Reisetagebuch

03.02. - 09.02.2005: Senegal, von Dakar bis zur Grenze bei Moussala

Als wir Dakar verlassen haben und endlich „unbesiedeltes“ Gebiet links und rechts der Straße haben, könnten wir eigentlich aufatmen, wären da nicht die zahlreichen Polizeikontrollen. Wir erleben die volle Bandbreite. Von „einfach nett und freundlich und mit dem Scherz verbunden, wir könnten seinen Polizistenjob tun, er würde mit GeU um die Welt fahren“ bis „extrem unfreundlich und korrupt“ ist alles dabei. Vor Dakar hatte Arthur schon eine längere Diskussion mit einem Polizisten, ob er aufgrund eines Stopschildes am Bahnübergang angehalten hatte oder nicht. Die Beweisaufnahme ergibt: das Schild existiert nicht mehr! Aber der Beweis reicht nicht, um das bereits notierte Verkehrsvergehen zurückzunehmen. Also überspielt Arthur die Daten des GPS in den Laptop, um zu zeigen, dass er angehalten hat. Das Herausholen des Laptops reichte bereits. Plötzlich taucht ein angeblich ranghöherer Polizist auf. Der Führerschein wird zurückgegeben, die Sache ist gegessen. In Dakar kann Arthur die Diskussion mit einem Polizisten erfolgreich mit „habe jetzt keine Lust, werde nicht zahlen, gibt den Führerschein zurück“ beenden. Aber in Mbour treffen wir auf die Sorte „korrupte Schw ...“. Ohne das sie schauen oder gar messen, heißt es, wir waren zu schnell. Der Führerschein wird abgenommen und ein Formular ausgestellt, damit wir beim Kommissariat in der Stadt die Strafe bezahlen können. Auf eine Diskussion lassen sie sich nicht ein. Da hilft nur zum Kommissariat fahren und dort diskutieren.

Die kann Arthur mit dem Laptop überzeugen, dass er nur 32 Stundenkilometer (40 sind am Ortseingang erlaubt) gefahren ist, aber er muss die Kollegen vor Ort überzeugen. Und das ist unmöglich. Beim Zurückkehren werden wir zunächst mit Nichtbeachtung bestraft. Dann erfolgt eine kurze Diskussion. Von den Worten verstehe ich nicht viel, aber die Unfreundlichkeit ist mehr als deutlich. Und 32 km/h sind halt auch noch zu schnell, wenn man Ausländer ist. Letzteres wird natürlich nur gedacht. Also wieder in die Stadt, um weiterzudiskutieren. Arthur hatte sie fast überzeugt, aber als sie beim Polizisten vor Ort anrufen, werden Sprüche übermittelt, die Arthur nie gesagt hat. Also muss er 3000 CFA zahlen. Das Wechselgeld auf 5000 CFA wird als „Cadeau“ einbehalten. Nein sagen hätte uns auch nicht weitergebracht. Die fünf Euro stören uns noch am wenigstens. Es ging Arthur ums Prinzip.

Viel weitergekommen sind wir dann nicht mehr, aber wir übernachten in wunderbarer Ruhe nahe der Küste. Bevor es ins Landesinnere geht, besuchen wir noch den Ort Fadiouth, der auf Muscheln gebaut und nur über Brücken zugänglich ist. Und weil der Ort christlich ist, leben dort auch Schweine, die anscheinend gerne Watt wandern!

Der westlichste Punkt unserer Afrika-Reise liegt nun hinter uns. Ab jetzt ist die Generalrichtung Osten. Über Kaolack und Tambacounda fahren wir zum Nationalpark Niokola-Koba im Südosten Senegals. Die Preisangaben im Reiseführer (von Juli 1998) stimmen noch, nur ist der Führer jetzt obligatorisch. Also muss er sich für zwei Tage neben Arthur und der Alubox zwängen, aber er hilft, die Tiere zu finden. Im Gegensatz zu uns bekannten Nationalparks herrscht hier sehr dichte und abwechslungsreiche Vegetation, die nur teilweise durch Feuer im Unterholz ausgelichtet worden ist. Die Wege sind ziemlich eng, GeU dürfte mal wieder nicht höher und breiter sein. Auch so pflügt er sich seinen Weg. Es raschelt, kracht, knackt und poltert gewaltig. Blätter und Äste fliegen hinter ihm zu Boden. Nach zwei Tagen haben beide großen Außenspiegel einen Schlag weg und eine Radioantenne hatten wir einmal. Aber nicht alle Tiere fliehen sofort aufgrund unseres Lärms. Wir sehen viele bunte Vögel, diverse Antilopen, Warzenschweine, einen Schakal und Affen. Vor allem riesige Baboon-Herden bevölkern den Park. Außerdem begegnen wir einem Leoparden und schauen uns in die Augen: 20 Zentimeter und einen Zaun voneinander entfernt. Er kam mit dem Leben in freier Wildbahn nicht klar und wartet jetzt auf die regelmäßig servierte Ziege. Trotzdem waren seine Rufe in der Nacht beeindruckend, ebenso wie die der Paviane. Das ist Afrika. Mitten durch den Nationalpark verlaufen die Flüsse Gambia und Niokolo Koba und sorgen für das satte Grün. Im Gambia sichten wir Krokodile und Flußpferde. Den Niokolo Koba überqueren wir zu Fuß auf einer sehr schwankenden Hängebrücke.

Dann heißt es so langsam Abschied vom Senegal nehmen. In Kedougou erledigen wir den ersten Part der Ausreise: das Abstempeln des Carnets beim Zoll. Der Zöllner ist sehr nett, verlangt kein Cadeau und das Ganze dauert zwei Minuten. Dann schaukeln wir langsam zum einen der beiden Grenzübergänge nach Mali. Arthur und GeU kannten aus dem Nationalpark enge Wege und waren so bestens vorbereitet. Der Weg nach Mali ist eine Piste, bestehend aus Staub, Steinen, Rinnen und Löcher, und zum Teil kaum erkennbar. GeU sucht sich seinen Weg, es kracht und schlägt wieder gewaltig und der nächste Spiegel muss dran glauben. Aber wer denkt, in dieser Wildnis fehlt der Schlagbaum, irrt. Plötzlich heißt es „Halt, Polizei“. Den Polizisten gibt es auch. Wir sind an diesem Tag die ersten Grenzgänger. Langsam und korrekt schreibt es unsere Daten auf und stempelt den Pass. Auch hier wird kein Cadeau verlangt. Dann trägt er seinen Schlagbaum zur Seite und winkt uns zum Abschied. Nach den Formalitäten folgt nun der tatsächliche Grenzübertritt: das Durchfahren des Grenzflusses Faleme. Der führt zur Zeit Wasser. Wir bekommen alle drei nasse Füße bzw. Reifen. Arthur beim Sichten, ob und wo er mit GeU durchfahren kann, ich beim Vorauslaufen, um die richtige Position zum Fotografieren zu bekommen, und GeU als es ernst wird. Aber es war nicht ernst. Gerade mal die Radnarben sind nass. Wir sind in Mali!

09.02.2005

Moussala
Senegal

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