Reisetagebuch

23.06. – 29.06.2005: Botswana, von Kazungula bis Gaborone

Botswana – zum zweiten! An dieser Grenze nimmt man die Veterinär- und Lebensmittelkontrolle ernst. GeU muss durch eine Salzlauge rollen, wir müssen über einen mit Natronlauge getränkten Schwamm gehen und der Kühlschrankinhalt wird geprüft – aus der Ferne. Die zuständige Dame kann oder will nicht in GeU hineinklettern und lässt sich von Arthur den Inhalt zeigen. Ketchup, Schokolade, Senf, Marmelade, Bier, kalter Tee ... Alles harmlos. Die Gute verliert die Lust! Wir hätten also ohne Ende halbe Schweine und Frischmilch mit Maul- und Klauenseuche dabei haben können. Hatten wir aber nicht und rollen zur Immigration und zum Zoll. Beim letzteren erleben wir eine erfreuliche Überraschung.

Als die Zöllnerin das durch die Ausreise abgelaufene Short-Term Permit betrachtet, erklärt sie uns, wir hätten bei der ersten Einreise zu viel bezahlt. 100 statt 40 Pula. GeU war fälschlicherweise als gewerblich statt privat genutzter LKW eingestuft worden. Was nun? Noch einmal zahlen, wollen wir nicht, haben schon mehr als das Doppelte hingelegt. Sie reagiert sensationell pragmatisch. Unser Short-Term Permit bleibt gültig, wir haben Botswana einfach nie verlassen.
Angesichts leerer Tanks und eines leeren Kühlschranks machen wir in Kasane einen Versorgungsstopp. 0,44 Euro pro Liter sind ja auch nicht schlecht. Auch das Angebot im Supermarkt sagt uns zu. Dann ist es Zeit für das nächste Buschabendteuer.
Unser Ziel sind die Makgadikgadi Pans. Der Weg dahin geht über Nata, allerdings im Dreieck. Den Umweg wollen wir nicht fahren und wählen die „Abkürzung“ durch den Busch. Weder auf der Michelin-Karte noch im Lonely-Travel-Altas sind Wege eingezeichnet, aber auf der russischen Digitalkarte. So verschwinden wir auf einer Buschpiste im Gestrüpp. Das funktioniert am Anfang noch ganz gut. Aber die Autospuren werden weniger und verschwinden schließlich ganz. Wir folgen einem ausgelatschten Elefantenpfad und haben rund um die Wasserlöcher große Schwierigkeiten den breitesten der eigentlich zu schmalen Pfade wieder zu finden. Aber nach ca. 50 Kilometer finden wir nichts mehr, obwohl es hier Wege geben soll oder vor 20 Jahren gegeben hat, jedenfalls als die Russen ihre Karten erstellt haben. So schieben wir Frust. Ein Umkehren kommt für Arthur nicht in Frage, das wäre ja Aufgeben. Es muss hier Wege geben! So sucht er stundenlang nach Alternativen. Nach einer sehr ruhigen Nacht kämpft sich GeU wie die Elefanten durch den Busch. Nur macht er dabei deutlich mehr Lärm. Es poltert und kracht mal wieder ohne Ende. Äste fliegen im hohen Bogen. Unser armes Ungetüm! Was macht das alles weitgehend klaglos mit! Dann stehen wir plötzlich vor einem, der vielen Veterinärzäune Botswanas. Wegen ihrer Sorge vor Maul- und Klauenseuche haben die Botswana ihr Land mit Zäunen ohne Ende versehen und Kontrollposten installiert. Hinter dem Zaun gibt es eine richtig breite Piste. Es gibt sie zwar nicht auf der Digitalkarte, aber irgendwohin muss sie ja hinführen. Nachdem wir den Zaun bewältigt haben (an dieser Stelle nur noch ein heiles, gespanntes Drahtseil, dass Arthur herunterhält, während ich mit GeU herüberfahre), fahren wir zunächst Richtung Westen, 17 Kilometer. Keine Richtungsänderung oder abzweigende Wege nach Süden zu erkennen. So kehren wir um und versuchen die Gegenrichtung. Mit Erfolg! Nach 26 Stunden sind wir wieder auf der Hauptstraße: exakt 20 Kilometer weiter südlich. Von wegen wir reisen zügig durch Afrika. Aber dafür haben wir einmal mehr Afrika life erlebt. GeU lieferte sich ein Wettrennen mit fünf Straußen. 