Reisetagebuch

20.06. – 23.06.2005: Simbabwe, Victoria Falls

Wir nutzen zwar zunächst ausgiebig die Facilities des Campingsplatzes, um viel Schmutz und Dreck zu beseitigen, aber das ist wahrlich nicht der Grund unseres Hierseins. Die Victoria Falls, eins der sieben Naturweltwunder, bekommen unsere volle Aufmerksamkeit. Nach einem halben Jahr auf Tour machen wir auf „Touri“ und schlagen voll zu.

Schon vom Zentrum des Ortes sieht man die riesige Gischt-Wolke über den Victoria-Fällen. Das könnte ein nasses Vergnügen werden. Es wird eins. Auf einer Länge von 1,7 Kilometern fällt der Sambesi über 100 Meter herunter, fließt in der engen, kurvenreichen Batoka-Schlucht weiter und mündet schließlich in Mosambik im Indischen Ozean. Durch die vom Sonnenlicht beschienene Gischt ist fast immer ein Regenbogen in und über der Schlucht zu sehen. Mit dem strahlend blauen Himmel ergibt das ein tolles Bild. Da man die Victoria-Fälle von der gegenüberliegenden Seite der Schlucht betrachtet, wird diese Seite bei passenden Winden gut befeuchtet. An diesem Tag stimmt die Windrichtung! Wir erleben die Victoria-Fälle bis auf die Haut. Es ist ein kaltes Vergnügen, wenn eine „Duschschauer“ auf einen herunterweht. Trotzdem nehmen wir jeden noch so nassen Aussichtspunkt mit. Man könnte schließlich eine Perspektive verpassen. Wir sind begeistert von diesem Naturspektakel und stimmen dem hiesigen Namen für die Fälle voll und ganz zu. "Mosi oa Tunya" heißt „Rauch mit Donner“. Denn leise ist es nicht. Das fallende Wasser lärmt kräftig in der engen Schlucht.
Aber das ist noch nicht alles. Die ständig über die Fälle kurvenden Hubschrauber und Kleinflugzeuge haben es uns angetan. Wir erkundigen uns in einigen der überaus zahlreichen Büros diverser Touranbieter. Der Preis ist nicht extrem abschreckend, aber man will mit Cash bezahlt werden. Für solchen Fun die letzten US-Dollar ausgeben? So recht gefällt uns das nicht. Aber dann finden wir einen Anbieter, der Kreditkarten nimmt. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Victoria Falls und werden nicht enttäuscht von unserem Touri-Paket mit drei Bausteinen.
Baustein eins: auf dem Elefanten durch den Busch reiten! Von Elefanten war ich schon immer begeistert. Als ich Clem sehe, ist es natürlich Liebe auf den ersten Blick. Clem ist ein 21jähriger Elefantenbulle, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, schaukelt uns eine Stunde gemütlich durch den Busch und mag es, wenn man ihm die Ohren krault. Sein Guide erzählt uns jede Menge, was ich schon immer über Elefanten wissen wollte. Der Rüssel hat über 50.000 Muskeln, kann neun Liter Wasser auf einmal in den Mund befördern und saugt ganz besonders gerne süße Leckerlis an. Wir füttern Clem unterwegs mit Futterpellets. Das schmeckt so gut, dass der Rüssel fast umgehend wieder da ist. More! Auch sonst lässt sich Clem durch den Ritt nicht seinen Appetit verderben. Immer wieder werden Sträucher abgerissen und mit dem Rüssel in den Mund befördert. 250 Kilo Futter pro Tag wollen gegessen werden. Da kann man keine Pause einlegen. Außerdem furzt der Bulle ausgiebig. Methanemissionen – so der Klimaexperte auf dem Sitz hinter mir. Zum Abschied schaue ich Clem zwar tief in die Augen, aber Sehen ist nicht der Stärke von Elefanten. Ab 20 Meter wird es unscharf. Dafür haben sie ein ausgezeichnetes Gehör und einen sehr feinen Geruchssinn. Durch letzteres sollte uns Clem auch nach langer Zeit wiedererkennen. Ob das wirklich gelänge?
Baustein zwei: Sunset Cruise auf dem Sambesi! Blutroter hätte der Sonnenuntergang nicht sein können! Aber auch zuvor sind die Farben beim abendlichen Licht genial. Blaues Wasser, grüne Inseln, blauer Himmel! Als dann noch Hippos auftauchen und ihr Maul aufreisen: einfach toll! Wir genießen die Bootstour und bekommen zum Glück von den anderen Touris an Bord nicht allzu viel mit. Wir sitzen direkt am Bug und haben freie Sicht. So haben wir zwar keinen Tisch für die leckeren Snacks und unsere Weißwein-Gläser, uns bleibt aber jegliche Zwangskonversation erspart. Der krönende Abschluss nach Sonnenuntergang: ein Elefant am Ufer. Er war wirklich da, wie ein für die Homepage leider zu schlechtes Digitalfoto beweist. Hätte ja auch sein können, dass wir ihn uns nur eingebildet hätten, schließlich galt an Bord: "Drink what you can". Wir haben es nicht ausgenutzt, unter anderem wegen dem Programmpunkt am nächsten Morgen.
Baustein drei: mit dem Helikopter über die Victoria-Fälle. Für 15 Minuten in der Luft ist der Aufwand enorm. Wir werden von unserem Camp abgeholt, leider mit 35 Minuten Verspätung und befürchten schon das Schlimmste für unseren Flug, und nach Sambia gebracht. So verlassen wir Simbabwe auf der Sambesi-Brücke über der Second Gorge und bekommen direkt an der sambesischen Grenze ein Tagesvisum für 10 US-Dollar. Am Flugplatz agiert Batoka-Air sehr professionell. Schnell sind wir im Besitz von Bordkarten und schon sitzen wir im chicen Heli. Ready for take-off! 15 traumhafte Minuten folgen. Hatten wir von unten befürchtet, die Helis fliegen zu hoch, war die Höhe (knapp 4000 Fuß = 1300 Meter) genau richtig, um einen abschließenden Eindruck von den Victoria-Fällen zu bekommen. Mehrfach fliegt uns unser Pilot über die Fälle, die mehrfach geschwungene Schluchten und den Sambesi, wo wir am Abend zuvor die Bootstour hatten. Wir verknipsen beide jeweils einen Film, werden diese Bilder aber auch ohne Fotos in Erinnerung behalten. Dank eines Fehlers in der Abstimmung der beteiligten Reisebüros bekommen wir den Flug am Ende kostenlos – in Anbetracht des Geldes, dass wir an anderer Stelle in Afrika ungerechtfertigterweise gelassen haben, entscheiden wir uns, diesen Irrtum zu unseren Gunsten nicht aufzuklären.

23.06.2005

Victoria Falls
Simbabwe

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