Reisetagebuch

26.02. - 03.03.2005: Mali, von Timbuktu nach Mopti

Unsere Generalrichtung von Timbuktu aus ist Süd. Wenige Kilometer südlich von Timbuktu müssen wir den Niger überqueren. Die Fähre wartet schon auf uns, kostet 7500 CFA (ca. 12 Euro) und fährt uns alleine und umgehend über den Niger. Das Bild am Fluss gefällt uns: gelber Sand, grüne Büsche, blaues Wasser. Am Ufer das typische Geschehen: waschende Frauen und jede Menge Pirogen. So heißen die Boote auf dem Niger, die sowohl Passagiere wie Güter transportieren.

Die Piste nach Douentza ist trotz Wellblech besser als erwartet und lässt Arthur zum Rallyefahrer werden. Die 200 Kilometer brettert er mit GeU in drei Stunden. Anschließend sind wir geschafft, aber GeU noch ganz. Erholung suchen wir bei einer Wanderung in den Bergen von Hombori, die unmittelbar hinter Douentza beginnen. Die Berge stehen mitten in der ansonsten flachen Landschaft und erreichen eine Höhe von bis zu 1000 Metern. Wir erklimmen einen Felsvorsprung und bekommen einen ersten Eindruck über unser nächstes Ziel, die Falaise de Bandiagara, die Felsen des Dogon-Landes.

Nach längerem Studium von Reiseführern und Karten entscheiden wir uns für den Weg über die Falaise de Bandiagara (anstatt südlich an ihr vorbei zu fahren) und sind überzeugt, in Douentza den richtigen Weg gefunden zu haben. Die Felsen kommen näher, nur wir kommen nicht höher. Wir diskutieren schon, ob wir umkehren, wissen aber nicht recht, wo wir einen Abzweig verpasst haben und fahren doch noch durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Drei Reifen schaffen den Sand unproblematisch, nur Hintenrechts macht Probleme. Das sieht Arthur beim Blick aus dem Fenster nicht und legt wie üblich und bewährt in solchen Situationen den Rückwärtsgang ein. Diesmal ein Fehler! GeU sitzt tief und fest im Sand wie noch nie! Das rechte, hintere Rad ist auf nassen Matsch gestoßen und hat sich bis über die Narbe im Sand vergraben. Unser Ungetüm hat gute Schieflage nach hintenrechts, das Einsteigen in den Koffer ist jetzt ohne Leiter und großen Schritt möglich und das Nummerschild auf der inzwischen höhergelegten Stoßstange ist auch schon fast vom Sand verdeckt. Also Foto machen und raus mit den Schaufeln.

Schnell sind die Kinder des Dorfes herbeigelaufen, werden jedoch von den Erwachsenen zurück in die Schule geschickt. Und diese haben viele Tipps für uns parat. Wir erleben ein lautes Palaver, das uns durch den Lehrer des Ortes übersetzt wird. Wirklich hilfreich sind die Ideen nicht. Nützlicher ist dagegen ihre Hilfe beim Schaufeln, um Platz für die Sandbleche zu schaffen. Außerdem heben wir GeU mit Hilfe des großen Wagenhebers an und kommen so frei. Arthur wendet auf der anderen „Flussseite“ und schafft ohne Probleme die zweite Durchquerung. Wir bedanken uns mit Buntstiften und Papier für die Schule und sagen nicht nein, als uns der Lehrer Begleitung für das Finden des richtigen Weges anbietet.

Das war auch gut so - oder schlecht für unsere Reifen. Diese Piste hätten wir sonst wohl nicht genommen. Wir gelangen auf die Falaise über eine Piste mit bis zu 20-prozentiger Steigung, mit scharfkantigen und fußballgroßen Steinen sowie noch größeren Löchern! Im Kriechgang klettert unser Ungetüm die Felsen hoch. Wir sind wieder einmal erstaut, was GeU schafft, und rufen noch mehr Erstaunen hervor, als wir in Bandiagara berichten, welche Piste wir genommen haben. Dieser Weg sei mit keinem Fahrzeug mehr zu machen. GeU ist halt mehr als ein Fahrzeug!

Aber die anstrengende und Reifen strapazierende Anfahrt lohnt sich. Die steile Abbruchkante kommt gut. Außerdem stehen riesige Baobabs und teils eckige, teils runde Felsblöcken von bis zu GeU´s Größe auf der Falaise. Wir kommen durch die ersten Dogon-Dörfer und sehen dort die typischen Vorratskammern mit Strohdächern, die wie Zipfelmützen aussehen. Ebenfalls typisch sind die vielen grünen Zwiebelgärten inmitten der abgeernteten Hirsefelder. Neben Hirse sind Zwiebeln das einzige, was auf den kargen Felsböden wächst. Ein entsprechender Geruch liegt häufig in der Luft. Wir sind aber doch froh, als wir nach eineinhalb Tagen gut durchgeschüttelt Bandiagara erreichen. Zwar zeigt der Tacho auf der Falaise einmal 55 Stundenkilometer, aber das bleibt ein kurzer Moment. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit schwankte zwischen 7,5 bis 12 Stundenkilometer.

In Bandiagara verleben wir einen netten Abend mit Olaf und seiner Frau. Olaf ist Berliner und hatte auf einer Tankstelle in Bamako unser „B“ auf dem Kennzeichen gesehen. Sollten wir nach Bandiagara kommen, können wir uns melden. Dort arbeitet er für ein Projekt des Deutschen Entwicklungshilfe-Dienstes. Der DED baut im Dogon-Land Straßen und Pisten, was uns ermuntert, noch einen Schlenker im Dogon-Land zu machen. Auf bester Beton-Piste fahren wir zur Abbruchkante und herunter. Über Teli kommen wir nach Ende und steigen aus. Sofort sind wir umlagert, entschließen uns aber trotzdem für eine Führung durch das Dorf für 3500 CFA. Leider spricht der Führer grottiges Französisch, viel verstehen wir nicht. Um so genervter sind wir von den massiven, aber erfolglosen Verkaufsbemühungen. Wir fragen uns, ob eine Betrachtung der Dogon-Gräber in den Felswänden aus der Ferne nicht ausgereicht hätte und welche vielleicht negative Eigendynamik der Tourismus im Dogon-Land entwickelt.

Wir fahren die Falaise wieder hoch und übernachten direkt an der Abbruchkante. Ein super Platz, der noch besser wäre, wenn es die Sicht wäre. Auch am nächsten Morgen klart es nicht auf, obwohl wir einen Frühstart mit Wecker um 6.30 Uhr machen. So fahren wir ohne „Superbild“ im Kasten nach Mopti.

03.03.2005

Mopti
Mali

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