Reisetagebuch

11.04. - 13.04.2005: Togo, von Lome bis Nadoba

Nach drei Tagen Zwangspause geht es weiter. An sich sind wir in zehn Tagen in Kamerun mit Freunden zur Besteigung des Mount Kamerun verabredet. Doch dazwischen liegen zwei weitere Länder, über zweitausend Kilometer und das Visum für Kamerun müssen wir auch noch besorgen. Mal schauen, was sich machen lässt. Trotzdem wählen wir für die Fahrt in den Norden Togos die landschaftlich lohnendere Strecke über Kpalime nach Atakpame.

Und wir werden nicht enttäuscht. Vorbei am Mount Agou, Togos höchstem Berg mit 986 Metern, fahren wir durch hügelige Landschaft und sind wieder einmal begeistert über das üppige Grün der Tropen. Wir können Kakao, Kaffee, Avocados, Ananas, Mangos, Papayas, Bananen, Zuckerrohr, Mais und Ölpalmen identifizieren. Da nun Arthurs altes Lehrbuch „Nutzpflanzenkunde der Tropen“ mit dem Paket aus Deutschland eingetroffen ist, lese ich das eine oder andere Wissenswerte vor. Was wir nicht bestimmen können, sind die vielen bunten Blüten inmitten des Grüns. Ein Baum sticht besonders hervor. Grüne Blätter hat er noch nicht, dafür leuchtet er durch Tausende von roten Blüten und ist folglich aus weiter Ferne zu sehen.
Über Sokode gelangen wir nach Kara. Die Landschaft wird wieder deutlich trockener und zwischendrin ist es heftig hügelig mit Steigungen bzw. Gefällen von bis zu 10 Prozent. Zahlreiche LKW-Wracks liegen am Straßenrand und rosten vor sich hin. Abgeschleppt wird hier nichts, höchstens noch brauchbare Teile abgeschraubt. Die Fahrer der noch fahrenden LKW gestikulieren uns wie wild, man solle ganz, ganz langsam fahren. Was sie selbst auch tun. Sie schleichen förmlich die Hügel herunter. Der Grund: vermutlich tun es deren Bremsen inklusive der Motorbremse so gut wie gar nicht. Unsere tun es und so bringt uns GeU bestens nach Kande. Dort lassen wir uns das Carnet abstempeln und verlassen die Hauptstraße, um durch das Somba-Land zur Grenze nach Benin zu fahren.
Das Somba-Land zeichnet sich durch Häuser im Stile von kleinen Lehmburgen aus. Einst aus dem Norden von den Arabern geflohen, lebten die Menschen erst in den riesigen Baobab-Bäumen, bis sie Schutz in ihren Burgen fanden. Eine Lehmburg besteht aus mehreren vier bis fünf Meter hohen Türmen, die dicht nebeneinander stehen. Es gibt nur einen Eingang. Im Ernstfall können im „Erdgeschoß“ die Tiere unterkommen, die Menschen verziehen sich auf die erste Etage, wo in den Türmen die Vorräte bzw. die Schlafräume sind. Wir besichtigen eine Burg, bekommen einige Erläuterungen und dann wird gnadenlos um Cadeaux gebettelt. Wir hatten uns schon zum Kauf einer Pfeile aus Ton, Bambus und Leder entschlossen und wollten darüber hinaus noch etwas Geld geben. Doch das war ihnen nicht genug. Eine Besichtigung kostet pro Person 1000 CFA, was im Vorfeld nicht erwähnt worden war. Aber es sind nicht die gut drei Euro, die uns stören. Es ist das Gezeter, dass die Menschen in der besichtigten Burg nichts und der „Führer“ schon gar nichts von dem Geld hätten. Alles oder große Teile des Geldes ginge an irgendetwas Höhergeordnetes. So recht finden wir das Ganze nicht glaubhaft. Er bekommt die 2000 CFA „Eintritt“ und eine Pfeife wird gekauft. Dann ist gut. Aber eine immer größer werdende Horde begleitet uns bis zum Auto, immer noch in der Hoffnung, Geschenke zu bekommen. Vergebens.
Es folgt eine heiße Nacht unter Bäumen mit keinerlei Windzug durch unser Wohnmobil. Dann liegt auch Togo schon hinter uns – ohne offizielle Ausreise. Einen Grenzposten haben wir nicht gefunden und schon sind wir in Benin.

13.04.2005

Nadoba
Togo

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