Reisetagebuch

31.07. – 05.08.2005: Südafrika, Pretoria

Die Tage in Pretoria sind gut gefüllt und von Hektik geprägt. GeU soll endgültig für die Rückreise vorbereitet werden, wir brauchen immer noch das eine oder andere Ersatzteil, wollen einige Visa und Bargeld besorgen. Für Freizeitaktivitäten bleibt wenig Zeit, denn das Herumkurven in Pretoria nimmt viel Zeit in Anspruch. Abends können wir bei deutscher Küche und Cola-Cognac jede Menge Storys erzählen.

Das Haus von Jens, seiner Lebensgefährtin Eunice und seines Sohnes Kenny ist groß genug, so dass wir für einige Tage das Camperleben aufgeben, im Haus wohnen und hervorragend versorgt werden. Eunice ist gebürtige Südafrikanerin, weiß aber, wie man Eisbein mit Sauerkraut und Ochsenschwanzragout zubereitet. So ist das Leben an vielen Stellen bequemer, aber nicht unbedingt wärmer. Südafrikanische Häuser haben aufgrund der kurzen Winter mit viel Sonne keine Heizung. Am Vormittag wird es in GeU schneller warm als im Haus. So passt es gut, dass wir viel an unserem Ungetüm zu tun haben.
Zunächst bastelt Arthur einen Tag vor dem Haus. Das liegt in einer ruhigen Wohngegend mit Einfamilienhäusern. Arthur bekommt so manch irritierten Blick der Nachbarn zugeworfen, als er das gesamte Radlager vorne rechts auseinander nimmt, um die Wellendichtringe auszutauschen. Aber auch unser Nummernschild erzeugt Aufmerksamkeit. Hier leben viele Deutsche. Am nächsten Tag dürfen wir die Ausstattung und die Mitarbeiter in Jens’ Firma Perfecta nutzen, um etliche Stellen am Fahrzeug (Fahrerhaus, Seitenunterfahrschutz, Tankhalterungen, Tank usw.) schweißen zu lassen. Die Mitarbeiter finden die Jobs am ungewohnten Gegenstand – sonst wird Blech und Plastik für Schränke, Computergehäuse und ähnliches in Kleinserien gestanzt und zusammengebaut – spannend und leisten hervorragende Arbeit. So eine Möglichkeit müssten wir in Berlin auch haben.
Die schon in Kapstadt begonnene Ersatzteilsuche setzen wir in Pretoria fort. Manches ist erstaunlich einfach. Ein Blick in die Gelben Seiten, kurzer Anruf, hinfahren und abholen. Aber es läuft nicht immer so. Teilweise irren wir durch die Stadt und werden von Pontius zu Pilatus gescheucht. Die stundenlange Kurverei durch die Stadt ist nervig. Wenn wir darüber auch noch hungrig werden, wird mitunter die Kommunikation im Führerhaus etwas lauter und schroffer. Aber nach und nach nehmen wir auf unser Einkaufsliste Streichungen vor.
Die Visabeschaffung für Kenia und Mosambik ist dagegen schnell erledigt. Kenia wird mein absoluter Favorit, was das Besorgen des Visums angeht. Ich habe zwar das Problem, zusammen mit Eunice die Botschaft zu finden, aber dann habe ich in 15 Minuten das Visum. Mosambik ist schon aufwändiger. Das Geld muss zuvor bei einer Bank auf das Konto eingezahlt werden, was wiederum in der nächstgelegenen Bankfiliale kein Problem ist. Wir zahlen den Betrag für die Ausstellung am selben Tag ein, aber das heißt nicht sofortige Ausstellung, sondern Passrückgabe in drei Stunden. Wir kommen am nächsten Tag somit zum dritten Mal in diese Botschaft.
Pretoria lernen wir durch das viele Herumfahren fast nur vom Auto kennen, werfen einen kurzen Blick auf das südafrikanische Parlamentsgebäude, einem der schönsten Parlamente der Welt: es liegt inmitten von viel Grün und ist im italienischen Stil gebaut. Etwas mehr Zeit nehmen wir uns für das Voortrekker-Monument und lernen vieles über die südafrikanische Geschichte und das Denken der weißen Südafrikaner. Der Verlauf des Großen Trecks im 19. Jahrhundert verlief kämpferisch mit viel Blutvergießen, was sehr plastisch in Stein gemeißelt dargestellt wird.
