Reisetagebuch

07.04.2005: Ghana, von Accra bis Aflao

Ob das nun wirklich die letzte Nacht bei Deng war? Hoffnungsfroh packen wir zusammen und fahren zur Post, um unser Paket abzuholen. Arthur ist gewillt, im Zweifel die ghanaische Post auf den Kopf zu stellen.

Aber das tut nicht not. Nach Begleichung des Zolls in Höhe von umgerechnet drei Euro wird ihm das Paket übergeben, das auch noch alles enthält, was in Berlin eingepackt worden ist. Das geben wir noch schnell an die Deutsche Botschaft und Arthurs Eltern durch und verlassen Accra. So lange wie in Ghanas Hauptstadt waren wir während unserer Reise noch nirgendwo anders.
Über die Autobahn geht es zur Grenze nach Togo. Ein letztes Mal wundern wir uns über den Fahrstil der Ghanalesen. Es wird gnadenlos gedrängelt, rechts überholt, wenig bis gar nicht auf andere Verkehrsteilnehmer beachtet sowie immer und ewig gehupt. Wir gut, dass GeU groß und kräftig ist. Und ein letztes Mal bestauen wir, was man alles käuflich erwerben kann, wenn man im Stau steht bzw. vor Ampeln wartet. Wasser, Obst und Snacks liegen nahe. Auch Autozubehör wie Scheibenwischer, Warndreiecke und Wagenheber sind nachvollziehbar. Aber Bälle, Warmwasserbereiter, Turnschuhe und Klopapier? Doch es finden sich Abnehmer.
Schon kurz hinter Accra geht es Arthur schlechter. Der Tag hatte für ihn mit erhöhter Temperatur begonnen. Nun kommen Kopf- und Gliederreißen hinzu. So wird es ernst für die Aushilfs-Fahrerin. War ich bislang nur hin und wieder (Fahr-)stundenweise gefahren, um etwas Übung mit unserem Ungetüm zu bekommen, fahre ich fast drei Stunden bis zur Grenze. Arthur leidet still neben mir, aber nicht wegen meinem Fahrstil! Die Straße hat so manchen Hubbel – entweder weil die letzten Straßenbauarbeiten sehr lange her oder weil sie gerade in Gang sind.
Die Grenze zwischen Ghana und Togo hat eine nette Lage: unmittelbar am Strand vom Golf von Guinea mit Blick auf die Wellen. Sonst ist sie unübersichtlich, wuselig und Bürokratie wird hier besonders großgeschrieben.
Viel zu viele Menschen wollen einem behilflich sein und rennen vor und neben GeU herum. Wir ignorieren sie wie üblich gänzlich und fragen, wenn überhaupt, nur Uniformierte. Neben dem üblichen Programm mit Zoll und Immigration gibt es hier eine „Vehicle registration“. Da uns diese zuerst über den Weg läuft, wollen wir damit starten. Nein, bevor das Carnet nicht abgestempelt ist, geht das nicht. Das müssen wir nicht verstehen, hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Warum überhaupt ein Zettel für GeU ausgefüllt werden muss, bleibt auch unklar. Bei der Einreise gab es das nicht. Das Carnet wird abgestempelt. Man kennt dieses Formular offensichtlich. Dann geht es wieder zur „Vehicle registration“, wo auf einem kleinen Zettel die wichtigsten Daten von GeU notiert werden. Damit werden wir um die Ecke gescheucht. Wir finden nicht so recht eine weitere Stelle, wissen allerdings auch nicht, wonach wir suchen und gehen zum „Immigration service“. Die Ausreise ist unkompliziert. Selbst meine „beiden“ Pässe machen keine Probleme. Da das Ghana-Visum im alten, nun ungültigen Pass ist, zeige ich sie beide. Es wird der alte Pass gestempelt und gut ist. Die Deutsche Botschaft hatte empfohlen, das Visum beim „Immigration office“ in Accra umtragen zu lassen, aber so recht war uns nach den diversen Botschaftsbesuchen nicht mehr nach Bürokratie. Ging auch so!
Dann holen wir GeU, rollen unter und entlang der sozialistisch aussehenden Gebäude zum Schlagbaum. Doch so einfach kommen wir nicht heraus. Wieder muss alles gezeigt werden, auch noch Zulassung und Führerschein. Außerdem fehlt auf dem Vehicle-Zettel eine Unterschrift. Aber als die besorgt worden ist und ein Beamter in die Kabine hineingeschaut hat, dürfen wir das Land, in dem wir bislang am längsten waren, verlassen.

07.04.2005

Aflao
Ghana

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