Reisetagebuch

16.06. – 20.06.2005: Botswana, von Mohembo bis Kazungula

So schnell wie uns Namibia entlassen hat, nimmt uns Botswana auf. Nur dürfen wir auch hier zahlen: 100 Pula für ein Short-Term Permit, das man bei jedem Grenzübertritt neu lösen muss, und 20 Pula für die Road Safety Levy Fee, die bis zum Ende des Jahres gilt. Zusammen sind es auch schon wieder 17 Euro, aber zahlbar in namibischen Dollar. Als „Real African Overlanders“ verlassen wir kurz nach der Grenze die Zivilisation und kehren für einige Tage zurück in den afrikanischen Busch. Dort wird es besser, als je zuvor!

Die in der Michelin-Karte mit einer Maximalbeladung von fünf Tonnen eingezeichnete Fähre über den Okavango nimmt unser Ungetüm zusammen mit zwei Pick-up´s mit. Wir wollen uns die Nordseite des uns ebenfalls bekannten Okavango-Deltas anschauen und von Seronga aus einen Trip mit einem Mokoro machen. Außerdem hoffen wir sehr, auch außerhalb der dortigen Nationalparks Tiere zu sehen.
Die Tour mit dem Mokoro, einem traditionellen Kanu, lässt sich nicht verwirklichen. Wir suchen alleine weit über eine Stunde im Dorf Seronga den Trip-Anbieter „Okavango Polers Trust“ und stoßen wieder einmal auf afrikanischen Phlegma. Heute, jetzt eine Tour? Nun ja, die Boote liegen alleine 45 Minuten vom Office entfernt, ein Auto haben sie nicht und den Poler für uns müssten wir zusammen im Dorf erst suchen. Als sie dann noch einen unrealistischen Kurs für unsere US-Dollar nennen, verlieren wir die Lust. Schade um die Tour und schade um die Polers. Denn die Selbstdarstellung des Trusts zeugt davon, dass hier einmal mit ausländischer Hilfe ein Eco-Tourismus-Projekt entwickelt worden ist, das sich nun selbst überlassen ist und nicht so recht funktioniert.
So setzen wir auf die Tierwelt! Sind wir doch nun im „Elefanten-Country“. Ein Elefanten-Warnschild schärft unsere Aufmerksamkeit. Der Reiseführer schreibt, dass im nahen Chobe Nationalpark mindestens 60.000 Elefanten leben, die sich bekanntlich nicht an Grenzen jeglicher Art halten. Ihre Spuren sehen wir deutlich: verwüstete Landstriche, ohne Ende Misthaufen und unzählige Fußabdrücke auf den Pisten. Nur ist das Gelände ziemlich dicht bewachsen. Wir fahren wegen den belaubten Büschen und Bäumen mit eingeklappten Außenspiegeln auf schmaler Sandpiste, zum Teil im Kriechgang, weil die vorhandene Spur nicht GeU´s Kragenweite ist und er sich seinen eigenen Weg wühlen muss. So kurven wir zwei halbe Tage ohne jegliche tierische Begegnungen durch die Botanik. Selbst die Übernachtung an einem Wasserloch bringt nichts. Aber dann geht es Schlag auf Schlag.
Als wir den Rand der Linyanti-Sümpfe erreichen, wird es offener und wir sehen Viecher, wo immer wir hinsehen. Wir treffen Elefanten, Giraffen, Impalas, Nilpferde, Gnus, Zebras, Kudus, Paviane und Warzenschweine und zwar von allem reichlich und dicht bei. Alles zusammen sind das für uns bekannte Erlebnisse, doch die Faszination an wilden Tieren im afrikanischen Busch ist geblieben. Es ist auf´s Neue einfach nur toll. Das ist Afrika!
Dieses Afrika-Feeling erleben wir am Abend und in der Nacht noch intensiver. Da wir außerhalb jeglicher Nationalparks sind, stellen wir uns am Abend in die Nähe der Stümpfe und erleben Afrika, wie auch wir es noch nicht hatten - es aber uns immer erträumt haben: Campen mitten im Nichts und umringt von wilden Tieren. Wir sitzen zunächst auf GeU´s Dachgepäckträger und schauen später aus unser Dachluke heraus und haben Elefanten, Antilopen, Paviane und Nilpferde um uns herum. Die Nilpferde sehen wir zwar nur ganz selten, aber hören tun wir sie die ganze Nacht. Sie sitzen im Sumpf und röhren sich (oder uns?) ohne Ende und in unschiedlichen Lauten an. Später klingt sich noch ein Löwe in den Hippo-Chor ein. Traumhaft! Das ist Afrika! Muss ich da noch erwähnen, dass der Sonnenuntergang blutrot war und anschließend der Mond uns und die Tierwelt bescheint?
