Reisetagebuch

28.07. – 30.07.2005: Lesotho, von Tele Bridge bis Sani Pass

Der Grenzbeamte kann es gar nicht fassen, dass man auf dem Landweg von Deutschland nach Lesotho gelangen kann. Die Einreiseformalitäten sind eher nebensächlich und anschließend wird er sich wohl auf einer Weltkarte unsere Strecke anschauen. Wir lassen uns derweil vom Königreich in den Wolken verzaubern. Lesotho ist durch seine hohen Berge von faszinierender Schönheit geprägt.

Schon nach wenigen Metern in Lesotho können wir sagen, dass es uns gefällt, erleben wir hier auch wieder ein ursprünglicheres Afrika. Die Straßen sind etwas schlechter (aber im Gegensatz zu den Kongos und Angola immer noch hervorragend). Es liegt „zum Glück“ wieder Müll herum und im Straßengraben befinden sich „endlich wieder“ Autowracks. Die Landschaft ist durch intensiven kleinräumigen Ackerbau geprägt. Schafe, Rinder und Ziegen laufen herum. Die Häuser und Hütten sind deutlich einfacher, die Menschen traditioneller mit bunten Umhängen gekleidet. Uns wird überwiegend freundlich gewunken, aber zum ersten Mal auf der gesamten Tour sehen wir Kinder, die mit Steinen nach uns werfen wollen. Arthur steigt aus erzieherischen Gründen aus und nimmt sich eins der Kinder zur Brust. Wörtlich verstehen tut es ihn wohl nicht, aber die Knie zittern heftigst und schnell sucht es danach das Weite. Bettelnde, aber offensichtlich wohlgenährte Kinder gehören leider zum Straßenbild Lesothos. Wir antworten mit viel Winken, was zum Teil auch so beantwortet wird. Ein bisschen Erziehung muss sein.
Von der Grenzstation fahren wir zunächst nach Quthing, um in die Schlucht des Orange-Flusses, hier Senqu genannt, zu blicken. Der Orange, der später über die Augrabies-Falls fällt und der Grenzfluss zwischen Südafrika und Namibia ist, ist hier noch ziemlich klein. Außerdem schauen wir uns die 160 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Fußabdrücke an. Nun ja, wenig spektakulär! Das Basotho-Museum in Morija gefällt uns besser.
Gemächlich fahren wir die Hauptroute durch Lesotho, kommen durch die Hauptstadt Maseru und gelangen hinter Butha-Buthe in die hohen Berge Lesothos. Bis dahin haben wir zahlreiche Polizeikontrollen hinter uns. Doch hier bringen sie fast schon wieder Spaß. Die Polizisten kommen stets an meine Seite und wollen meinen Führerschein sehen. So frage ich nach, ob sie das wirklich wollen. Einer wird stutzig, guckt genauer ins Führerhaus und kommt lachend zu Arthur ans Fenster. Der Führerschein ist vergessen, unsere Story ist spannender. Aber einer begreift es nicht und behaart auf meinen Führerschein. Er bekommt ihn und wir dürfen nach einem kurzen Blick weiterfahren. Ich halte demonstrativ die Hände ans Fenster. Aber auch in Lesotho ist ein Blick ins Wohnmobil sehr begehrt. Wir sollten Eintritt nehmen, um unsere Reise zu finanzieren.
Schon bis Butha-Buthe hatten wir eine interessante Landschaft mit terrassenförmigen Feldern, vielen Akazien und Kakteen und heftigen Erosionen. Doch das ist noch nichts gegen die Auffahrt zum Moteng-Pass (2.820 Meter hoch). Wir haben Steigungen bis zu 19 Prozent und blicken in enge Täler und auf steile Bergwände. Wieder etwas tiefer (2.525 Meter) finden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz und erleben, was Wintercamping bedeutet. Bei einer Außentemperatur von minus 5,1 Grad am Morgen ist es kein Wunder, dass die Heizung die ganze Nacht gelaufen ist, die Fenster trotzdem vereist sind und die Abflüsse zugefroren sind. Es stellt sich die Frage, ob GeU nach dieser Nacht noch anspringt. Er tut es, aber räuchert, wie wir es noch nie gesehen haben. Dafür hat er keinerlei Probleme mit der Höhe. Auch die nächsten drei Pässe in über 3.000 Meter Höhe passiert er ohne Murren. Waren wir in Afrika schon höher, werden es wohl für GeU die höchsten Punkte auf der gesamten Tour sein.
Wir trauen unseren Augen kaum, als wir hier einen Skilift sehen. Auf Kunstschnee wird Ski gelaufen. Sonst ist es hier eher noch ursprünglicher. Die Menschen wohnen in runden Steinhäusern mit Strohdächern. Nur hin und wieder sieht man moderne Blechdächer. Ab dem Abzweig nach Mokhotlong hört die Teerstraße auf. Auf guter Schotterpiste fahren wir noch ein wenig höher, überqueren den Ktisephola-Pass, wo unser Navigationsgerät eine Höhe von 3.255 Meter misst. Die Berge sind hier weniger steil und spitz, sondern rund und weitläufig. Nach wirklich viel imposanter Landschaft erreichen wir die Grenzstation von Lesotho und sind froh, dass wir dieses Land auf unserer Tour nicht ausgelassen haben.

30.07.2005

Sani Pass
Südafrika

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