Reisetagebuch

26.05. - 28.05.2005: Angola, von Massabi bis Yema

Mit dem 13. Land unserer Afrikareise betreten wir allemal Neuland: hier wird Portugiesisch gesprochen. Ob das besondere Probleme bereiten wird? Die Einreise in die angolanische Exklave Cabinda bewältigen wir jedenfalls so zügig wie zuvor die Ausreise aus dem Kongo. Ein Kopfschütteln ruft sie trotzdem hervor.

Die Grenzbeamten bitten um Kopien von Pass und Angola-Visum. Kein Problem, sind wir doch entsprechend gerüstet. Wir müssen nur noch die Namen unserer Eltern ergänzen und wundern uns, was der Grenzer alles auf den Kopien vermerkt. Sämtliche Angaben des Visums notiert er handschriftlich neben das kopierte Visum. Was anderes als Kopfschütteln bleibt einem da nicht.
Was wir hier und bei späteren Polizeikontrollen nicht nennen müssen, ist die Marke unseres Ungetüms. Ein kurzer Blick der Angolaner genügt, dann heißt es mit positivem Unterton: „IFA“. Angola war eins der Hauptexportländer der DDR für den IFA, auch wenn wir in der Exklave Cabinda keinen davon sehen.
Und über den IFA aus Ostdeutschland gelangen wir bei einer Polizeikontrolle – in diesem Teil Angolas alle korrekt und ohne Probleme und Forderungen – zur deutschen Geschichte. Ein Polizist will gerade zur Frage ansetzen, aus welchem Teil Deutschlands wir kommen: „Federal“ oder „Democratica“? Da unterbricht ihn der Kollege und erklärt, dass sei jetzt alles eins. Dafür kann sich ein anderer Kollege sogar an das Jahr der Maueröffnung erinnern und lässt es sich von Arthur bestätigen.
Die Piste ab der Grenze ist heftig. Es schüttelt uns kräftig durch. Aber nach 35 Kilometern kommen wir auf eine akzeptable Teerstraße und rollen gemütlich über Cacongo nach Cabinda. Cabinda ist ein nettes Hafenstädtchen mit portugiesischem Charme. Eine Kirche thront über dem Stadtbild, vor der wir eine ungestörte Nacht verbringen. Alles macht einen ordentlichen und sauberen Eindruck und die Menschen sind trotz Kommunikationsschwierigkeiten ausgesprochen hilfsbereit. So gehen wir optimistisch die zu lösenden Probleme an: Verlängerung des Visums, Geldwechsel und Tanken.
Beim Immigration-Office notiert man sich noch nach Feierabend unsere Daten, damit es am nächsten Morgen schneller geht. Nur merken wir davon nichts. Wir sitzen ab 8.00 Uhr im Warteraum. Kurz vor 10.00 Uhr werden wir endlich zum „Boss“ vorgelassen. Es folgt das übliche Verfahren, erstmals alles „in Farbe“. Das Amt ist erstaunlich gut ausgestattet. Fernseher im Warteraum und in etlichen Büros, diverse Farbkopierer und Farbdrucker. Und das in einem der ärmsten Länder Afrikas. Dann heißt es: „Ok“! Wir dürfen gehen – ohne dass im Pass oder im eingeklebten Visum etwas notiert wurde. Wir schildern erneut unser Anliegen. Der Boss hält Rücksprache mit dem „Bigboss“, schickt uns selbst eine Etage tiefer zur direkten Kontaktaufnahme und dann erklären sie uns, dass sie uns leider nicht helfen können. Sie seien nur für die Registrierung zuständig, wegen dem Visum müssten wir uns an das Konsulat in Matadi im Kongo (Kinshasa) wenden. Wir befürchten schon den nächsten Zeitverzug. Warum sollte das Konsulat anders agieren als in Pointe-Noire? Aber wenn das nun mal so läuft, soll es so sein!
Dafür lassen sich die anderen Probleme schnell und zügig lösen. So schnell wie in Cabinda haben wir bislang nirgends Travellerchecks eingelöst. Pass gezeigt, unterschrieben und schon gab es Kwanzas – nachdem das Fax von der Hauptstelle der Bank aus Luanda mit dem Euro-Wechselkurs eingetroffen war. Mit dem Geld geht es zur nächsten Tankstelle, wo wir dann doch etwas länger stehen. Es dauert so seine Zeit, bis 490 Liter in GeU´s Tanks geflossen sind. Bei 26 Cent pro Liter schlagen wir zu!
Wir verbringen noch eine Nacht am Strand und schon liegt der erste Teil Angolas hinter uns – allerdings ein ziemlich kleiner.

28.05.2005

Yema
Angola

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