Außerdem treffen wir in Pretoria endlich „If´chen“ und seine Besitzer Judith und Ralf. Die beiden waren ein halbes Jahr vor uns in Deutschland mit einem IFA W 50 gestartet. Wir folgten ziemlich häufig ihren Spuren und Tipps. In Pretoria haben wir sie endlich eingeholt und verbringen einen sehr kurzweiligen Nachmittag mit den beiden. Es ist eher ein Treffen zu sechs. Wir stellen GeU und If´chen nebeneinander, damit Ralf und Arthur den W 50 und L 60 besser vergleichen können. Die beiden Männer sind so damit beschäftigt, dass sie das Grillfeuer vergessen und anschließen das Feuer mit neuer Kohle erneut entfacht werden muss. Aber auch Judith und ich haben viel in unseren Aufgabenbereichen auszutauchen: Visabeschaffung, interessante Internetseiten und vieles, vieles mehr. Es stellt sich die Frage, ob sich auch GeU und If´chen austauschen?
Ein weiterer aufwändiger Punkt ist die Bargeldbeschaffung. Südafrikanische Rands bekommt man an jeder Ecke mit der EC-Karte. Aber die wollen wir für die Rückreise in Euros und US-Dollar umtauschen. Eine fünfstündige Odyssee beginnt und kostet uns viele Nerven. In der ersten Bank lautet die Antwort „ja“, man tauscht. Also stellen wir uns in die Schlange, um dann 15 Minuten später zu hören: „Wir tauschen Dollar und Euros ein, aber nicht umgekehrt.“ So werden wir in ein riesiges Einkaufszentrum geschickt. Die Parkplatzsuche ist das erste Problem, was wir pragmatisch lösen. Hinstellen und mich zum Diskutieren drin sitzen lassen. Aber die von Arthur zunächst aufgesuchte Filiale macht es auch nicht, aber es gäbe gegenüber Wechselstuben und weitere Filialen. Schließlich wird Arthur fündig, aber auch dann bleibt der Umtausch aufgrund der südafrikanischen Gesetzgebung umständlich. Wir brauchen die Automatenbelege, dass wir wirklich das Geld von unseren deutschen Konten geholt haben. Die glauben wir, im Haus zu haben. Doch als wir dorthin zurückgefahren sind, finden wir sie doch im Brustbeutel, der die ganze Zeit um den Hals hing. Also wieder in das riesige Einkaufszentrum. Wir finden eine GeU-geeignete Zufahrt zum Parkplatz und Arthur findet im Labyrinth von Geschäften, Restaurants und Kinos – nun mit mir – auch die Bank wieder. Der nette Bankmitarbeiter macht zunächst jede Menge Kopien von EC-Karte, den Belegen, Pass und unserer Aufenthaltserlaubnis. Dass man keinen Zusammenhang zwischen EC-Karte und den Belegen findet, erzählen wir ihm lieber nicht. Wir füllen derweil ein Formular aus und müssen die Angabe machen, welchen Grenzposten wir nehmen. Dann dürfen wir die Rands überreichen. Nach wenigen Minuten kommen per Hauspostanlage die Dollars, aber bis wir die erhalten, vergeht noch eine Weile, will der Computer nicht den Umtauschbeleg ausspucken. Eine unserer zahlreichen Angaben wird nicht akzeptiert, nur welche ist es. Ewig später und mit Hilfe von zwei Kolleginnen gelingt es schließlich. Kurz danach bekommen wir auch unsere Euros und verlassen die Bank auf Nimmerwiedersehen.
So wollen wir nur noch eine 30er Nuss besorgen und haben vor, am übernächsten Tag Pretoria zu verlassen. GeU hat andere Pläne. Als Arthur bei grün wieder anfahren will, lässt sich GeU nicht mehr schalten. Arthur „rührt“ wie wild mit dem Schaltknüppel. Aber er bekommt keinen Gang mehr hinein. Hinter uns hupt es gewaltig. Da hilft nur schieben. Mit Hilfe einiger Zeitungsjungs gelingt es uns, GeU mit seinen neun Tonnen über die Kreuzung zum nächsten Seitenstreifen zu bewegen. Da stehen wir nun.

05.08.2005

Pretoria
Südafrika

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