Reisetagebuch

11.03 - 12.03.2005: Ghana, von der Grenze bei Tumu bis Mole Game Reserve

Dass wir eine Grenze überfahren haben, merken wir diesmal deutlicher als bei den letzten Grenzübertritten. Es ändert sich einiges. Nach fünf französischsprachigen Ländern wird in Ghana Englisch gesprochen. Nach drei Ländern mit der gemeinsamen Währung CFA gibt es hier den Cedi. Und auch sonst wirkt Ghana anders. Die Häuser sind aus weniger traditionellen Baumaterialien gefertigt und haben häufig Blechdächer. Die Versorgung mit Lebensmitteln in Form von Dosen ist auch in den kleinsten Orten gegeben. Dafür sehen die Menschen kleidungsmäßig ärmlicher aus. Aber erst einmal müssen wir einreisen.

Polizei und Zoll haben ihren Sitz gemeinsam in einem richtigen Haus mit mehreren Schaltern. Die Polizisten sind freundlich. Wir müssen Einreisekarten ausfüllen, wobei ich eine Angabe nicht mache, was mir allerdings nicht bewusst war. Die Polizisten wollen es aber genau wissen: Miss oder Misses? Nach kurzer Überlegung kommen wir zu dem Ergebnis, es muss wohl „Miss“ heißen. Wie mich die Frage irritiert hat, irritiert meine Antwort die Polizisten. Hatten sie doch die silbernen Ringe an unseren Händen gesehen. Was sie allerdings nicht gesehen hatten, war, dass die Ringe sich nur ähneln!
Der Zöllner ist wie üblich: nett, aber mit dem Carnet muss er erst einmal zu seinem Chef laufen. Dann wird gestempelt. Wir können weiterfahren.
Direkt im Grenzort Tumu wollen wir Geld tauschen. Die einzige Geschäftsbank bietet diesen Service offiziell nicht an. Aber inoffiziell geht es doch, allerdings zu einem recht schlechten Kurs. Aber auch so bekommen wir für unsere 100 US-Dollar einen fünf Zentimeter hohen Geldscheinberg. Die 800.000 Cedis (ein Euro entspricht knapp 12.000 Cedis) bekommen wir in 5.000-Cedi-Scheinen ausgezahlt. Ein Schein ist folglich weniger als 50 Cent wert.
Von Tumu geht es über Wa Richtung Süden. Landschaftlich wird es nochmals grüner. Und es ist deutlich dichter bewachsen. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz wird schwieriger. Bei diesem tropischen Gestrüpp muss auch GeU passen. Aber nicht nur durch die Vegetation wirkt Ghana bunter, dafür sorgen auch die vielen Werbe- und Kampagnenschilder am Wegesrand. Neben der klassischen Werbung für alles mögliche fallen vor allem riesige Plakate zum Thema Aids auf. Vielfältig und offensiv wird für die Benutzung von Kondomen geworben. Auch wird der Umgang mit Aids-Infizierten thematisiert. Von der Präsidentenwahl im letzten Jahr sind noch die Wahlplakate übrig. Die Sprüche ähneln doch sehr den deutschen. Die herausfordernde Partei warb mit dem Spruch „For a better Ghana“. Der Wahlsieger, die bereits zuvor regierende Neue Patriotische Partei von Präsident Kufour, versprach „Development in Freedom“ und haben die gestalterisch anspruchsvolleren Plakate. Hier war eine Werbeagentur am Werke und hat sich den Spruch ausgedacht: „Four more for Kufour in 04“. Dass die Partei selbstsicher in den Wahlkampf zog, zeigt der Untertitel auf den Plakaten: „So very good!“ Doch was uns am besten gefällt, sind die Schilder an den Polizeikontrollen – mit Werbung für Matratzen, Hotels und sonstiges. Eine Idee, die auch die deutschen Kassen aufbessern könnte?

12.03.2005

Mole N.P.
Ghana

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