Reisetagebuch

17.07. – 26.07.2005: Südafrika, Kapstadt und Kap der Guten Hoffnung

„Here we are!“ Das sind Arthurs Worte, als wir Kapstadt erreichen. Wir haben nun den südlichsten Punkt unserer Reise und Afrikas markantesten und südwestlichsten Zipfel erreicht. Der Tafelberg ist mit Wolken verhangen und nur zu erahnen. Aber die Fahrt in die Stadt ist trotzdem schön. Wir irren auf der Suche nach einer Unterkunft ein wenig durch die Stadt und werden schließlich bei strömenden Regen in Pinelands fündig. Die Riverlodge Backpackers im Oude Molen Eco Village lässt uns auf dem Grundstück campen. Hier lernen wir viele nette, zum Teil auch schräge Menschen kennen und warten darauf, dass wir den Tafelberg in voller Schönheit sichten können.

Die Tage mit Regen nutzen wir zunächst, um uns zu organisieren. Wir beantragen beim Deutschen Generalkonsultat neue Pässe. Arthurs Pass ist nun auch voll und mit meinem könnte ich ab September wegen der nur noch halbjährigen Gültigkeit in einigen Ländern Probleme bekommen. Für GeU kaufen wir etliche Ersatzteile. In Südafrika gibt es zwar alles, aber man muss es finden. Zum Glück sind die Menschen ausgesprochen hilfsbereit und wir werden mit immer neuen Wegbeschreibungen zum nächsten Laden gescheucht. Aber wir können nach und nach Streichungen auf unserer GeU-Einkaufsliste machen und Arthur nutzt die Zeit, um entsprechende Reparaturen und Einbauten vorzunehmen. GeU hat jetzt wieder Nebelscheinwerfer, eine Schublade bekommt endlich vernünftige Schienen und der Zuflussschlauch für den Wassertank wird ersetzt.
Da der Regen anhält, unternehmen wir touristische Indoor-Aktivitäten. Wir begutachten ausführlich Fische und Hummer im Two Ozean Aquarium und machen eine ganztägige Tour in die nahen Winelands. Wir werden morgens um 9.00 Uhr bei unserer Lodge abgeholt und sehr gut angeheitert um 18.00 Uhr wieder abgeliefert. Aber wir können uns hinterher noch erinnern, dass uns viele Weine sehr gut geschmeckt haben. Außerdem haben wir viel Spaß mit der internationalen Truppe aus England, Spanien, Norwegen, Australien und Südafrika. Doch der Wein ist nicht der letzte Alkohol an diesem Tag. Ich gebe mich an dieser Front für diesen Tag geschlagen und lese im Wohnmobil „Spiegel“, aber Arthur, Mark und Blanca trinken weiter, nun Whisky und Bier, und spielen Billard. Dabei beschließt Arthur, am nächsten Tag mit PJ, dem Besitzer unserer Lodge, am Kap nach Schnecken tauchen zu gehen. Welch Vorhaben bei Regen und einer Wassertemperatur von ca. 8 Grad.
Aber im nüchternen Zustand will Arthur immer noch mit PJ auf Schneckenjagd gehen. So werden die Tauchutensilien für Arthur besorgt und Fangrechte für die Alicrickle-Schnecken beim Postamt gekauft. Das Wetter ist an diesem Tag so einladend wie das Wasser. Dunkle Wolken hängen über der Kaphalbinsel. Es windet kräftig. Eine Schauer jagt die nächste. Ich befürchte schon das Schlimmste für den anstehenden Fototermin am Kap der Guten Hoffnung. Aber erst einmal schauen wir Arthur und PJ zu, wie sie zu „Rubbermen“ werden. In dicken Neoprenanzügen gehen sie ins acht Grad kalte Wasser, schnorcheln so lange, bis sie eine Schnecke auf dem Grund finden und tauchen dann ab. Mark, Blanca und ich sitzen derweil in GeU und genießen heiße Getränke. Die bekommen unserer Taucher anschließend aber auch, als sie mit 14 Alicrickle-Schnecken wieder herauskommen. Die Schnecken essen wir am Tag darauf gekocht und dann mit viel Knoblauch gebraten. Aus dem Roggen der Seeschnecken bereitet PJ eine leckere Pate.
