Reisetagebuch

29.06. – 03.07.2005: Botswana, Gaborone

Die Probefahrt am Vortag in Gaborone hat das reparierte Getriebe gut überstanden. Aber als wir am nächsten Morgen die Stadt verlassen wollen, kommen wir nicht weit. Als Arthur das erste Mal das nun kalte Getriebe in den fünften Gang und somit in die hohe Gruppe schalten will, geht es wieder nicht. So kehren wir 250 Meter nach der Ausfahrt des Campingplatzes um. Arthur verkrümelt sich erneut unter das Auto. Diesmal für drei Tage, denn nun muss das Getriebe auseinander genommen werden.

Um vernünftig am Getriebe arbeiten zu können, muss zuerst der Auspuff abmontiert werden. Dann heißt es viele, viele Schrauben lösen. Die wenigsten waren in letzter Zeit mal los, die meisten sind vermutlich seit GeU´s Baujahr 1988 nicht bewegt worden. Die Kriechölflasche leert sich zügig. Dann muss eine Lösung gefunden werden, wie das Getriebe langsam und mit Bedacht herabgesetzt werden kann. Der Einsatz der Wagenheber und der Ständer macht sich gut.
Nach sechs Stunden hat Arthur jene Stelle freigelegt, wo die Ursache für die Schaltprobleme liegen. Der Stift, der die Schaltgabel auf der Schaltstange sichert, ist abgeschert und muss ersetzt werden. Arthur findet in seinem Werkzeugkasten passendes Material, sägt und feilt eine Weile. Aber am Abend des ersten Tages ist die Ursache behoben, nun muss nur noch alles wieder zusammengebaut werden.
Dafür muss das Getriebe noch ein wenig weiter auseinander genommen werden. Das dafür benötigte Spezialwerkzeug, ein Abzieher, haben wir nicht dabei. An sich lassen sich solche Abzieher in Gaborone beschaffen, aber nicht an einem Feiertag, der auf den zweiten Tag unseres Zwangsaufenthalts fällt. Dann folgt das Wochenende, an dem solche Läden ebenfalls geschlossen sind. Aber am Montag könnte es weiter gehen. So beschäftigt sich der Chef-Ingenieur mit anderen Dingen. Es gibt schließlich immer etwas an GeU zu tun. Der Batteriekasten bekommt einen Einsatz, damit sich die Batterien im Batteriekasten nicht mehr bewegen können. Bei der Druckluftanlage wird der Druckregler durch einen neuen ersetzt.
Aber unser Getriebeproblem ist inzwischen auf dem Campingplatz bekannt. Ebenso das Problem des fehlenden Werkzeuges. Der Campingplatzbesitzer bemüht sich erfolglos, einen ihm bekannten Kfz-Monteur aufzutreiben. Unser Nachbar lässt sich aus Interesse das Problem schildern, denkt ein wenig nach und fragt dann nach einem Schnittbild des Getriebes. Schon ist die Lösung gefunden! Arthur muss noch die Welle ausbauen, danach müsste er alles wieder zusammensetzen können. Es funktioniert, allerdings ist Arthur über das Gewicht des kompakten Stahlklotzes überrascht. Muss er plötzlich rund 30 Kilogramm halten. Beim Zusammenbau sichert er den Synchronring mit Nüssen, Riemen und Seilen gegen Verschiebungen, bindet zusätzlich die Schaltgabel mit der Schaltstange an dem ganzen Teil fest. Der Einbau, bei dem die Welle passgerecht aufgeschoben, die Schaltstange in ihre Führung eingeführt und ein Blech an die richtige Stelle bewegt werden muss, klappt trotz der Unhandlichkeit des Teils auf Anhieb. Dabei unterstütze ich Arthur, war ich mittlerweile doch vom Einkaufen zurückgekehrt. Sonst bestand mein Job vor allem aus dem Reichen vom Werkzeug, während ich auf dem „Besucher-Beobachtungs-Stuhl“ neben GeU saß. Am nächsten Tag wird der Rest zusammengeschraubt und Probe gefahren. Diesmal ist der Chef-Ingenieur zuversichtlich, dass es funktioniert. Ölverschmiert verschwindet Arthur unter der Dusche. Die Arbeitsklamotten sind nicht mehr waschbar und landen in der Tonne. Überbleibsel der Aktion: diverse Kratzer und Wunden an Arthurs Händen, Armen und Kopf. Aber dafür kennt er jetzt GeU´s Innenleben und ist zu Recht stolz auf sich, diese Reparatur alleine gemeistert zu haben. Es wäre am Ende auch mitten im Busch möglich gewesen.
So bereiten wir unsere zweite Abfahrt von Gaborone vor und fahren in ein riesiges Einkaufszentrum. Der Supermarktbesuch endet mit einem extrem gut gefüllten Einkaufswagen. Es gab so viele leckere Sachen! Außerdem hatten wir beide Hunger und können alles mit der Kreditkarte bezahlen. Aber zum Glück ist das Preisniveau in Botswana im Vergleich zu Deutschland und anderen afrikanischen Ländern recht günstig. Ein besonders günstiges Lebensmittel hatten wir schon Tage zuvor entdeckt und in ausreichender Menge konsumiert: Rinderfilet, 600 Gramm für zwei Euro. Noch Fragen, was noch mehrfach auf unserem Grill und in der Pfanne landen wird?

03.07.2005

Gaborone
Botswana

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