Reisetagebuch

14.03. – 18.03.2005: Ghana, Mole Game Reserve bis nach Akwidaa

An sich hätte uns unser Weg von Mole direkt in den Süden führen können, aber da wären wir so ohne weiteres nicht angekommen.

Denn sowohl in GeU´s Tank wie auch in unseren Portmonee´s war Ebbe. Der Grund dafür: schlechte Recherchearbeit. Das Problem begann mit einem Dieselpreisschild, das besagte, ein Liter kostet 3888 Cedis. Über die knapp 30 Cent pro Liter hatten wir uns nur zu früh gefreut und unsere Umtauschsumme entsprechend zu niedrig kalkuliert. Denn beim Tanken will man dann 5866 Cedis pro Liter haben. Wir diskutieren so lange, ob ich mich verguckt hatte oder nicht, bis auch Arthur ein veraltetes Schild gesichtet hat. Der staatlich vorgegebene Dieselpreis war erst vor kurzem erhöht worden. Aber für uns hieß das: für unser noch vorhandenes Geld gibt es zu wenig Diesel, um bis Kumasi zu kommen. Da half alles schreien nicht. Wir mussten einen Umweg über Tamale machen, um dort Geld und Diesel zu besorgen.
Banken sind ein Erlebnis in Ghana. Sie sind ziemlich voll und haben jede Menge Stühle zum Warten, teilweise wie im Theater ausgerichtet. Außerdem bieten sie nicht immer die volle Bandbreite der Bankgeschäfte. Geldwechsel macht nicht jede Bank. Wer Bargeld wechselt, wechselt nicht unbedingt Travellerchecks. Und das Bankautomaten auch mit EC-Karten Geld geben könnten, hat sich bis in den Norden Ghanas leider noch nicht herumgesprochen. Gegen US-Dollar bekommen wir mal wieder einen großen Berg an Scheinen. Aber das ist rein gar nichts gegen das, was die Mitarbeiter der Total-Tankstelle bei der Bank abgeben. Die Einnahmen (eines Tages?) werden in Pappkartons in die Bank getragen. Natürlich wird alles genausten nachgezählt. Wie gut, dass wir nicht an jenem Schalter anstehen mussten.
Wenn 1000 Cedis gerade mal 8 Cent sind, könnte man denken, es gäbe nichts kleineres. Doch es gibt auch Münzen, auch wenn der ausgewiesene Wert äußerst gering ist. Eine 100-Cedi-Münze ist weniger als ein Cent wert. Aber wir gelangen trotzdem in den Münzbesitz. Jeglicher Brückenmaut, beispielweise für den Weißen wie Schwarzen Volta, beträgt 1800 Cedis (ca. 15 Cent). Wechselgeld wird korrekt mit zwei 100-Cedi-Münzen ausgegeben.
Auf der Fahrt nach Kumasi erleben wir mehrfach dunkle Wolken und auch den ersten heftigeren Regenschauer. Die anschließende Kühle ist nur von kurzer Dauer. Wir merken die höhere Luftfeuchtigkeit deutlich. Es ist zwar insgesamt nicht so warm wie in Mali und Burkina Faso. Aber ab ca. 28 Grad läuft uns der Schweiß. Um dem Wasserlauf auf der Haut Einhalt zu gewähren, kaufen wir uns kleine Tücher und haben die notgedrungen immer bei der Hand.
Aber die hohe Luftfeuchtigkeit beschert uns eine beeindruckende tropische Vegetation. Nach den kargen Ländern sind wir vom satten, dichten und hochwachsenden Grün begeistert. Urwald oder Urwaldreste, wie man es sich kaum vorstellen kann. Die Suche nach dem Übernachtungsplatz wird zwar zunehmend schwieriger, aber als wir kurz vor Kumasi auf einer Rodung fündig werden, werden wir zudem noch von einer tollen Geräuschkulisse belohnt. Die ganze Nacht zwitschert und pfeift es um uns herum. Urwaldmusik!
In Kumasi soll das schlimmste Verkehrschaos Westafrikas herrschen. Wer auch immer diesen Satz in den Reiseführer geschrieben hat, war entweder noch nicht selbst in Kumasi oder nicht in Dakar. Wir hatten mit einer Steigerung von Dakar gerechnet, doch außer engen Straßen und etwas mehr stauender Verkehr ist Kumasi für GeU und seinen Fahrer keine größere Herausforderung.
Aber es ist wuselig in Kumasi. Jede Menge lachende und fröhliche Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Garküchen gibt es an jeder Ecke. Der Markt gehört zu den größten Märkten Afrikas und man soll sich kaum zu recht finden. Wir testen unseren Orientierungssinn nicht, sondern kaufen Obst und Gemüse an den kleinen Ständen direkt auf dem Bahnsteig. Wenn ein Zug kommt, schiebt sich die Menschenmenge etwas zusammen.
Doch wir sind nicht nur zum Einkaufen nach Kumasi gekommen, sondern besichtigen auch den alten Königspalast. Hier hat das Königreich der Asante seinen Sitz. Es gibt noch immer einen König, der allerdings im Staat Ghana nichts zu sagen hat. Die Erblinie ist matrimoniell. Die Königmutter bestimmt den König. Das muss nicht unbedingt ihr Sohn sein, sondern ein männliches Mitglied ihrer Familie. Die Königmutter wird vom Familienoberhaupt bestimmt. Wer allerdings das Familienoberhaupt bestimmt, haben wir entweder nicht erfahren oder wieder vergessen.
Nach einem langen Tag in Kumasi freuen wir uns auf ein erfrischendes Bad im nahen Bosumtwi-See. Schon die Anfahrt ist toll. Der See liegt in einem Vulkankrater und ist vom satten, dichten Grün umgeben. Nur die Wassertemperatur lässt zu wünschen übrig. Die obersten 50 Zentimeter Wasser haben Badewannentemperatur, aber wenigstens die Füße werden gekühlt.
Aber das Baden hat uns auf den Geschmack gebracht. Jetzt wollen wir an die Küste. In eineinhalb Tagen fahren wir über Dunkwa und Tarkwa zur Goldküste. Gold sehen und finden wir trotz der vielen Goldminen unterwegs nicht. Und dann taucht kurz vor Dixcove über dem Grün der Vegetation das Blau des Atlantiks auf. Wir sind uns sicher, hier das Paradies zu finden.

18.03.2005

Akwidaa
Ghana

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