Reisetagebuch

30.05. – 04.06.2005: Angola, von Noqui bis Luanda

So zügig wie wir aus dem Kongo heraus waren, sind wir in Angola nicht drin. Die Pässe werden samt Kopien eingesammelt und uns mitgeteilt, der Chef sei gerade nicht da. Also warten! 19 Stunden später fahren wir weiter und haben die Zeit gut genutzt.

Auch beim Zoll ist der Chef gerade nicht da, taucht aber nach einer halben Stunde auf. Das Carnet wird gestempelt und eine „oberflächliche Kontrolle“ angeordnet. Die ist dann die gründlichste, die wir bislang erlebt hatten, aber an sich immer noch harmlos. Wir müssen alle Türen, Klappen und Schubladen drinnen wie draußen öffnen und fast hätte der Zöllner noch in den Abwassertank der Toilette geschaut, hatte er Arthurs Erklärung zur Toilettenservicetür nicht verstanden. Die zuschauenden Kollegen und Grenzer schon und deren beginnendes Lachen hält ihn dann doch davon ab, in die Sch... zu schauen.
Als der Zoll erledigt ist und wir unseren Hunger gestillt haben, tun wir etwas, was vermutlich ziemlich einmalig an einer Grenzstation ist: wir tauschen den Schlauch im kaputten Reifen und montieren ihn wieder auf seine alte Position! So nutzen wir die Zeit wenigstens sinnvoll und ärgern uns nicht über dumme Warterei. Dass wir die Nacht gut bewacht an der Grenzstation verbringen müssen, weil der Chef bis zum Abend nicht mehr auftaucht, stört uns angesichts der vorherigen Nacht wenig.
Aber am nächsten Morgen geht es auch nicht weiter. Nun ist zwar der richtige Mann da, aber es fehlt der jenige, der unsere Pässe weggeschlossen hat – angeblich mit dem Schlüssel. So setzen wir uns demonstrativ mit Büchern in sein Büro. Aber mit „Gottes Hilfe“ geht es schließlich schnell. Der Pater aus Noqui, ein netter Belgier, passiert die Grenze und wir unterhalten uns auf Englisch mit ihm. Unser Grenzer versteht zwar nicht was, aber das Thema ist klar: die Grenzformalitäten. Der Pater erklärt uns, Geld würde auch nicht helfen, es sei der Weg, wie es hier läuft, da würde wirklich nur Geduld helfen. Und in Richtung Grenzer heißt es nur: „You have to learn English“. Der Pater ist zugleich auch dessen Englisch-Lehrer - noch ohne große Erfolge. Kaum ist der Pater weg, wird der Schlüssel aus dem Schreibtisch geholt (von wegen Schlüssel war nicht da), wir müssen noch die Elternnamen nennen und schon rollen wir davon.
Zunächst ist die Straße erstaunlich gut und wir fragen uns, ob die Autoren der Reiseberichte etwas falsch in Erinnerung hatten. Aber nach wenigen Kilometern geht die Straße hinter der asphaltierten Rollbahn in einen engen, hubbeligen Feldweg über und bleibt auch so für die nächsten einhundert Kilometer. Ca. 50 Kilometer vor Tomboco wird es besser, aber dann nimmt der Ätz-Faktor bis N´Zeto nochmals heftig zu. Der Teer ist schon lange kaputt, aber in ekligen scharfkantigen Resten noch vorhanden. Die Landschaft ist hügelig, zum Teil noch mit Regenwald bewachsen, wir überqueren Bäche und Flüsse, nur scheint leider nicht die Sonne, um uns von der Schaukelei abzulenken.
In N´Zeto wollen wir in der Mission einen Pausentag einlegen. Der Ort erscheint ziemlich trostlos und als auf unsere Frage nach der Mission nur Schulternzucken und Lachen kommt, fahren wir weiter. Aber wir brauchen alle drei einen Pausentag und finden ein Plätzchen abseits der Piste in einer Sandgrube. Auch GeU nimmt die Schaukelei mit. Etliche Schrauben sind nachzuziehen und diverse Schläuche sind im Motorbereich auszuwechseln. Außerdem flicken wir den an der Grenze herausgenommenen Schlauch. Ich backe noch ein Brot, um unsere Versorgung an diesem Punkt zu sichern.
Dann geht es weiter Richtung Caxito. Der Teer hat sich vollständig von der Straße verabschiedet und die dadurch entstandene Piste lässt sich einigermaßen gut fahren, aber es bleibt nicht so. Dafür kommt nach einigen Tagen endlich mal wieder die Sonne hervor und schon sieht alles viel schöner aus. Der Regenwald liegt nun endgültig hinter uns und es ist deutlich trockener. Kräftige Baobabs und hohe Kakteen bestimmen das Landschaftsbild.
Der Verkehr ist erwartungsgemäß gering auf der Strecke, aber zum guten Teil von IFA´s geprägt. Aber nicht alle sind mehr in einem fahrfähigen Zustand. Leider haben wir aber noch keine „IFA L 60-Leiche“ zum Ausschlachten entdeckt. Aber es gibt auch ganz moderne Fahrzeuge. Neue Volvo-Laster kommen uns aus Luanda entgegen und sehen so aus, als ob sie dort direkt vom Schiff gerollt wären. Wer hat die bezahlt?
Auf den letzten Meter vor Caxito wird GeU lauter. Der Auspuffkrümmer ist gerissen und droht abzufallen. Ein Schweißgerät ist mal wieder erforderlich und schnell gefunden. Fast so lange wie die eigentliche Reparatur dauerte dann die Verhandlung über den Preis.
Gerne hätten wir in Caxito noch Obst und Gemüse gekauft, waren wir an diesem Punkt inzwischen „blank“. Doch es gab nichts und wir überlegen schon, welche Dosen aus den „Kongo-Vorräten“ geöffnet werden, als ein Markt am Straßenrand auftaucht. Der Einkauf erfolgt in lauter Atmosphäre. Die Angolanerinnen bieten uns ihre Waren laut und engagiert an. Die Preise werden mit dem Finger in den Sand geschrieben oder mit Scheinen gezeigt.
Vor den Toren Luandas mit Blick auf den Südatlantik nächtigen wir. Am nächsten Morgen wollen wir kurz in Luanda stoppen, um einzukaufen und ins Internetcafe zu gehen, bevor es weiter in Richtung namibischer Grenze geht. Aber es sind noch einige Kilometer auf vermutlich nicht zu bester Straße.

04.06.2005

Luanda
Angola

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