Reisetagebuch

18.05. – 20.05.2005: Kongo (Brazzaville), Pointe-Noire

Der erste Eindruck von Point-Noire ist alles andere als toll. Wir erreichen die wichtigste Industriestadt des Landes über eine Straße, die diese Bezeichnung nicht verdient hat. Teer gibt es, wenn überhaupt, nur in Fetzen, sonst ist es eine reine Sandpiste. Kaum vorstellbar, dass das auch der Weg von der Hauptstadt Brazzaville ist. Direkt am Straßenrand sehen wir die Müllkippe und einen riesigen Gülle-Teich. Vom Gestank reden wir lieber nicht. Wir irren bis zur Dunkelheit planlos durch die Stadt, um einen Standort zu finden. Den Yachtclub, wo man kostenlos stehen kann und Facilities zur Verfügung hat, finden wir nicht und nächtigen eine Nacht hinter dem Restaurant „Beach-Club“ auf deren privatem Müllhaufen. Am nächsten Morgen macht Point-Noire schon einen besseren Eindruck. Auch gut so, müssen wir doch einige Zeit in der Stadt verweilen. Der Grund: das angolanische Konsulat nimmt sich Zeit.

Als wir das angolanische Konsulat mit Hilfe eines Taxis gefunden haben (es ist gegenüber dem alten Krankenhaus in der Stadtmitte und nicht gegenüber dem neuen an der Einfallstraße von Brazzaville), sind wir schnell geschockt. Ein reguläres Visum braucht 14 Tage und kostet für einen Monat 60.000 CFA, ein Transitvisum ist für 20.000 CFA nach 5 bis 8 Tagen erhältlich!!! Aber heute werden wir hier gar nichts, sondern erst morgen. Das sind ja Aussichten! So suchen wir zunächst einen geeigneteren Standplatz. Wir finden schließlich den Yachtclub, nur wird dort gerade umgebaut. Aber ein Stück weiter am Strand beim Restaurant „La Baraca“ können wir stehen und haben einen guten Blick auf die Geschehnisse im Hafen mit seinen Versorgungsschiffen für die Ölbohrinseln.
Bewaffnet mit Kopien von Pass, Kongo-Visum und Impfpass suchen wir am Freitag erneut das angolanische Konsulat auf. Die Unterlagen werden direkt an der Pforte kontrolliert und wir wieder weggeschickt. Es fehlt das Anschreiben an den Konsul. Aber mit einem handschriftlichen Text werden wir hier nichts und wollen uns schon an den Laptop sitzen, als man uns erzählt, was nun zu tun ist. Gegenüber ist ein kleiner Laden, der „verkauft“ die Anschreiben – ziemlich schleimig formuliert. Man muss nur noch Namen und Datum einsetzen. Nur leider fällt in diesem Moment der Strom aus. Also bekommen wir die Diskette mit, ändern die Daten doch am Laptop und dann findet die junge Frau aus dem Laden eine Druckmöglichkeit. Eine Stunde später sind wir wieder an der Pforte, dürfen nun passieren und kommen in einen Raum mit vielen Menschen, die hier alle Visa beantragen. Eine resolute Angolanerin hat den Überblick und kommandiert uns und die anderen die nächsten zwei Stunden herum. Wir bekommen ein dreiseitiges Formular und machen mal wieder unsere Standardangaben zu uns, Vater, Mutter und so weiter. Prüfung und Rückgabe. Wir haben das Passfoto nicht aufgeklebt. Also zurück zum Tisch, wo die Klebe immerhin bereitliegt. Dann werden unsere Unterlagen angenommen und wir warten auf das Vorsprechen beim „Chef“. Ob es der Konsul höchstpersönlich oder nur der Chef der Konsularabteilung ist, wissen wir nicht. Aber der Herr ist sich nicht zu fein, unsere Namen und Passnummern zu vergleichen. Arthur muss viele Fragen beantworten und wir erfahren, dass man mit einem Transitvisum nur einmal einreisen kann. Wegen Cabinda brauchen wir aber eine zweimalige Einreisemöglichkeit. Ob eine Verlängerung oder Änderung in Cabinda möglich ist, bleibt unklar. Also bräuchten wir ein reguläres Visum, was zwei Wochen dauert. Dann würde aber unser Kongo-Visum abgelaufen sein. Das sei unser Problem. Schließlich, nachdem der Herr zwischendrin noch mit Mitarbeitern gesprochen, telefoniert und Schreiben gelesen hat, werden wir mit den Worten entlassen: „Montag wieder kommen!“ Bleibt die Frage, welcher Montag: in drei oder zehn Tagen? Wir werden nach drei Tagen wieder auftauchen.

20.05.2005

Pointe-Noire
Kongo (Brazzaville)

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