Reisetagebuch

16.05. – 18.05.2005: Kongo (Brazzaville), von Moussogo bis Pointe-Noire

Kaum sind wir im Kongo, stoppt uns ein Schlagbaum. Die erste Kontrolle steht an, aber noch nicht die offizielle Immigration. Trotz der Kopien von Pass und Visum werden alle Daten in der Kladde notiert. Arthur muss derweil das Wohnmobil zeigen. Aus reiner Neugierde müssen mal wieder alle Fächer geöffnet werden. Dann dürfen wir weiter und hangeln uns von Kontrolle zu Kontrolle.

Nach zehn Kilometern kommt der nächste Schlagbaum. Die Hütte dazu: menschenleer! Doch schon bald taucht der Grenzer in Zivil auf. Da er seine Petroleumlampe nicht zum Leuchten bekommt, werden kurzerhand die Möbel auf die Terrasse getragen, damit er seinen hoheitlichen Aufgaben beim letzten Tageslicht nachkommen kann und unsere Pässen mit dem Einreisestempel versieht. Dann wollen wir nur noch aus dem Dorf heraus und uns einen Übernachtungsplatz suchen. Doch am Dorfausgang stoppt uns der nächste Schlagbaum. Da man um unsere Sicherheit besorgt ist (wir waren es nicht), kassiert man unsere Pässe ein und wir müssen im Dorf bleiben. So nächtigen wir am dörflichen Brunnen vor der Polizeistation.
Unsere Route ist die Hauptverbindungsstrecke zwischen Gabun und Kongo, was man gar nicht glauben mag. Die Piste – seit der Grenze deutlich schlechter – ist GeU-breit und durch hohe Savannen-Gräser umschlossen. Spricht nicht für viel Verkehr. Um so häufiger werden wir um Mitfahrgelegenheiten gebeten. Bei einer fetten Sau passen wir, zumal die Begleitung, drei Männer, auch noch mitwollen. Dafür nehmen wir zweimal junge Mütter mit. Die müssen sich zwischen Arthur und der Alukiste platzieren. Die Babies schlafen in meinen Armen und ich bin ganz begeistert von den schokobraunen Bündeln. Nur die Väter müssen mangels Platz bis zur nächsten Transportgelegenheit warten.
In Nyanga erleben wir den absoluten Kontroll-Wahnsinn. Erst einmal erledigen wir den Zoll. Der Zöllner ist sehr freundlich, an unserer Reise interessiert und ohne Ende neugierig, was GeU hinter seinen Türen verbirgt. Selbst Gaskasten und die Toilettenservicetür müssen geöffnet werden. Und dann steht GeU vor dem nächsten Schlagbaum und wir laufen von Hütte zu Hütte. Nacheinander nehmen Polizei, Immigration und Armee unsere immer gleichen Daten auf. Ob es das jetzt war? Nein, durchschnittlich alle 20 Kilometer erfolgt im Kongo eine Kontrolle, mal Polizei, mal Armee, aber bislang immer nett und freundlich. Zum Glück werden nicht jedes Mal die Daten im aufwendigen Prosatext erfasst.
Landschaftlich bleiben wir zunächst in der Savanne und der Anblick erinnert uns wieder sehr stark an die Massai Mara in Kenia. Bleibt die Frage, ob es natürlich oder von Menschenhand geschaffen ist. Dem Lonely Planet entnehmen wir, dass die Franzosen Ende des 19. Jahrhundert das Land heftig ausgebeutet haben und u.a. Tropenholz gewonnen haben.
In Mila-Mila (35 Kilometer südlich von Kibangou und nicht auf der Michelin-Karte verzeichnet) biegen wir Richtung Pointe-Noire ab (Die Piste gibt es laut Karte nicht.) und freuen uns, dass unser Navigationsgerät nur noch 134 Kilometer Luftlinie bis Pointe-Noire angibt. Zu früh gefreut. Die Strecke zieht sich (am Ende sind es 185 Kilometer), führt sie uns auf steilen und engen Kurven durch mit Regenwald bewachsene Hügel. Landschaftlich sehr schön, aber anstrengend zu fahren. Die Piste ist knochenhart und mit Löchern und Unebenheiten gepflastert. Das macht unser gerade zuvor wieder zusammengeschweißter Dachgepäckträger nicht mit. Nach und nach brechen mehrere Streben. Es knarrt und quietscht immer lauter. Der Reservereifen wird notgedrungen auf der Halterung der Zusatztanks festgeschnürt, wo er mehrfach die Riemen durchfetzt. Die Piste bleibt hart und schlecht, von Schlamm haben wir im Kongo trotz Regenzeit bislang nichts gesehen. Wir hätten uns manchmal welchen gewünscht, wären uns doch dann die harten Schläge und der Staub erspart geblieben. GeU zieht eine Staubwolke hinter sich her, als ob er hinter sich Bomben legt. Wie Puder verteilt sich das Zeug an und in GeU. Als wir versuchen, einem Tanklaster von „Total“ aus der Klemme zu helfen, werden auch wir entsprechend dreckig.
Der Tanklaster hängt mit der rechten Seite im Straßengraben und kommt alleine nicht mehr frei. Also muss GeU ran, hat aber nicht genug Kraft, die rund 20 Tonnen frei zu ziehen. So hängt er nach dem ersten Versuch noch tiefer drin und droht zu kippen, würde er nicht über das Stahlseil an GeU hängen. Nur kann GeU so keine günstigere Position für den nächsten Versuch einnehmen. So holen wir zum ersten Mal unsere komplette Bergeausrüstung heraus und sichern den Tanklaster mit dem langen Stahlseil (insgesamt 50 Meter) und dem Greifzug. Das Stahlsteil wird an einer „Blockhausbrücke“ festgeknotet. Als Brücken dienen hier hochgestapelte Baumstämme vermischt mit Sand und Schotter. Die sind aber so fest, dass wir mit Hilfe des Greifzuges den Tanklastzug sichern können. Und dann kommt zum Glück ein drittes Fahrzeug und aus der bilateralen Hilfsaktion wird eine internationale: der Fahrer des leeren Holztransporters kommt aus Malaysia und spricht nur Englisch. Arthur übersetzt zwischen Englisch und Französisch und dann wissen alle, was zu tun ist. Kaum hat der Holztransporter mit seinen 380 PS Gas gegeben, ist der Tanklastzug wieder auf der Straße.
Nach einem anstrengenden Fahrtag erreichen wir schließlich Point-Noire. Dort müssen wir das Visum für Angola beim Konsulat besorgen und wollen möglichst schnell weiter. Mal sehen, was wir diesmal erleben.

18.05.2005

Pointe-Noire
Kongo (Brazzaville)

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