Reisetagebuch

03.03. - 04.03.2005: Mali, von Mopti nach Benena

Die Zivilisation hat uns wieder: ab Bandiagara fahren wir auf Teerstraße. Welch ungewohnt ruhiges Fahrgefühl! Entsprechend zügig erreichen wir Mopti. Mopti heißt Treffpunkt und hier trifft sich viel. Hier treffen die Flüsse Bani und Niger aufeinander. Und das lockt Menschen aus allen Richtungen herbei. Die Straßen der Stadt sind voll. Noch regeres Treiben herrscht an der Wasserfront. Überall liegen Pirogen und Pinassen, werden be- und entladen mit Menschen und Ware. Das Kaufangebot ist entsprechend groß, doch nicht ganz nach unserem Geschmack und Bedarf. Getrockneter Fisch gibt es in verschiedensten Größen, aber mit einem Einheitsgestank. Außerdem könnte man Brennholz, Kürbisschalen, bergeweise Chilischoten und Second-Hand-Kleidung (aus deutschen Altkleidersammlungen?) erstehen. Es gibt viel zu entdecken bei netter, quirliger Atmosphäre.

Den getrockneten Fisch probieren wir nicht, genießen aber fangfrischen „Capitaine“, ein Süßwasserfisch aus dem Niger, im Restaurant „Bozo“ direkt am Hafen. Sehr lecker! Von der Terrasse des Restaurants können wir weiterhin das Geschehen am Hafen von Mopti beobachten. Allerdings nicht zu auffällig. Denn wenn wir unsere Köpfe bewegen und über die Kante schauen, wird einem alles mögliche angeboten: Zigaretten, Schmuck, Hüte, Nüsse, Nudeln ... Auch hier kommt keiner mit uns ins Geschäft. Wir finden wieder einmal „nur“ Brot, Obst und Gemüse spannend und fahren weiter.
Djenne steht auf unserem Programm, eine Stadt 100 Kilometer südlich von Mopti und auf der anderen Seite des Bani liegend. So müssten wir mal wieder Fähre fahren, die es auch gäbe. Aber der von uns für 6000 CFA (ca. neun Euro) angeheuerte Stadtführer meint, den Weg durch den Fluß zu kennen - mit dem Auto. So darf GeU mal wieder eine Bugwelle vor sich herschieben und schon haben wir den Bani bezwungen.
Doch erst in Djenne kommt die eigentliche Herausforderung für GeU und seinen Chef-Fahrer. Geparkt werden soll auf einem Hof in der Altstadt und die Einfahrt ist so breit wie GeU selbst. Plus wenige Zentimeter. Aber dann steht GeU dort, Arthur bekommt anerkennende Blicke für seine Fahrleistung und wir können mit der Stadtbesichtigung starten.
Mittelpunkt Djennes ist die Große Moschee, das weltweit größte Gebäude aus Lehmziegeln. Auch sonst ist die Stadt komplett aus Lehm gebaut und als UNESCO-Weltkulturerbe darf sich an dieser Tatsache auch nichts ändern. So werden die Außenwände nach jeder Regenzeit mit Lehm neuverputzt.
Wir laufen einmal um die Moschee, verzichten aber auf eine Innenbesichtigung, die offiziell nicht möglich ist, aber für Geld öffnen sich auch hier die Türen. Das wollen wir nicht unterstützen. Es folgt ein kurzer Bummel über den Frauen-Markt, wo die Frauen aus der Umgebung ihr Gemüse aus dem Garten anbieten. Nettes, afrikanisches Gewusel! Von unserem Guide, vermutlich Jahrgang 1972, denn auf seinen Guidepass steht nur „um 1972 in Djenne“ geboren, sind wir diesmal angetan und erfahren viele Details. Er spricht gutes Französisch und wenn Arthur ein Wort nicht versteht, wird es umschrieben.
Wasser gibt es fast an jeder Ecke. Einfaches Wasser zum Waschen ist kostenlos, sicheres Trinkwasser kostet 50 CFA (ca. 8 Cent) für 100 Liter. So erleben wir in den engen Gassen das übliche Bild: waschende Frauen an den Wasserhähnen, winkende (und manchmal auch schreiende Kinder, aber nicht unseretwegen) in den Gassen und dazwischen Schafe, Ziegen und Esel. Man fragt sich, was die Männer machen. Einige beobachten wir bei der Schmuckherstellung, aber der Rest?
Vermutlich sind die Männer überzeugt, dass das malische Wetter nur liegend und Tee trinkend unter Strohdächern auszuhalten ist. Dieses Bild sieht man häufig am Wegesrand. Aber knallige Sonne mit blauem Himmel haben wir schon seit einigen Tagen nicht mehr gehabt. Aber kalt ist es deshalb noch lange nicht. Bis auf den Tag in Mopti, wo schon um 18.00 Uhr unter 30 Grad in GeU waren und wir nachts fast mal wieder unter unseren Decken lagen, haben wir das Gefühl, dass ständig irgendwo ein „Fön“ an ist und uns mit heißer Luft von gut 40 Grad versorgt. Aber auch das ist Afrika! Und auch das haben wir gewollt oder mindestens in Kauf genommen.
Die Abfahrt aus Djenne gelingt. Arthur kommt mit GeU aus der engen Toreinfahrt heraus und GeU kommt erneut durch den Fluss. Weiterhin auf Teerstraße geht es zur Grenze nach Burkina Fasa. Dabei spielen wir unser neuestes Spiel: einschätzen, was für ein Gefahrenbewusstsein die Tiere am Wegesrand haben. Ziegen haben ein sehr hohes; Rinder: nun ja, könnte besser sein, Schweine (es gibt sie wieder häufiger, da der Moslemanteil in der Bevölkerung geringer wird): noch nicht ausgeprägt; Esel: keins. Die schlackern noch nicht einmal mit den Ohren, wenn man im Abstand von einigen Zentimetern an ihnen vorbeifährt, weil sie mal wieder mitten auf der Straße stehen. Gewarnt wird nur hin und wieder vor den Viechern, aber dann mit durchaus originellen Schildern. Ich bin begeistert und fotografiere vor allem hier in Mali eifrig Schilder für meine Sammlung auf unserem Flur.
Eigentlich wollten wir noch eine Nacht in Mali verbringen, haben dann aber schneller als gedacht den Grenzort Benena erreicht. Also „reisen“ wir schnell noch aus! Und schnell geht es wirklich. Die Polizei stempelt die Pässe, der Zoll das Carnet. Wir sind von Mali entlassen, dem Land, wo wir auf unserer Reise bislang am längsten waren, und fahren Richtung Burkina Faso.

04.03.2005

Benana
Mali

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