Reisetagebuch

04.06. – 08.06.2005: Angola, von Luanda bis Lobito

Luanda ist wieder einmal eine Stadt in Afrika, die uns überrascht. Drei Jahre nach dem Waffenstillstand in Angola ist hier deutlich Aufbruchstimmung zu spüren. Überall wird gebaut: neue Straßen, neue Kanalisation und eine neue riesige Kaianlage im Hafen. Und schon jetzt wird deutlich, diese Stadt hat Potential. Das ist auch bei unserer kurzen Durchreise deutlich zu sehen.

Das Zentrum liegt direkt an einer von einer Landzunge geschützten Bucht. Alte herrschaftliche Häuser im portugiesischen Stil prägen das Bild, ein Castle liegt oberhalb der Stadt und die Strandpromenade lädt schon jetzt zum Bummeln ein. Es gibt gepflegte Blumenbeete und einen wunderbaren Blick über die Bucht und den Hafen. Aber auch in Luanda gibt es viel Müll links und rechts der Straße.
Was das Einkaufen angeht, ist Luanda wenig einladend. Es gibt diverse Supermärkte, aber die Preise sind gesalzen. Für ein Paket Butter zahlen wir über zwei Euro! Laut dem Lonely Planet gilt Luanda als viertteuerste Stadt der Welt. Fast alle Produkte werden importiert, da durch die Landminen kaum Landwirtschaft betrieben werden kann. Dass das inzwischen nicht mehr ganz so ist, sehen wir später, als wir an diversen Feldern vorbeikommen. Günstig erstehen wir an einem Straßenstand zwei fangfrische Doraden, die Arthur direkt vor Ort am Strand ausnimmt. Mit dieser Beschäftigung ist er in der Hafenbucht nicht der einzige, nur der einzige Weiße.
Richtung Süden verlassen wir Luanda und genießen die Fahrt auf einer guten Teerstraße entlang der Küste – bei Sonnenschein. Wir überqueren den Fluss Cuanza auf einer mautpflichtigen Brücke und sind schon wieder erstaunt. Die Quittung wird per Touchscreen auf dem Computer erstellt. Das geht bekanntlich schnell. Aber wir stehen etwas länger dort, bis wir einen Nachweis bekommen, dass GeU in die Kategorie „C1“ gehört und wir somit 460 Kwanzas (etwas über vier Euro) zahlen müssen. Zunächst hatte man nur 210 Kwanzas haben wollen und der plötzliche Meinungswechsel hat uns stutzig gemacht.
Am Abend finden wir einen schönen Übernachtungsplatz oberhalb der Steilküste mit Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang. Schnell sind wir uns einig, hier noch einen Tag zu bleiben und zum Baden an den Strand zu fahren. Aber das Wetter spielt nicht mit. Bedeckter Himmel. Außerdem sichten wir bei einem Spaziergang zum Rand der Steilküste ein nicht ganz kleines Fischerdorf. Wir hatten zwar eine ungestörte Nacht, aber das kann eigentlich nicht so bleiben. So fahren wir weiter durch leicht hügelige Landschaft, teilweise weiterhin mit Baobabs und Kakteen, teilweise mit Palmen. In den Niederungen gibt es kleine Tümpel mit Seerosen, in den Flusstälern gibt es breite oasenartige Grünstreifen. Insgesamt wird es aber deutlich trockener, viele Flüsse sind bereits ausgetrocknet.
Und am nächsten Abend erleben wir das gleiche Spiel wie am Vortag. Toller Platz am Strand unter Palmen, toller Sonnenuntergang und diesmal auch toller Sonnenschein am nächsten Morgen. So verbringen wir einen faulen Tag mit Lesen und Backgammon Spielen. GeU wird nicht weiter beachtet und darf sich alleine erholen. Nur die Chefköchin arbeitet mal kurz, damit es zum Mittagsessen frische Brötchen – direkt aus dem Backofen – gibt.
Afrikaner sehen wir an diesem schönen Platz nicht, aber zwei Europäer. Am Abend taucht plötzlich ein englisches Wohnmobil auf. Mark und Blanca aus England sind mit GPS-Koordinaten auf der Suche nach dem von uns ohne fremde Hilfe gefundenen Übernachtungsplatz Die beiden kennen unseren IFA gut und wir kennen die beiden bereits! Die beiden sind einige Zeit mit Judith und Ralf und deren IFA W 50 namens „If´chen“ unterwegs gewesen, deren Reiseberichte wir uns aufgrund der vielen Informationen gerne lesen. Mark und Blanca waren am Ende etwas langsamer, wollte doch „Grommet“, ein Forward-Controlled Landrover 101, zwischendurch nicht mehr. Das Auffinden der Ursache am Motor dauerte in Luanda über drei Wochen.
So haben wir schnell Anknüpfungspunkte. Die beiden Männer diskutieren sofort intensiv über die Vor- und Nachteile der beiden Wagen und hocken vor und fast unter den Wohnmobilen. Blanca und ich beschränken uns auf das Begutachten der jeweiligen Wohnräume. Wir verbringen einen netten Abend mit viel Bier und fahren ab nun im blau-gelben Konvoi weiter. Grommet hat das richtige Blau zu GeU´s Gelb.
Auf teilweise grottiger, teilweise passabler Straße geht es durch wüstenartige Landschaft nach Lobito, wo wir am Ende der Landzunge erneut am Strand des Südatlantiks übernachten. Das Wasser ist zwar kalt, aber sehr erfrischend, wenn man erst einmal drin ist. Der Sonnenuntergang ist noch glutroter als in den letzten Tagen. Lobito erinnert uns an Städte in Marokko oder Jordanien. Viel braune Lehmarchitektur, die mit den dahinter liegenden Bergen optisch verschmilzt. Daneben gibt es aber auch viele europäische wirkende Bauten, viele aufgrund von Kriegsschäden frisch renoviert. Den portugiesischen Einfluss bemerkt man auch hier wieder deutlich.
In Lobito haben wir die einzige Polizeikontrolle in Angola, die vielleicht unangenehmer hätte werden können. Wir vermuten, dass die Polizistin Anstoß an der Tatsache nimmt, dass wir mit unserem 9-Tonnen-Ungetüm ein über 3,5-Tonnen-Verbotsschild ignoriert hatten. Aber zum Glück reicht das Englisch der Polizistin nur für die vorwurfsvolle Frage, warum Arthur kein Portugiesisch spricht. Dann heißt es: “We have a communication problem, so you can go.“ Insgesamt haben wir in Angola keine Probleme mit der Polizei, werden meistens direkt durchgewunken. Vorbildliches Verhalten den Gästen gegenüber!

08.06.2005

Lobito
Angola

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