Reisetagebuch

01.05. – 06.05.2005: Kamerun, Yaounde

Die Hauptstadt Kameruns liegt inmitten vieler Hügel und wirkt ausgesprochen grün. Beim Durchfahren und Herumlaufen geht es ständig hoch und runter. Auf unserem Programm steht die Visabeschaffung für Gabun und die beiden Kongos. Außerdem wollen wir die Vorräte mal wieder aufstocken. Da die Botschaften am Feiertag geschlossen sind (der 1. Mai fiel auf einen Sonntag, so ist der anschließende Montag - Bank Holiday - auch noch ein freier Tag), stürmen wir zunächst einen der großen Supermärkte in Yaounde.

Das Sortiment ist sehr umfangreich. Hier gibt es alles, was Herz und Magen begehren. Wir werden die nächsten Tage mal wieder „richtigen“ Käse anstatt der Schmierkäseecken aus unseren „Survivalboxen“ genießen. Außerdem rüsten wir uns für schlechte Zeiten in den Kongos und Angola: u.a. 5 Kilo Nudeln, 3 Kilo Mehl,1 Kilo Milchpulver.
Noch beim Einräumen unserer Einkäufe werden wir von einem französischen Ehepaar angesprochen. Kurzerhand laden uns Olivia und Antoine ein, bei ihnen zu übernachten. Zur Familie gehören die Kinder Justine und Simon sowie zwei Hunde. Der fünf Monate alte Schäferhund hat sofort an mir einen Narren gefressen und ich an ihm. Die Kampfhund-Dame – absolut lieb und verschmust – sagt mir weniger zu.
So verbringen wir die erste Nacht seit Heiligabend in einem festen Haus und genießen die erste warme Dusche seit Nouakchott in Mauretanien. (Zwischendrin war allerdings manchmal das Wasser im Wohnmobil so warm, dass wir vergeblich nach einem Kaltwasserhahn gesucht haben.) Und wir dürfen die Waschmaschine und den Trockner benutzen – Luxus! Also schnell die Bett- und Sitzbezüge gewaschen und getrocknet. Olivia und Antoine arbeiten beide für die EU-Kommission in Yaounde. Sie haben zuvor schon im Senegal und in Mauretanien gelebt und wechseln demnächst nach Bamako in Mali. Sie bedauern, dass sie kaum Kontakt zu Einheimischen haben. Sie leben im Expats-Viertel, haben bei der Arbeit weiße Kollegen oder schwarze Kollegen, mit niederen Jobs, die den privaten Kontakt zu ihnen meiden. Und privaten Kontakt zu kamerunischen Ministeriumsmitarbeitern herzustellen, ist schwierig und von Steifheit geprägt.
Am Dienstag beginnen wir mit unser Botschafts-Runde. Alles zusammen läuft die Visa-Sammlung schnell und zügig: pro Tag ein Visum. Es ist allerdings ein ausgesprochen teures Vergnügen. Gabun verzichtet ganz auf Formulare und Passfotos und ist mit 35.000 CFA (ca. 53 Euro) pro Person am günstigsten. Kongo (Brazzaville) schlägt mit 50.000 CFA (ca. 76 Euro) kräftig zu, will zwei Passfotos und begnügt sich einem Formular. So ist es auch bei Kongo (Kinshasa), außer das sie „nur“ 45.000 CFA (ca. 69 Euro) nehmen.
Den Himmelfahrtstag verbringen wir – weil alle Botschaften geschlossen sind – ausgesprochen faul. Hauptsächlich liegen wir lesend im Wohnmobil und sind vertieft in unsere Krimis. Am Nachmittag bummeln wir zur nahen Bäckerei. Auch hier gibt es köstliches Eis und leckere Törtchen. Nach so viel Kalorien bezwinge ich endlich meinen inneren Schweinehund und mache etwas Sport – Arthur hat das „nicht nötig“. Bei einer Joggingrunde rund um das Gelände der Presbyterianer Mission, wo wir inzwischen stehen, höre ich mehrfach „Courage, Madame!“. Beim anschließenden Hüpfen vor GeU bei Musik habe ich schnell Gesellschaft. Ein Hundewelpe macht mit, die Kinder belassen es beim Zuschauen.
Und wir erleben, was Regenzeit heißt. Es regnet häufig (mitunter mehrfach täglich) und zwar wahre Fluten. In kürzester Zeit ist man klitschnass. Die Luftfeuchtigkeit ist auch bei „Trockenheit“ sehr hoch. In GeU ist ständig alles leicht feucht. Dafür haben wir aber nachts sehr angenehme Temperaturen im Wohnmobil: zwischen 20 und 25 Grad. Nach langer Zeit brauchen wir mal wieder unsere Bettdecken.

06.05.2005

Yaounde
Kamerun

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