35 Stundenkilometer zeigt unser Tacho. Die Strauße zeigen athletisches Laufvermögen. Die Federn wippen im Luftzug. Schön anzusehen. Dann biegen die Tiere in den Busch ab, waren aber bestimmt noch nicht müde.
So fahren wir am Ende doch über Nata und erreichen ohne weitere Probleme die Pans. Die Vegetation nimmt stark ab. Nur noch vereinzelte Büsche und salzresistentes Gras ist zu sehen. Dann hört auch das auf. Wir haben riesige weiß-graue Flächen erreicht. GeU düst mit bis zu 90 Kilometern über die Freifläche und bekommt endlich mal keine Schläge von Ästen ab. Gerne würden wir hier einfach so über die Flächen brettern und uns erneute Wettrennen mit Straußen liefern, aber auf Salzpans sollte man wegen der Gefahr des plötzlichen Einsinkens nicht von den Wegen abweichen. So folgen wir der mit den russischen Digitalkarten geplanten Route. Sie stimmt!
Am Rande der Pans suchen wir uns ein Übernachtungsplatz – zunächst für eine Nacht. Bis wir uns den hinteren rechten Reifen betrachten. Das Profil ist nun gänzlich weg, die ersten Stücke sind schon abgeflogen. Nach 24.000 Kilometern on Tour hat sich der erste Reifen endgültig verabschiedet. Wir müssen Reifen ummontieren. Hinten rechts kommt von der Felge herunter und als absolute Notreserve aufs Dach. Der bislang auf dem Dach gefahrene wird stattdessen dort montiert. Allerdings ist das Felgenband sehr widerspenstig und es zieht sich, bis der Reifen wieder komplett ist. Hinten links wird mit dem ursprünglichen Reserverad getauscht. So verbringen wir den Tag im Busch und nehmen „Buschwerkzeuge“ zur Hilfe. Um den ca. 100 Kilo schweren Reifen wieder auf’s Dach zu bekommen, befestigen wir den Flaschenzug im Baum. Als der Mantel hochgeheben ist, wird GeU darunter geparkt und schon ist der Reifen auf dem Dach.
Dann geben wir Gas. So langsam sollten wir sehen, dass wir nach Südafrika kommen. Die ausgezeichneten Teerstraßen Botswana erleichtern uns dieses Vorhaben enorm. Wir schaffen fast einen neuen Tageskilometerrekord. 451 Kilometer trotz einer Bastelphase an GeU. Nach einer kurzen Pause startet er nicht mehr. Die Mutter am Pluskabel an der Batterie hatte sich losgerüttelt. Ganz so klaglos nimmt unser Ungetüm die Strapazen doch nicht hin.
Gaborone erreichen wir auf einer vierspurigen, fast leeren Straße. Das Land hat aufgrund seiner Diamanten Geld. Schon über 20 Kilometer vor der Stadt gibt es Straßenbeleuchtung. In Gaborone wollen wir den üblichen Stopp mit Tankstelle, Supermarkt und Internet-Cafe machen. Aber GeU durchkreuzt unsere Pläne, indem er plötzlich nicht mehr in die hohe Gruppe des Getriebes schaltet. So flüchten wir im vierten Gang auf den „City Camp“ und Arthur verzieht sich mit Werkzeug und Reparaturhandbuch unters Auto. Nach eineinhalb Stunden ist die Ursache gefunden und behoben, nur wissen wir nicht, für wie lange.

29.06.2005

Gaborone
Botswana

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