Reisetagebuch

18.02. - 25.02.2005: Mali, von Bamako nach Timbuktu

Unser Ziel von Bamako aus: Timbuktu, das Synonym für Nowhere. Um für Rüttelpisten gewappnet zu sein, wird schnell noch GeU´s seitlicher Unterfahrschutz wieder fest geschweißt. Zunächst auf Teerstraße geht es über Segou nach Niono. Die Landschaft wird wieder trockener. Wir sind wieder in der Dornensavanne. Bei Markala überqueren wir den Niger auf einer alten Brücke. Ab Niono geht es auf guter Wellblechpiste an Bewässerungskanälen entlang. Wir identifizieren Zuckerrohr und Reis auf Feldern sowie Bananen, Papayas, Tomaten und Zwiebeln in kleinen Gärten direkt an der Piste. Das Wasser in den Bewässerungskanälen ist klar und fischhaltig. An den eigens dafür gebauten Treppenstufen waschen Frauen ihr Geschirr, ihre Wäsche und ihre Kinder. Männer sieht man nie beim Waschen.

Als die Bewässerung endet, wird es schlagartig trocken. Wir erleben eine weite, offene Landschaft mit einigen Büschen und viel vertrocknetem, gelb schimmerndem Gras. Es erinnert uns an die Massai Mara in Kenia, nur entdecken wir außer riesigen Rinder- und Ziegenherden keine wilden Tiere. Der Weg wird sandiger. Der Spur zu folgen, ist vor allem um die Dörfer herum schwierig. Hin und wieder müssen wir den Computer herausholen, um auf den russischen Digitalkarten unseren Standort zu überprüfen. Mehrfach stellen wir fest, dass wir jenseits der eingezeichneten Piste sind und fahren notgedrungen querfeldein nach Richtungspfeilen weiter. Durch diese etwas schwierige Navigation kommen wir in Nampala nicht am Polizeiposten vorbei. Der Polizist bemerkt uns trotzdem, düst mit einem geliehenen Moped hinter uns her und fordert uns auf, zusammen mit ihm zurück zum Kontrollposten zu fahren. Unser „Verbrechen“ (wir fragen lieber nicht, wo die Meldepflicht festgeschrieben ist) wird natürlich genutzt, möglichst viel Kapital daraus zu schlagen. Wir haben den gegensätzlichen Ansatz, möglichst wenig zu zahlen. Die mit Humor geführte Diskussion endet damit, dass Arthur´s kurze Trekkinghose zusammen mit 5000 CFA (ca. 8 Euro) den Besitzer wechselt. Außerdem müssen wir den Alkohol zurücklassen, den wir herausgeholt hatten, um die „Wunden“ des Polizisten zu desinfizieren, die er sich bei der „wilden“ Verfolgungsfahrt an den Dornenbüschen geholt hat. Auf Papier wird natürlich gar nichts festgehalten, aber man sorgt angeblich auch so für unsere Sicherheit!

Eine andere Art der Begegnung mit den Menschen in Mali suchen wir selbst. In einem Dorf sind wir neugierig, wie tief der Brunnen ist, aus dem mit Hilfe von Rindern Wasser geholt wird. Wir steigen aus und werden neugierig von den Dorfältesten begutachtet. Aber schnell bietet man uns Wasser aus dem für Mali typischen bunten Plastikkessel an. Das lehnen wir aber lieber ab. Auch auf einen Besuch in den Hütten verzichten wir. Aber wir können in den Brunnen schauen und sehen nichts! Zur Peilung der Tiefe hilft nur die von den Rinder zurückgelegte Strecke zu schätzen: ca. 55 Meter. Ganz schön tief und aufwendig, auf diese Art das Wasser für die Menschen und Tiere herauszuholen.

In Lere verläuft die Polizeikontrolle nett und freundlich. Namen und Kennzeichen werden in Kladden notiert, ein Stempel in den Pass gemacht und weiter geht es. Leider finden wir die „Straße“ nach Timbuktu nicht wieder und irren durch die Büsche. Im entscheidenden Augenblick ist der Akku des Notebooks leer, also suchen wir recht spontan den Übernachtungsplatz inmitten von dornigem Gestrüpp. GeU´s Reifen stört das toi toi toi nicht, aber wir haben ziemlich schnell überall Dornen!

Auf dem weiteren Weg Richtung Timbuktu sind wir immer wieder erstaut, das diese „Piste“ auf der Michelin-Karte für Nordwest-Afrika verzeichnet worden ist. Aber so abseits der Zivilisation sind wir hier doch nicht mehr. Nach zwei Tagen Pistensuche und Fahren durch die Büsche tauchen kurz vor Tonka Verkehrsschilder auf. Eine richtig gute, befestigte Piste gibt es auch, die über Goundam fast bis Timbuktu führt. Von wegen „in the middle of nowhere“. Man muss nur den ersten Teil der Anreise schaffen.

Aber für das Geschaukel und Geschüttele werden wir mit toller Landschaft entlohnt. Inmitten der trockenen Sahelzone entdecken wir blaue Seen - mit Wasser und nicht ganz klein. Manche Seen bestehen allerdings nur noch aus grünem Gras und Matsch. Entsprechend vorsichtig nähern wir uns, als wir einen „ausgetrockneten See“ durchfahren wollen. Aber wir finden eine trockene Spur und müssen nur einmal einen guten Meter Matsch überqueren. Damit GeU nicht auf dumme Gedanken kommt, legen wir direkt die Sandbleche unter und schon sind wir durch. Ziemlich cool!

So freuen wir uns auch sehr auf den Lac Faguibine nordwestlich von Goundam. Laut Reiseführer liegt der knapp hundert Kilometer lange See mitten in der Wüste. Fantastische Landschaft wird versprochen. Entsprechend groß ist dann unsere Enttäuschung, als wir laut GPS mitten im See stehen. Wasser gibt es hier schon lange nicht mehr. So bleibt uns nur, die herrliche Ruhe inmitten der riesigen Dornenbüsche zu genießen. Wir legen einen „Bastel-Schreib-Brotback-Lese-Tag“ ein. Außer den viel zu vielen Fliegen haben uns hier nur zwei Esel gesehen. Um so mehr Tiere haben uns bei der Anfahrt zum Lac Faguibine gesichtet: Tausende Ziegen, Schafe, Rinder und Esel weiden auf dem mehrere Kilometer breiten Grünstreifen des ebenfalls austrocknenden Lac Tele, begrenzt von Sanddünen.

25.02.2005

Timbuktu
Mali

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