Aber auch hier treffen wir auf Menschen. Am Abend ertönt plötzlich ein menschliches „Hello“ inmitten der Hippo-Laute. Ob wir ein Problem hätten? Nein, wir wollen nur übernachten. Das dürfen wir, sei es schließlich zu dunkel, um weiter zu fahren, aber wir sollen im Wagen bleiben. Angesichts der Nilpferde und anderer nicht hör- und sichtbarer Tiere hatten wir auch nichts anderes vorgehabt. Wieder einmal sind wir dankbar über unsere Autarkie in GeU, können wir doch fast überall übernachten. Aber trotzdem müssen wir am nächsten Morgen ein wenig mehr in der Nähe der wilden Tiere herumlaufen, als uns lieb ist. GeU zickt mal wieder herum, nun schon den zweiten Tag in Folge. War er am Vortag noch 229 Meter gefahren, geht er diesmal gleich wieder aus. Es sieht nach Problemen mit der Dieselzufuhr aus, nur finden wir diesmal keinen Schmodder in der Banjoschraube am Tankanschluss. Wir entlüften jeweils ausführlich. Bekanntlich müssen wir dafür das Führerhaus kippen und zuvor von der Dachballast befreien. Danach hüstelt unser Ungetüm noch ein wenig und bringt nicht die gewohnte Leistung, fährt aber wieder. Trotzdem horchen wir viel auf die Motorengeräusche. Irgendwie ist dieser Teil des afrikanischen Busches nicht für aufwändige Motorreparaturen geeignet – zur einen Seite könnten die Hippos aus ihrer Salatschale kommen, zur anderen Seite entert die Paviane GeU und klauen das Werkzeug.
Den Chobe Nationalpark durchfahren wir nur an einer Ecke für insgesamt acht Kilometer. Die öffentliche, auf Detailkarten eingezeichnete Straße verläuft hier im Transit durch den Park. Das bringt uns jede Menge Diskussionen ein, wie sie für Afrika typisch sind. Der uniformierte Parkangestellte verlangt Eintritt, aber als Arthur ihm erklärt, wir befinden uns im Transit auf einer öffentlichen Straße, sollen wir uns nur im Buch für "Non-Paying Visitors" eintragen. Machen wir und wollen weiter. Doch dann kommt der Chef – im dreckigen und kaputten Zivil – meint, wir müssten doch zahlen. Angesichts des vorhandenen Non-Paying-Visitors-Book weigern wir uns und fahren los. Doch nach einigen Kilometern überholt uns ein Wagen des Nationalparks mit diesen zwei Personen und stoppt uns, indem er sich quer auf die Piste stellt. Der „Chef“, reichlich unhöflich während der gesamten Unterhaltung, lässt den Uniformierten sein Gewehr auf uns richten und fordert Arthur zum Aussteigen auf. Nichts da. Es folgt eine mal mehr, mal weniger erregte Diskussion mit wildem Gebrüll. Der Hitzkopf erklärt uns, dass das Gebiet unter seiner "Jurisdiction" stehe (seiner persönlichen oder was?) und wir zu zahlen hätten. Wir argumentieren mit Transit auf öffentlicher Straße. Er droht mit Polizei und Verhaftung, wir mit der Deutschen Botschaft. Schließlich einigen wir uns auf ein gemeinsames Zurückkehren zum Parkgate, um Parkregularien und Gesetzestexte zu studieren. Danach ist ein Transit durch den Park möglich – auf "designated roads". Aber was sind „designated road“? Leider ist der Begriff nicht definiert. Wir bleiben bei unserem Standpunkt, schließlich geht es hier auch um viel Geld. Für uns würde der Park pro Person 120 Pula (ca. 20 Euro) kosten, aber unser gelbes Schwergewicht würde das Budget heftig sprengen: 1.500 Pula gleich 250 Euro. Und das für 8 Kilometer. So setzt der „Chef“ auf seinen „Chef“ und nimmt per Funk Rücksprache. Und plötzlich dürfen wir fahren! Was hat der Big-Chef da wohl gesagt. Genau erfahren wir es nicht, aber Arthur bekommt zu hören, er sei „too complicate“ und würde ihm Kopfschmerzen bereiten. Das tut uns aber leid. Leider hat es diesmal mit der Weißen-Abzocke nicht geklappt. Nicht mit uns.
Bei der letzten Übernachtung in Botswana kurz vor Ngoma erleben wir noch einmal „Big brother life“, diesmal life auf dem Zebra-Kanal. Auch die Zebras und mit ihnen die Waterbucks sind neugierig ohne Ende, halten aber mehr Abstand beim Schauen in unser Wohnmobil! Auf dem Weg nach Kasane und weiter zur Grenze nach Simbabwe sehen wir noch mehrfach Elefanten und Paviane. Auch eine Teerstraße wird geentert, wenn sie auf dem Weg liegt.
Die Ausreise aus Botswana: 15 Sekunden, dann ist der Pass gestempelt.

20.06.2005

Kazungula
Botswana

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