Reisetagebuch

21.05. – 26.05.2005: Kongo (Brazzaville), Pointe-Noire

Wir verbringen ein faules Wochenende an unserem Strandplatz. Auch der Wochenbeginn sieht nicht viel anders aus – außer dass wir täglich einmal beim Konsulat aufschlagen. Wir lesen viel und haben von dort aus viel zu gucken. Und wir müssen GeU wieder flott kriegen. Der hatte neben seinem angeschlagenen Dachgepäckträger ein weiteres kleines Problem.

Beim Ölwechsel auf der Tankstelle hatte der Tankstellenmitarbeiter die Schraube für den Ölfilter etwas zu fest angezogen und dabei das Gewinde zerstört. Nun leckte Öl heraus. Als Arthur dem nachging, war schnell klar: eine neue Schraube war erforderlich, doch die hatten wir nicht in der großen Ersatzteilkiste dabei. Also mussten die gut sortierten Läden mit Auto- und Industriebedarf aufgesucht werden, aber da war am Samstag Mittag nichts mehr zu holen. Am Montag werden wir in einer Autowerkstatt fündig. Die Schrauben, eine direkt als Reserve, werden aus dem Lager geholt, während wir schon einmal bezahlen. Aber dann probiert Arthur die Schraube am Ölfilterbehälter, der ölverschmiert in zig Tüten im Rucksack dabei war, vor Ort aus. Wie gut, passte doch die vermeintlich standardisierte Schraube nicht. Rückgabe und Arthur greift zu Bordmitteln – Teflonband und eine eigentlich zu lange Schraube. So können wir das Ungetüm wieder bewegen und fahren zum nächsten „Atelier de Soudure“, wo der Dachgepäckträger mal wieder geschweißt und mit zusätzlichen Verstrebungen versehen wird.
Sonst steht GeU am Strand, während wir zu Fuß in Pointe-Noire unterwegs sind. Bekommen wir doch so einen besseren Einblick in die Stadt. Auch diese Stadt und dieses Land überraschen. Überall in der Stadt wird gebaut. Es herrscht eine wahre Aufbruchstimmung. Es gibt Geschäfte aller Art und ein hochwertiges und umfangreiches Angebot an Klamotten, Werkzeug, Haushaltswaren, Computer und sonstiger Bürobedarf. Auch bei Lebensmitteln ist die Versorgungslage in Pointe-Noire ausgesprochen gut. Man merkt, hier gibt es viele Weiße, die für Erdölfirmen arbeiten. Diese Tatsache hat allerdings die Preise hochgetrieben. Vieles ist hier deutlich teurer als in den anderen CFA-Ländern. Vor allem bei Obst und Gemüse wird zugeschlagen. Als man für eine Ananas über 2.000 CFA (über drei Euro) haben will, essen wir lieber Bananen und Papayas. Aber auch bis zur wichtigsten Industriestadt des Landes war es nicht so schlecht, wie man meint, wenn man an den Kongo denkt. Schon im ersten Ort Nyanga gab es das übliche Sortiment in mehreren Läden, sprich Nudeln, Milchpulver, Fischkonserven, Tomatenmark und so weiter. Die „Kongo-Vorräte“ bräuchte man höchstens, um die höheren Preise zu umgehen.
Und dann tauchen wir Tag für Tag beim Konsulat auf. Am Montag werden wir jedenfalls nicht gänzlich irritiert angeschaut, aber wegen Abwesenheit des Chefs zunächst weggeschickt. Zwei Stunden später dürfen wir immerhin im Warteraum Platz nehmen und hören die Bemerkung, dass ein Transitvisum ja nicht so kompliziert sei. Aber ausgestellt wird es trotzdem nicht. Aber am nächsten Tag will man uns anrufen oder wir sollen einfach noch einmal vorbeikommen. Am Dienstag schaffen wir es nicht mal, jenseits des Tores zu kommen. Der nette Mann an der Pforte erkundigt sich für uns, zunächst nur mit einem Pass. Dann wird auch der andere benötigt. Wir bekommen Hoffnung. Am Ende bleiben die Pässe dort und wir sollen am nächsten Tag gegen Mittag wieder kommen, um die Visa abzuholen. Am Mittwoch Mittag sitzt ein Teil der Mitarbeiter mit einer Flasche Rotwein angeheitert vor dem Konsulat. Wir werden mit Handschlag begrüßt und bekommen gesagt: „Die Visa sind fertig, aber da heute nicht gearbeitet wird, bekommen wir sie erst am nächsten Morgen um 9.00 Uhr“. Immerhin! Und am Donnerstag? Wir passieren ohne weitere Fragen die Pforte, werden nett im Warteraum begrüßt und warten noch ein bisschen. Um 9.32 Uhr tauchen unsere Pässe auf. Uns wird das Geld (je Visum 20.000 CFA) abgenommen und sieben Minuten später sind wir im Besitz eines Transitvisums für fünf Tage mit einer Einreisemöglichkeit. Was für ein Akt für so wenig! Dafür mussten wir uns übrigens jeden Tag ordentlich kleiden und vor allem geschlossene Schuhe tragen. Darauf hatte uns der Wachmann des Konsulats beim ersten Besuch extra drauf aufmerksam gemacht. Ob es noch länger gedauert hätte, hätten wir das nicht getan?
So haben wir über eine Woche in Pointe-Noire verbracht. Langeweile hatten wir dank der Bordbibliothek und der Geschehnisse im und am Hafen nicht. Containerschiffe, Stückgut- und Holzfrachter sowie RoRo´s liefen zahlreich ein und wieder aus. Chinesen landeten mit kleinen Fischerbooten an und entluden riesige Mengen Meeresgetier, u.a. große Hummer und über eineinhalb Meter lange Hammerhaie. Die einzige Segelyacht im Hafen wurde von ihrem Besitzer, einem Franzosen, mehrfach mit dem Dingi besucht und einmal unter Motor bewegt. Und auch hier am Strandbereich spürte man wahre Aufbruchstimmung. Überall wurde geklopft und gehämmert und innerhalb der einen Woche konnten wir einen erstaunlichen Fortschritt beim Umbau am Yachtclub und bei der Errichtung von Hütten bei „La Baraca“ sehen.
Und falls uns doch Frust über das Warten gekommen wäre, hätten wir gewusst, wo wir hätten hingehen müssen – ins Cafe „Citronnelle“ an der Haupteinkaufsstraße. Dies ist eine Patisserie der Extraklasse und für Süß- und Kuchenfans ein wahrer Traum. Die Törtchen und Torten sind qualitativ und preislich allemal wie im KaDeWe. Köstlich! Aber wir beschränkten unsere Besuche auf die klassische Kuchenesszeit am Wochenende.

25.05.2005

Pointe-Noire
Kongo (Brazzaville)

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