Reisetagebuch

14.05. – 16.05.2005: Gabun, von Cap Esterias bis Moukoro

Vom Cap Esterias führt uns unser Weg nach Süden über Libreville. So nutzen wir noch einmal die gute Versorgungslage der gabunischen Hauptstadt. Dem Hypermarche statten wir noch einen Besuch ab, besorgen im Industriegebiet Öl für den anstehenden Ölwechsel bei GeU und suchen schon wieder eine Apotheke auf.

Der Grund: Arthur war mit Kopfschmerzen und Gliederreißen aufgewacht. Zum Mittag kommt leichtes Fieber dazu. Malaria die zweite? Arthur setzt diesmal auf Selbstdiagnose und nimmt direkt die erste Dosis von „Coartem“, das wir jetzt immer als Adhoc-Mittel dabei haben. Auf einen Test hatten wir verzichtet, war uns der Aufwand zu hoch. Dabei wäre es ganz einfach gewesen. Genau gegenüber dem Einkaufszentrum war eine Apotheke, die auch am Samstag Nachmittag einen Malariatest gemacht hätte. So kaufen wir dort nur eine nächste Packung „Coartem“, falls auch bei mir die zweite Malaria kommen sollte. Was wir allerdings beide eifrig gebrauchen, ist die Creme gegen Juckreiz. Seit Tagen waren wir erneut wie schon in Nigeria und Kamerun von kleinen Stechfliegen namens Furo gepiesackt worden. Sie sind nur ca. einen Millimeter groß und man sieht sie eigentlich nie. Aber dafür spüren wir den Juckreiz nach dem Stechen um so heftiger und langanhaltend. Da die Insektenabwehrsprühmittel „Autan“ und „Nobite“ die Viecher nicht abwehren, müssen wir mit Kleidung aufrüsten – auch wenn es dafür eigentlich viel zu warm ist. Auch nachts riskieren wir keine „nackte Haut“ mehr und legen uns vollbekleidet mit Socken ins Bett!
Dann verlassen wir Libreville. Die ersten ca. 150 Kilometer bis Bifoun kennen wir bereits und überqueren auf diesem Stück erneut den Äquator. Aber wie schon bei der zweiten Überquerung auf dem Hinweg machen wir diesmal kein Äquator-Tamm-Tamm. Die Straße Richtung Grenze führt uns zunächst durch klassischen Regenwald. Doch plötzlich lichtet es und wir haben Wiesen links und rechts der Straße, die sich zunehmend ausweiten. Ist hier etwas zu massiv abgeholzt worden? Es würde uns nicht wundern, aber ein Grenzer erklärt uns später, dass die Savanne im Süden Gabuns natürlich sei. Oder ist die Abholzung schon so lang her ist, dass er es für natürlich hält?
In Lambarene suchen wir das von Albert Schweitzer gegründete Krankenhaus auf – zu touristischen Zwecken. Wir besichtigen das kleine Museum und sind erstaut, was der Mann in seinem Leben alles gemacht und erreicht hat. Er war Arzt, Musiker und Philosoph, hat das hiesige Krankenhaus 1913 gegründet und geleitet, Konzerte gegeben und darüber hinaus ziemlich viele Bücher geschrieben. Beeindruckend!
Zur Grenze hin nimmt die Straßenqualität und –breite ab. Ca. 28 Kilometer hinter Lambarene geht die Teerstraße in eine gute Lateritpiste über. Weitere Asphaltierungen sind wohl geplant. Und an der Grenze ist die Piste gerade mal breit genug für GeU, aber überwiegend in einem akzeptablen Zustand.
Auch in Gabun gibt es viele Polizeikontrollen, vor allem rund um die Orte. Es ist schon erstaunlich, was für Fragen und Anmerkungen an einen gerichtet werden. Mal brauchen wir ein neues Nummernschild, mal fehlt die „Touristikkarte“, mal will man uns zur technischen Hauptuntersuchung schicken, mal haben wir kein Visum. Aber wir können alles erklären, abwehren und beim Auffinden des Visums im Pass behilflich sein. Aber auch in Gabun haben wir wieder einmal Pech und treffen auf zwei arrogante – weil in Frankreich auf dem Motorrad ausgebildet – Polizisten. Die Einheimischen dackeln genauso wie wir zu ihnen unter das Sonnendach und reichen direkt 1.000 CFA rüber – „um Guten Tag zu sagen“, wie uns später erklärt wird. Auf eine genauere Kontrolle der Papiere wird dann verzichtet. Wir zeigen dagegen mal wieder alle Papiere, inklusive des Impfpasses, der so gehalten wird, dass sie nichts lesen können. Alles in Ordnung! Aber wir zahlen am Ende doch. Beim zweiten Warndreieck müssen wir passen und das Mitführen ist angeblich Pflicht in Gabun. Ob das die Einheimischen wissen? Ein unbeteiligter Autofahrer zeigt uns seine zwei Warndreiecke. So wird mal wieder über die „Bestechung“ verhandelt. Bei ihrem ersten Wunsch – 24.000 CFA – beschließen wir, sehr viel Zeit zu haben. Aber wir einigen uns dann doch schnell auf 10.000 CFA und sind froh, weiterzukommen.
Die Ausreise aus Gabun erfolgt dann in sehr freundlicher Atmosphäre und ist nur äußerst umfangreich, was das Notieren unserer Daten angeht - jedes Mal wird ein kleiner Roman in Prosa in eine Kladde eingetragen. In Ndende soll man die Polizei aufsuchen, was wir auch brav tun und wo auch brav unsere Daten notiert werden. Nur bekommen wir hier keinen Ausreisestempel, dafür ist die Immigration gegenüber zuständig. Und da ist gerade keiner. Wir parken demonstrativ vor dem Haus und warten! Für afrikanische Verhältnisse werden wir schnell erlöst, nur fehlen uns Kopien vom Pass und Gabun-Visum. Als wir die Kopien liefern, bekommen wir unseren Ausreisestempel. Doch das war es noch lange nicht. In Doussala, ca. 30 Kilometer weiter, kommt die nächste Kontrolle. Wieder wird alles notiert. Dann werden die Pässe und das Carnet in eine Unterschriftenmappe gelegt, damit der Chef sie ein Zimmer weiter unterzeichnen kann. So dürfen wir weiter zur nächsten und letzten Kontrolle auf gabunischer Seite fahren und nehmen den Grenzer für die Wachablösung gleich mit. Dort wird nochmals alles notiert, aber nichts mehr gestempelt. Das Schloss am Schlagbaum wird geöffnet, wir rollen die letzten zwei Kilometer durch Gabun.

16.05.2005

Moukoro
Gabun

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