folgt noch ein Großeinkauf an Lebensmittel. Dann nehmen wir Abschied von Jens und seiner Familie. In Pretoria waren insgesamt 19 Tage. War nicht ganz unser Plan. Und unser Päckchen aus Ludwigsfelde? Da es bis jetzt nicht angekommen ist, wird es wohl zurückgehen!

19.08.2005

Pretoria
Südafrika

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