Reisetagebuch

08.06. – 11.06.2005: Angola, von Lobito bis Lubango

Bis Lobita haben wir den geplanten Weg durch Angola genommen. Doch dank Mark und Blanca weichen wir davon ab und fahren weiterhin entlang der Küste Richtung Süden. Viel wissen wir nicht über die Strecke. Sie soll zum Teil über steinige Gebirgspisten gehen, wo man viel Zeit für wenige Kilometer braucht. Ein Angolaner bezeichnet sie als „boring“ und rät uns ab, weil es wenig zu sehen gäbe. Doch es ist „fantastic“, wie Mark immer wieder beim Aussteigen feststellt.

Die Landschaft ist hügelig und sehr trocken. Es gibt kaum noch Gras, dafür viele Dornakazien. Die meisten Flüsse sind ausgetrocknet, nur hin und wieder sieht man noch Wasserspuren. Die Piste ist teilweise überraschend gut. Wir haben schon anderes in Angola kennen gelernt. Teilweise hat die Piste aber auch die Qualität der Falaise de Bandiagara in Mali: steil und steinig! Aber nicht ganz so scharfkantig. GeU klettert im Kriechgang die Pisten hoch und herunter. Blanca macht davon Videoaufnahmen und wir sehen mal von außen, wie unser Ungetüm durch die Gegend schaukelt. Leider ist die Videodatei zu groß, um sie auf die Homepage zu stellen. Mitten in diesem Nichts verbringen wir eine ruhige Nacht. Menschen sehen wir auf diesem Stück nicht. Die Autos in den ersten zwei Tage können wir an einer Hand abzählen.
Auch am zweiten Tag sind wir weiterhin von der Landschaft begeistert. Nur Grommet gefällt es hier anscheinend nicht und zwingt uns zu mehreren Stopps am Wegesrand. Erst fällt ein Kühlwasserschlauch ab, dann bricht der Auspuffkrümmer, schließlich kommt er einen Berg nicht hoch, da er keine Achsdiff-Locks hat und das Zentraldiff-Lock defekt ist. Beim Zurückrangieren gerät Mark zu sehr auf die Böschung und Grommet kippt fast um. Der Adrenalinspiegel von uns allen geht hoch. Arthur und Mark schaufeln und hacken etwas Gestein vor und unter den Bergrädern weg. Dann beschweren Arthur und Blanca die Bergseite Grommets und Mark rangiert Grommet vorsichtig wieder auf die weniger steile Strecke. Doch Grommet bleibt dabei. Er will hier nicht hoch. Schließlich muss GeU als Anker für die Seilwinde dienen, mit deren Hilfe sich Mark hochwinchen kann. Doch auch Grommet´s Seilwinde zickt herum. Arthur und Blanca ziehen mit allen Kräften am Seil, aber erst als die Seilwinde halb auseinander genommen ist, kriegen wir Grommet den Berg hoch. Mark winched sich selbst aus dem steilsten Stück heraus. Dann zieht GeU ihn noch bis oben.
GeU zeigt dagegen einmal mehr was er kann. Ohne mit der Wimper zu zucken, klettert er auch hier die Felsen hoch. Er bestätigt wieder einmal mehr das genau vor einem Jahr in ihn gesetzte Vertrauen. Am 9. Juni 2004 hatten wir uns GeU angeschaut und auf einer Elbwiese Probe gefahren. Schnell war uns klar, dass wir das Gelbe Ungetüm für unsere Afrikatour haben wollen. Nur wussten wir damals noch nicht, dass wir zum „GeU-Kennenlernen-Jahrestag“ schon 22.000 Kilometer quer durch Afrika mit ihm und ohne nennenswerte Probleme zurückgelegt haben würden. So laden wir am Abend zum ersten Dinner in GeU ein und essen zusammen mit Mark und Blanca Couscous mit Gemüse.
Die Landschaft bleibt „fantastic“ und abwechslungsreich ohne Ende. Berge, Schwemmlandebenen und Canons begeistern uns aufs Neue. Streckenweise liegen große gerundete Felsblöcke in der Landschaft. Die Vegetation besteht nur noch aus kleinen Dornenbüschen. Aber die Piste ändert sich. Kurz hinter Lucira kommen wir auf eine Asphaltstraße – in the middle of nowhere. Wir können es kaum glauben, aber die Straße meistert sich zu einer der besten, je in Angola gefahrenen Straße. Grommet und GeU düsen endlich mal wieder ohne heftiges Geschüttel vorwärts. Dass die Angolaner auch in die Felsen eine hervorragende Straße bauen können, die den Namen Straße verdient hat, sehen wir am nächsten Tag. Von der Küste kommend müssen wir auf die Hochebene gelangen. 1500 Meter Höhenunterschied sind auf wenige Straßenkilometer zu machen. Es ist noch einmal „fantastic“. Toller Blick auf die Kante der Hochebene, wo man die Straße erahnen kann, dann toller Blick nach unten auf das Schwemmland.
Dann haben wir fast Lubango erreicht. Die Straße hat bis dahin eine wirklich hervorragende Qualität. Auch am Wegesrand sehen wir vieles, was wir bislang nicht gesehen haben. Bewirtschaftete Felder, Obstanbau, eine Molkerei und ein Schlachthof. Das gemäßigtere Klima auf der Höhe von ca. 1700 Metern macht es möglich.

11.06.2005

Lubango
Angola

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