Reisetagebuch

07.04. - 11.04.2005: Togo, Lome

Kaum sind wir in Togo, wird hinter uns die Grenze geschlossen. Doch ein Zeichen für die Unruhe im Land nach dem Tod des Präsidenten? Keine Sorge! Nur wird bei Sonnenuntergang die Flagge eingeholt und das Land steht still, jedenfalls die Beamten an der Grenze. Mitten beim Stempeln des Passes nimmt der Grenzer eine andächtige Haltung ein. Als die Flagge eingeholt ist, geht das Gewusel weiter und wir sind mittendrin.

Auf togolesischer Seite gibt es zu viele Grenzbeamte. Einer wollte unbedingt in unsere Rucksäcke schauen und fand das Satellitentelefon höchstspannend. So spannend, der er meinte, dafür Geld oder anderes bekommen zu müssen. Das währte Arthur mit einem charmanten Lächel-Grinsen ab.
Auch hier muss ich beide Pässe vorzeigen, da man den Ghana-Ausreisestempel sehen möchte. Und schon ist der Einreisestempel von Togo im alten Pass. Einspruch von meiner Seite. Ich will nicht auf Dauer mit einem gültigen Pass agieren, der leer ist, und einem ungültigen, wo die Stempel drin sind. Also wird noch einmal gestempelt. Weiter zum Zoll. Das Carnet wird abgestempelt, nur möchte man noch einmal GeU sehen. Aber bevor der Zöllner einen Blick ins Wohnmobil werfen kann, kommen noch andere, die gucken wollen. Ob es andere Gründe als die reine Neugier gibt, ist fraglich. Arthur öffnet die Tür, zieht demonstrativ die Schuhe aus und steigt ein. So wird immer von einer intensiveren Besichtigung Abstand genommen.
Und dann öffnet sich das Tor zu Togo und wir sind mitten in der Hauptstadt Lome. Wegen Stadtverkehr und Dunkelheit übernimmt Arthur wieder das Steuer und bringt uns entlang der Strandstraße zu „Chez Alice“, einem der klassischen Traveller-Treffpunkte in Afrika.
Angekommen, will Arthur nur noch liegen, doch an Schlaf ist bei hohem Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit nicht zu denken. Alles Symptome für eine Malaria. Ein Labortest ist für den nächsten Morgen fest eingeplant und bringt Gewissheit. Es ist eine Malarie Tropica im Anfangsstadium. Unsere mitgeführten Malariamittel „Lariam“ und „Malarone“ gefallen dem Arzt nicht. Er verschreibt „Coartem“ mit Artemether und Lumefantrin als Wirkstoff. Die Packung kostet in der Apotheke umgerechnet acht Euro. Auch die Untersuchung und der Bluttest kosten kein Vermögen. 12000 CFA (ca. 19 Euro) berechnet die Privatklinik.
Die Klinik hatte uns Karl empfohlen, der uns auch hinfährt und dafür sorgt, dass der Chefarzt höchstpersönlich Arthur untersucht. Karl ist ein 78jähriger Deutscher, der den Zweiten Weltkrieg noch aktiv miterlebt hat. Nach seiner Scheidung von einer Togolesin lebt er bei „Chez Alice“, ist es hier doch wärmer als in Deutschland. Als Bauingenieur hat er zunächst Autobahnen in Deutschland, dann 34 Jahre Straßen in Afrika und Asien gebaut. Als Ingenieur ist er begeistert von GeU und lässt sich von Arthur alles zeigen. Während unseres Aufenthalts in Lome haben wir interessante Gespräche mit ihm, nicht zuletzt aufgrund seines ausgeprägten Zynismus.
Zunächst geht es Arthur erstaunlich gut. Auf eigene Faust fahren wir mit GeU ins Zentrum von Lome, um Geld zu holen und sind eher geschockt von Lome. Kopfgroße Steine, Beton- und Stahlteile sowie verbrannte Autoreifen liegen mitten auf der Straße. Überbleibsel der fast täglich stattfindenden Demonstrationen im Vorfeld der anstehenden Präsidentenwahl, die nach dem Tod von Präsident Ejadema im Februar und anschließenden Unruhen anberaumt worden sind. Wir sind froh, als wir wieder bei „Chez Alice“ sind, wo wir wegen Arthurs Malaria eine weitere Nacht verbringen wollen.
Am Abend können wir noch einmal beobachten, wie Arthur in kürzester Zeit zusammenfällt. Ein zweiter Fieberschub kommt und nimmt den Patienten ziemlich mit. So liegt Arthur anschließend zwei Tage in der Hängematte und beschäftigt sich mit Schlafen, dem Schlucken von Tabletten und dem Messen der Temperatur. Außerdem findet er Gefallen an der hier lebenden Hundefamilie – zumindest am dreieinhalb Monate alten Welpen der Familie. Er kann vor Kraft nicht gehen, sieht einfach frech charmant aus und unterhält uns bestens.

11.04.2005

Lome
Togo

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