Reisetagebuch

06.05. – 10.05.2005: Gabun, von Eboro bis Libreville

Mit der Fähre über den Fluss Ntem erreichen wir Gabun, das zu den reichsten Ländern Afrikas gehört. Das sehen wir deutlich: hervorragende Straße, riesige Verkehrsschilder wie in Europa, Hinweisschilder für Parkplätze. Auch die Häuser sind besser gebaut, haben Türen und Fenster. Die Menschen sind besser gekleidet und tragen häufig feste Schuhe anstatt der in Afrika weit verbreiteten Badelatschen. Die Menschen winken uns freundlich zu, was wir in Kamerun so gut wie gar nicht erlebt hatten. Und Müll liegt kaum irgendwo. Als dann die Einreiseformalitäten schnell und unproblematisch erledigt sind (Zoll direkt in Eboro, Immigration in Bitam, wo Kopien von Pass und Gabun-Visum gut ankommen), haben wir einen ersten guten Eindruck vom elften afrikanischen Land auf unserer Reise.

Der Urwald links und rechts der Straße wirkt hier noch grüner und dichter. Wir sind davon immer noch begeistert und genießen es, bei strahlender Sonne und blauem Himmel auf kurvenreicher Straße durch das hügelige Land zu fahren. Wir überqueren so manche Flüsschen, Flüsse und Ströme. Zeitweise fahren wir durch „Tunnel“ aus Bambus. Hier treffen wir auch wieder auf Tropenholz-Transporte. Wuchtige Laster transportieren ausgesprochen zügig dicke Baumstämme von hier zum Hafen in Libreville, von wo es dann nach Europa und nach Asien geht. Zum Glück kommen sie uns leer entgegen und bewegen sich sonst in unsere Richtung.
Und dann erscheinen auf dem GPS-Gerät bei den Angaben zum aktuellen Breitengrad immer mehr Nullen. Als sechs Nullen verzeichnet sind, zählen wir rückwärts mit: 9, 7, 5, 3 und plötzlich S 00 00.002. GeU ist mit Schwung über den Äquator gerollt. Also Rückwärtsgang rein und zurück. Bei N 00 00.000 steigen wir zum Fototermin aus, obwohl auf der Straße nichts auf den Äquator hinweist. Wir fotografieren GeU mit und ohne uns auf der von Satteliten durchgegebenen „Linie“. Um die Äquatorüberquerung am 137. Tag unserer Reise gebührend feiern zu können, köpfen wir die letzte Flasche Sekt, übrigens ein Taufgeschenk, an Ort und Stelle. Wir haben uns nur noch etwas abseits der Straße geparkt, aber auf Position N 00 00.000. Und für alle, die es genau wissen wollen, die Längenposition lautete: O 11 00.452.
Der weitere Weg nach Libreville ist anstrengend und wir brauchen etwas länger als geplant. Unser Ungetüm bockt am 100. Fahrtag zum ersten Mal, aber dafür so richtig heftig. GeU will nicht mehr! Mehrfach geht er einfach aus und wir stehen mehr oder weniger ungünstig am Straßenrand. Zunächst vermuten wir Luft in der Dieselzufuhr, da wir am Tag zuvor die Dieselfilter gewechselt hatten. So entlüften wir bei jedem unfreiwilligen Stop. Das ist jedes mal mit großem Aufwand verbunden, da das Führerhaus gekippt werden muss, um an die Entlüftungsschrauben heranzukommen. Und um das Führerhaus kippen zu können, muss der Dachgepäckträger vom Ersatzreifen und der Ersatzgasflasche befreit werden. Bei senkender Äquatorsonne eine schweißtreibende Angelegenheit. Aber wir kommen nicht wirklich weiter. Nach kurzer Zeit bringt GeU wieder keine Leistung und bleibt kurz darauf stehen. Ratlos wird im Reparaturhandbuch nachgelesen. Ich stelle alle möglichen Fragen, um den Chef-Ingenieur auf Ideen für die Ursache zu bringen. Das sonst so heißgeliebte Ungetüm macht sich arg unbeliebt. Arthur flucht wie wild und droht an, GeU am Straßenrand stehen zu lassen. Schließlich haben wir es bis an den Rand von Libreville geschafft und stehen mal wieder besonders ungünstig am Straßenrand, als Arthur endlich die Ursache findet: die Banjo-Schraube am Tankanschluss der Zulaufleitung ist mit viel Schmodder total zugesetzt. Wenige Gramm stoppen neun Tonnen - kleine Ursache, große Wirkung! Da war es aber kein Wunder, dass GeU nicht mehr wollte.

10.05.2005

Libreville
Gabun

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