Reisetagebuch

25.03. - 28.03.2005: Ghana, von Akwidaa bis Accra

Nach einem gemütlichen Start und einem letzten Bad im Atlantik verlassen wir unser Paradies. Der „Reisealltag“ kehrt in unser Leben zurück. Arthur macht seine Abfahrtskontrolle und prüft, ob alles fest an GeU ist. Ich verstaue drinnen alles, schließe Fenster und Rollos. Langsam wollen wir uns Accra nähern und dabei einige der touristischen Highlights Ghanas besichtigen.

Dazu gehören die Castles aus der Zeit des Sklavenhandels. Zunächst besichtigen wir Elmina Castle, am nächsten Tag das Castle in Cape Coast. Es ist bedrückend, sich vorzustellen, wie Menschen zur Handelsware wurden und was Menschen anderen Menschen angetan haben. Die Führung in Cape Coast führt uns in die dunklen, feuchten Sklavenräume, wo viel zu viele Menschen unter unwürdigsten Bedingungen auf ihre Verschiffung warteten. Damit wir einen Eindruck bekommen, wird für wenige Sekunden das Licht gelöscht.
Heute ist Elmina vor allem durch den Fischfang geprägt. Die Hafeneinfahrt liegt direkt neben dem Castle. Wir beobachten bei einem Bummel das Treiben am und auf dem Wasser. Die Fischerboote kommen unter Segel von weit draußen hinein. Viele haben Außenmotoren, etliche werden, wenn das Segel heruntergeholt ist, per Paddel fortbewegt.
Die erste Nacht wieder „in der Wildnis“ verbringen wir inmitten des Urwaldes und haben die ganze Nacht Urwaldmusik mit Zwitschern und Pfeifen. Aber auch hier treffen wir auf Menschen. Freundlichst erkundigen wir uns gegenseitig nach unserem Befinden. Alles bestens! Dann kommt die Frage, was wir dort wollen. Auf die Antwort „Schlafen“ kommt die irritierte Frage: „Here in the bush?“ Yes, why not, schließlich seien wir deshalb extra aus Deutschland gekommen, um hier zu nächtigen. Grinsen und Kopfschütteln über uns Weiße folgen. Sie halten uns vermutlich für völlig verrückt, wünschen uns wie wir ihnen aber eine gute Nacht, die wir auch haben.
Bestens auf den Urwald eingestimmt, erreichen wir Kakum Nationalpark. Der Erwerb der Eintrittstickets ist höchst bürokratisch. Am Gate bekommt man die erste Quittung für eine „Entrance Fee“. Die Summe von 2000 Cedis pro Person (ca. 16 Cent) verrät schon, dass es nicht der Eintritt zum Nationalpark gewesen sein kann. So ist es auch. An der Rezeption müssen wir pro Person 90.000 Cedis zahlen und bekommen dafür drei Quittungen über insgesamt 200.000 Cedis. Das Warum und Wieso hinterfragen wir lieber nicht. Schließlich sind wir nicht zum Bürokratieabbau hergekommen, sondern um uns den Urwald aus luftiger Höhe anzuschauen. Der Canopy-Walk besteht aus sieben Hängebrücken in 40 Meter Höhe, so dass wir durch bzw. über dem Urwald spazieren und einen ziemlich einmaligen Eindruck von der üppigen Vegetation bekommen. Die Hängebrücken sind bestens befestigt, ein Netz sichert uns gegen ein mögliches Abrutschen, so dass der Schweiß ausschließlich von der weiterhin hohen Luftfeuchtigkeit kommt. Der Reiseführer hatte anderes in Aussicht gestellt ...
Das wir nun Ostern haben, ist uns eher zufällig vor einigen Tagen aufgefallen. So bringen wir die zahlreichen Gottesdienste unter freiem Himmel in vielen Orten mit Ostern in Verbindung. Dem ersten Anschein geht es dort recht fröhlich zu. Auf besonders ausgelassene Stimmung treffen wir Ostersamstag in Cape Coast. Die Menschen laufen tanzend, lachend und singend über die Commercial Street. Die afrikanische Art der Osterprozession?
Und dann haben wir unser nächstes Etappenziel Accra erreicht. Hier will eine lange to-do-Liste abgearbeitet werden: diverse Botschaften, Werkstätten und Einkäufe stehen auf dem Programm.

28.03.2005

Accra
Ghana

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