Reisetagebuch

18.04. – 20.04.2005: Nigeria, von Calabar bis Ekang

Das Warten auf unser kamerunisches Visum dürfen wir mit dem ausführlichen Studium afrikanischer Arbeitsweise verbinden. Wir verbringen viel Zeit im kamerunischen Konsulat und sind über die Arbeitsmoral wirklich erstaut. Und mit jeder Stunde schwinden unsere Chancen für das gemeinsame Trekking am Mount Kamerun.

Die Bitte, um 9.00 Uhr wieder zu kommen, hatten wir nicht wörtlich genommen. Trotzdem sind wir gegen 9.30 Uhr nach der Putzfrau die ersten menschlichen Wesen in der Botschaft und beginnen mit unserem „Warte-Arbeitstag“. Nach ca. einer Stunde füllt sich das Konsulat, was nicht heißt, dass die Mitarbeiter mit der Arbeit anfangen. Die Mitarbeiterin an der Rezeption verschwindet gleich wieder, geht Gemüse einkaufen und putzt dieses später an ihrem Arbeitsplatz. Da sich sonst keiner um ein Visum bewirbt oder sonst etwas will, tut sie den Tag über nichts anderes! Die Visa-Bearbeitungstante begrüßt uns nett, auch sie kommt ca. eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Arbeitsbeginn ins Konsulat und macht uns Hoffnung: „They (wer?) say, he (der Konsul) will come today“. Das sind Aussichten.
Wir sitzen derweil auf dem schon durchgesessenen Sofa, schauen erst die nicht sonderlich interessante CNN-Berichterstattung über die Papstwahl und wie schwarz der Rauch ist, dann eine gruselig overacted US-Soap, bis der Fernseher einfach ausgeht und ausbleibt. Als wir zur Mittagszeit Hunger bekommen, gehen wir ein Haus weiter zu „Mister Friend“ und erleben auch hier afrikanischen Phlegma. Die angebotenen Hamburger und Pommes gibt es nicht. Noch nicht, sie seien noch nicht fertig! Auf die Frage, wann sie fertig sein werden, kommt die Antwort: „I guess.... I don´t know“. So essen wir leckere Teigtaschen und kehren schnell an unseren “Warte-Arbeitsplatz” zurück – damit wir am Ende nicht den Konsul verpassen.
Kurz nach 14.00 Uhr wird es hektisch. Wir denken schon, jetzt kommt der Konsul. Nein, alles bereitet sich auf den Feierabend vor, der laut Aushang um 15.30 Uhr ist. Gardinen werden zugezogen, das Fenster an der Rezeption geschlossen und uns wird erklärt, dass morgen der Vize-Konsul (so etwas gibt es doch und er ist auch unterschriftsberechtigt) „sicher“ da wäre. Deutlich gefrusteter als am ersten Tag gehen wir und kaufen im Laden gegenüber viele Kekse.
Doch dann erstaunen uns die Afrikaner. Wir werden zurückgewunken! Zwei Mitarbeiter steigen selbst wieder aus ihrem Auto aus. Der Konsul sei so eben eingetroffen, hätte unsere Anträge unterzeichnet und jetzt werden die Visa ausgestellt. Unsere Stimmung steigt in kürzester Zeit und die weitere halbe Stunde Warterei nehmen wir kaum war. Was wir allerdings wahr nehmen, ist die Bezahlung der Visa. Wir müssen pro Person 80 Euro (das bislang teuerste und am härtesten ersessene Visum der Reise) zahlen und bekommen dafür eine sehr schön mit Stamps und Stempeln dekorierte Seite im Pass.
Wir können unser Glück kaum fassen und bekommen wieder Hoffnung, doch noch rechtzeitig in Buea zum Trekking am Mount Kamerun zu erscheinen. An der Tankstelle werden noch schnell die letzten Naira in Diesel umgesetzt. Diesmal kommt der Diesel zwar aus der Zapfsäule, aber kostet mehr als ausgepreist. Und dann geht es Richtung Grenze.
Die Straße ist zwar an sich über eine Breite von sieben Metern geteert, aber die Hälfte ist überwuchert und zwischendrin in den Senken ist der Teer weggespült. Jetzt gibt es ein Gemisch aus Wasser, Schlamm und tiefen Rillen. Ein Pkw hätte hart zu kämpfen, GeU nicht. Wir sind wieder einmal mehr vom Grün links und rechts der Straße begeistert und erfreuen uns an den Urwaldriesen inmitten der hügeligen Landschaft. Nach einer Nacht mitten im Busch erreichen wir die Grenze zu Kamerun.
Der Polizist studiert ausführlich unsere Pässe, schaut sich alle enthaltenen Visa gründlich an und stellt fest, dass wir kein beninisches Visum hatten. Dann stempelt auch er und braucht recht lange, bis er alles in seine Kladde eingetragen hat. Wir sitzen in der Zeit ein Zimmer weiter beim Zoll. Viel Verkehr ist hier nicht, jedenfalls wird er nicht in die große Kladde eingetragen. Im April ist GeU der erste Wagen, im März gab es nur einen und das letzte Auto im Februar kennen wir: „If´chen“, der IFA W 50 von Ralph und Judith aus Köln, die uns vorausreisen und uns über ihre Reiseberichte im Internet schon manch guten Tipp gegeben haben.
Dann ist alles erledigt, das Tor nach Kamerun wird für uns aufgeschlossen und direkt hinter uns wieder verriegelt.

20.04.2005

Ekang
Nigeria

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