Reisetagebuch

21.04. – 24.04.2005: Kamerun, Mount Kamerun

Bei der „Mount Cameroon Ecotourism Organisation“, ein Projekt des Deutschen Entwicklungshilfe-Dienstes (DED), erwartet man uns schon und weist uns den bewachten Parkplatz für GeU zu. Ein Guide steht bereit, Träger werden organisiert. Nun muss sich nur noch die Trekkinggruppe finden und abstimmen. Und wir müssen aus GeU´s Schränken unseren Campingkram zusammensammeln. Insgesamt „hard work“ für den Donnerstag Abend und den Freitag Morgen. Wir sind fast erleichtert, als wir endlich los laufen, um den Gipfel in einer Höhe von 4095 Meter zu erreichen. Allerdings hört der Stress nicht auf. Hatten wir den Ausgangspunkt der Bergtour doch nach Ansicht unseres Guides „too late“ erreicht.

Für die Besteigung des Mount Kamerun, dem Dach Westafrikas, hatten wir uns schon im Vorfeld mit Jan, Arthurs Studienfreund, verabredet. Jan lebt seit zwei Jahren mit seiner Familie im Norden Kameruns, wo seine Frau Susanne für den DED arbeitet. Außerdem schließt sich Sandra an, deren Mann Martin ebenfalls für den DED tätig ist. Mit dabei: Leica, Sandras Mischlingshündin, die während der drei Tage so viel Kraft hat, dass sie mehrfach auf und ab läuft und den Berg mindestens zweimal erklimmt. Und natürlich gibt es einen Guide und insgesamt fünf Porter, da wir das Wasser für drei Tage von Anfang an dabei haben müssen.
Ausgangspunkt unserer dreitägigen Wanderung ist auf 1010 Meter Höhe. Die ersten achthundert Höhenmeter geht es durch dichten Regenwald – zunächst noch bei Sonne, doch wir sind schnell in den Wolken. Nach nur zweieinhalb Stunden (aber trotzdem „too late“) erreichen wir zur Mittagspause Hut 1 in 1850 Meter Höhe. Aber noch weitere tausend Höhenmeter liegen bis zur Übernachtung auf Hut 2 vor uns. Als wir den Regenwald hinter uns haben und die Savanne mit einigen krüppeligen Kiefern und Büschen erreicht haben, wird es merklich steiler. Für unsere Anstrengungen werden wir aber mit einem klaren Blick über Buea, Limbe und die Küste belohnt. Obwohl wir gegen 17.30 Uhr den Übernachtungsplatz erreichen, also absolut rechtzeitig vor der Dunkelheit, wurden wir von unserem Guide mehrfach aufgefordert, uns zu beeilen: wir seien „too late“.
Nach einer Nacht im Zelt, das allerdings wegen Regen und Ungeziefer in der Hütte aufgebaut war, ist von unserem Guide nichts zu sehen. Das von ihm angekündigte Wecken um 5.30 Uhr hat nicht stattgefunden, was uns wenig stört. Der Gipfel liegt in den Wolken, wir verpassen also rein gar nichts. Aber wir haben wieder einen klaren Blick über die Küste.
Der weitere Anstieg ist für mich durchaus anspruchsvoll, hat sich meine mal vorhandene Kondition nach der Schulterverletzung im letzten Sommer und den vier Monaten mit GeU on Tour weitgehend aufgelöst. Aber diesmal will ich den Gipfel schaffen. Einen Weg, ohne über den Gipfel zu laufen, gibt es nicht. Also könnte man nur umkehren, was ich nicht will. So kämpfe ich mich langsam aber stetig durch die Wolken. Mit viel süßem Tee, kamerunischer Schokolade und noch mehr aufmunternden Worten von Arthur schaffen wir es schließlich und erreichen den Gipfel „too late“ gegen 13.45 Uhr. Nur zu sehen gibt es nichts. Wir machen schnell die Gipfel-Fotos und machen uns auf den Weg nach unten. Das ist konditionell bekanntlich viel einfacher, außerdem beflügelt das Erreichen des Gipfels. Und dann klart es richtig schön auf. Wir laufen über Aschefelder, dann über ein Lavafeld. Schließlich erreichen wir wieder die Savanne und kommen bei schönstem Sonnenschein an der Station Elf an, wo wir übernachten. Und hier wird gemeinsam mit Guide und Trägern auf den Gipfelerfolg angestoßen: mit Whisky aus Plastiktütchen. Das kommt gut und gefällt uns so gut, dass wir Tage später das Zeug auf dem Markt von Limbe kaufen.
Am nächsten morgen starten wir „too late“ vorbei an der Lava des 2000er Ausbruchs, durch die Savanne und dann durch den Regenwald ins Tal. Dort ist es allerdings wieder nebelig und der Weg ist steil und glitschig und wir kommen zum Leidwesen unserer Träger und Führer nur langsam voran. Leider bekommt man nach einiger Zeit auf dem dicht umwachsenen Pfad im Urwald einen Tunnelblick und konzentriert sich ausschließlich auf seine nächsten Schritte und weniger auf die üppige Vegetation. Unten kommen wir ein letztes Mal „too late“ an und fahren per Taxi zurück zum Büro der „Mount Cameroon Ecotourism Organisation“.
Müde und geschafft, aber auch stolz es geschafft zu haben, fahren wir anschließend nach Limbe an den Strand. Wir werfen uns in die warmen Fluten des Atlantiks und beschließen, uns hier einige Tage von der hektischen Fahrt nach Kamerun und der Besteigung des Mount Kamerun zu erholen.

24.04.2005

Mt. Kamerun
Kamerun

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