Reisetagebuch

04.07. – 07.07.2005: Südafrika, von McCarthy´s Rust bis Rietfontein

Unsere erste Einreise nach Südafrika wäre fast gescheitert. Der Grenzer tut sich schwer mit Arthurs fast vollem Pass. Aber mit etwas Zureden gibt er sich mit dem Platz auf der ersten Seite für den Aufkleber zufrieden, meint aber, dass wir mit diesem Pass niemals nach Namibia hineinkämen und lieber direkt zur Deutschen Botschaft nach Kapstadt fahren sollten. Wir werden sehen und gegebenenfalls diskutieren. Dann düsen wir auf guter Piste etwas südlich der botswanischen Grenze zum Kgalagadi Transfrontier Park. Eigentlich wollten wir uns zuvor noch mit südafrikanischen Rand versorgen, aber ein Mini-ATM in einem Shop will uns kein Geld geben. Den Automaten, wo es mit EC-Karte hervorragend klappt, entdecken wir erst nach dem Parkbesuch. So kommen wir nahezu bargeldlos am Parkeingang an und hoffen, mit US-Dollars den Nationalpark und das Camp bezahlen zu können. Sonst hätten wir viele Kilometer umsonst gemacht.

Die nette Dame am Gate schüttelt mit dem Kopf. US-Dollar würden nicht akzeptiert. Aber vielleicht hätten wir eine Visa-Card? Wir atmen erfreut auf. Doch was kostet der Park für uns inklusive GeU? Unsere Erfahrungen aus Botswana könnten das Vorhaben trotz Kreditkarte killen. Doch wir können gleich noch einmal aufatmen. GeU kostet nichts, nur wir müssen pro Tag und Person 120 Rand (ca. 15 Euro) zahlen. Der Besuch im Nationalpark ist gerettet. Da das Camp voll ist, verbringen wir diese und die nächsten zwei Nächte außerhalb des Parks: 300 Meter vom Eingang entfernt, etwas verdeckt durch einen Busch.
Da hungrige Tiere früh auf den Beinen sind, sind wir auch die nächsten zwei Tage früh dabei. Frühstart vor Sonnenaufgang, pünktlich um 7.30 Uhr passieren wir das Gate und haben so über zehn Stunden Zeit für ausgiebige Touren und Tierbeobachtungen im Park. Der Kgalagadi Frontier Park befindet sich in einem Zipfel Südafrikas zwischen Namibia und Botswana. Zur botswananischen Seite ist das Park offen, so können die Tiere grenzüberschreitend in die Kalahari-Wüste ziehen. Die beiden Hauptwege im Park führen durch die Flusstäler des Auob und des Nossob. So bekommen wir leider nur selten Eindrücke von der Weite der Kalahari-Wüste, aber auch hier zeigt sie sich recht typisch mit den roten Dünen auf den Kämmen. Aber die Landschaft ist letztendlich nur zweitrangig, wollen wir doch Tiere beobachten. Auf’s Neue werden wir nicht enttäuscht.
Die wunderschönen Oryx-Antilopen gibt es überall. Sie haben dem Park seinen ursprünglichen Namen (Gemsbok Nationalpark) gegeben. Aber wir sehen auch viele Springböcke (manche springen auch tatsächlich aus dem Stand ziemlich hoch), Gnus und Straußen. Außerdem sichten wir einige Schwarzrückenschakale, eine große Ansammlung von Giraffen unterschiedlichster Größen, weitere Antilopenarten, einen Mongoose, eine afrikanische Wildkatze und Erdmännchen. Letztere sind einfach putzig, wenn sie sich aufrecht auf die Hinterbeine stellen, um ihr Umfeld zu beobachten. Die Vögelwelt ist ebenfalls recht umfangreich. Wir sichten einen Sekretärsvogel, einige Geier und viele Kori Bustards. Die Riesentrappen sind die größten flugfähigen Vögel der Welt. Bei ihrem Start sieht man (weibliche Hirne vorausgesetzt) sehr genau, woher das Wissen übers Fliegen kommt.
Höhepunkt des ersten Tages ist ein junger Löwe, der wenige Meter von der Piste entfernt im Gras liegt. Der Höhepunkt des zweiten Tages hätten jagende Löwen sein können. Schon am Vormittag hatten wir sie versteckt zwischen Grasbüscheln in der Nähe des Kamms dösen gesehen, nur war noch keine Nahrung am Wasserloch angekommen. Am Nachmittag wagen sich ganz langsam und bedächtig einige Oryxe ans Wasserloch. Zwei der Löwen sind zwar nicht mehr auszumachen, aber offenbar noch in der Nähe. Das nervöse Verhalten der Antilopen ist eindeutig. Haben sich die Löwen verteilt und ihre Stellung für ein gemeinsames Jagen bezogen? Wir werden es nie erfahren, was wirklich am Wasserloch geschah. Die Parköffnungszeiten lassen keine weitere Beobachtung zu. Sehr schade! Trotzdem hatten wir wieder einmal zwei wunderschöne Tage inmitten der wilden Tiere Afrikas.
Und schon verlassen wir wieder Südafrika. Bei der Ausreise findet sich Platz für den südafrikanischen Ausreisestempel. Ob wir gleich wieder da sind, weil Namibia uns nicht hineinlässt?

07.07.2005

Rietfontein
Südafrika

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