Das Wetter hat sich nicht gebessert, aber da wir nun im Nationalpark sind, fahren wir auch an die Spitze. Die Kapspitze ist im Nebel verhüllt. Wir spazieren bei Regen bis zum Leuchtturm. Ich sehe mittlerweile den Fototermin inklusive des Champagner-Trinkens im Regen untergehen. Aber da müssen wir wohl jetzt durch, auch wenn die Vorstellungen und Wünsche für diesen speziellen Ort anders sind. Aber was wir dann erleben, kann man sich in einem Drehbuch nicht besser ausdenken. Kaum sind wir am Kap der Guten Hoffnung angekommen und haben GeU vor dem Schild „Cape of Good Hope“ geparkt, lichtet sich der Himmel und die Sonne kommt hervor. Eine riesige Fotosession beginnt. Wir vor dem Schild, GeU vor dem Schild, wir und GeU vor dem Schild. Es folgt das Gleiche mit Grommet, Mark und Blanca. Dann werden beide Fahrzeuge nebeneinander geparkt und wir stellen uns zu viert auf. Kaum ist alles mit den diversen Kameras abgelichtet, fangen wir von vorne an. Denn nun ist das Licht noch besser und der Himmel wolkenfrei! Aber wir hätten es auch gerne noch einmal gemacht. Es ist einfach ein absolut tolles Gefühl, hier am Cap of Good Hope auf den eigenen Rädern angekommen zu sein. 28.057 Kilometer auf nicht immer den besten Straßen liegen hinter uns. Wir hatten 211 spannende Tage und haben 19 afrikanische Länder durchfahren. So holen wir den letzten Champagner heraus, den wir zu GeU´s Taufe bekommen haben. Er hat den weiten Weg in der Medikamenten-Box verbracht, um nicht zu viel Wärme abzubekommen und ist intensiv durchgeschüttelt worden. 9.637 Kilometer Luftlinie entfernt von unserer Wohnung in Berlin stoßen wir auf eine gute Rückfahrt an. GeU bekommt selbstverständlich auch einen Schluck ab.
Der spontane Wetterwechsel hält an. Am nächsten Tag blicken wir auf einen wolkenfreien Tafelberg. Es ist die Gelegenheit, um mal wieder den „Touri“ zu machen. Wir klettern zu Fuß durch die Platteklip Gorge in einer Stunde und 50 Minuten auf den Tafelberg und haben einen tollen Blick auf Kapstadt, die Tafelbergbucht und die Hügel Richtung Kap. Mit der Seilbahn geht es wieder herunter. Anschließend genießen wir im abendlichen Licht die Fahrt auf einer der schönsten Straßen der Welt, dem Chapman´s Peak. Die Strecke ist zwar leider mautpflichtig, aber ihre 88 Rand – Ungetüme sind halt immer etwas teurer – wert. Die Straße, inzwischen mit Schweizer Hilfe gegen herunterfallende Steine gesichert, führt uns direkt am Atlantik entlang. Rechts geht es steil zum Wasser herunter, links steil die Felsen hoch. Ebenfalls schöne Anblicke bekommen wir, als wir mit einer Fähre nach Robben Island fahren. Schon wegen der tollen Sicht auf den Tafelberg hat es sich gelohnt. Aber auch die Bustour auf der Insel sowie die Führung durch jenes Gefängnis, wo auch Nelson Mandela 18 Jahre verbracht hat, sind beeindruckend. Ein ehemaliger Gefangener zeigt uns die Zellen und berichtet aus jener Zeit, die erst vor 15 Jahren mit der Freilassung Mandelas und mit der Abschaffung der Apartheid in Südafrika ein Ende hatte.
Damit sind die touristischen Highlights Kapstadts erledigt. Obwohl wir beide die Stadt kannten, haben wir die Zeit hier sehr genossen. So könnten wir eigentlich abreisen, aber wir warten mal wieder. Diesmal liegt es nicht an der afrikanischen Bürokratie, sondern an der deutschen. War die Passausstellung in Accra eine Angelegenheit von zwei Tagen, braucht das hiesige Konsulat sieben Tage. Es wären wohl noch mehr geworden, hätte Arthur nicht sehr bestimmt mit der Vorgesetzten verhandelt.
Nun machen wir uns auf den Heimweg. Die Fähre über das Mittelmeer ist für Mitte November bereits gebucht. Vor uns liegen ca. 14.000 Kilometer und acht afrikanische Länder.

26.07.2005

Kap der guten Hoffnung
Südafrika

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