Reisetagebuch

01.02. - 03.02.2005: Senegal, Dakar

Dakar liegt am Ende einer Landzunge, hat ca. 3 Millionen Einwohner und der besiedelte Großraum ist entsprechend ausgeweitet. Leider hat der Straßenbau nicht mitgehalten. Zwar ist die Zufahrtsstraße zweispurig je Richtung, aber für die Verkehrsmengen schlicht und einfach nicht gerüstet. Wir kämpfen uns mühselig mit viel Stop-and-go in die Stadt, wo wir dreieinhalb Stunden später mitten im Zentrum, am „Place de I’Independance“, ankommen und GeU für ein saftiges Entgeld parken und bewachen lassen. Erstes Ziel - nach erfolgloser Recherche der Adresse im Internet, ein Telefonbuch hat uns am Ende weitergeholfen - ist die Botschaft von Kamerun. Laut Reiseführer erhält man dort das Visum innerhalb eines Tages und laut Reiseberichten erleichtert das Vorhandensein des kamerunischen Visums den Erhalt des nigerianischen. An diesem, am nächsten und übernächsten Tag dackeln wir insgesamt vier Mal zur Botschaft, um am Ende kein Visum bekommen. Die Begründung bleibt wage und unverständlich. Zwei Passfotos und viel Zeit sind unnötig verschwendet worden. Sehr ärgerlich!

Dafür erleben wir Senegals großen Tag, als Frankreichs Präsident Chirac zum offiziellen Staatsbesuch kommt. Die Stadt ist über Nacht mit Plakaten geschmückt worden, die Chirac und Senegals Präsident Wade zeigen. Überall ist geflaggt und Transparente heißen Chirac willkommen. Auf der Zufahrtsstraße zum Präsidentenpalast ist reinste Volksfeststimmung. Es wird gepfiffen, getrommelt, gelacht, getanzt. Französische und senegalesische Flaggen in allen Größen werden schon Stunden vor der Ankunft Chiracs geschwenkt. Wir beobachten das Ganze 100 Meter vom Präsidentenpalast entfernt. Erleben wie Präsident Wade unter großem Jubel und „Wade-Rufen“ zum Flughafen aufbricht. Aber das ist noch gar nichts gegen das, was kommt, als er mit Chirac zurückkommt. Die beiden werden in der offenen Präsidentenlimousine mit dem Kennzeichen „PR“ gefeiert. Begleitet durch Sicherheitskräfte sehen wir (Arthur direkt, ich am nächsten Tag in der Zeitung) Szenen wie im Film „In the Line of Fire“. Ob die Sicherheit wirklich gegeben war, wissen wir trotz vieler Sicherheitskräfte aus beiden Ländern und gesichteter Scharfschützen nicht. Ich kann leider nur einen, fürs Foto zu kurzen, Moment Chirac sehen. Dann werde ich von der Polizei nach hinten gedrängt, die Platz für die Begleitfahrzeuge macht. Arthur bleibt dran. Leider wird der Tumult auch genutzt, um sein Portemonnaie aus dem Vorfach seines auf dem Bauch hängenden Rucksacks zu klauen. Alle Welt will ihm helfen, da sie Arthur für einen Teil der französischen Delegation halten. Auf diese Weise kommt er in den abgesperrten Bereich bis vor das Tor des Präsidentenpalastes und kann Fotos machen. Als sich der Irrtum aufklärt, will keiner mehr was von dem Diebstahl wissen. Zum Glück war nur Geld und keinerlei Papiere oder Karten im Portemonnaie. Ohne diesen Verlust wäre das Spektakel einfach nur klasse gewesen. Hoffen wir, dass die Bilder von der Aktion als „Entschädigung“ gelungen sind.

Sonst und auch gerade durch das Spektakel rund um Chirac erleben wir Dakar als stressige Stadt. Wir stehen eigentlich ständig im Stau. Viele Straße sind nicht gerade GeU-geeignet. Die Parkplatzsuche ist alles andere als einfach. Aber Arthur behält wacker die Nerven. Die im Reiseführer genannten Campingplätze finden wir nicht und geben am ersten Abend gegen 20.30 Uhr auf der Haupteinfallstraße entnervt auf. Wir wollen etwas essen und dann schauen, was wir machen. Als nach zwei Stunden immer noch keiner an uns Interesse zeigt und der Stau nur wenig weniger geworden ist, beschließen wir dort unter dem Baum stehen zu bleiben. Die Nacht ist laut, aber sonst hat keiner Notiz von uns genommen. So wird auch die zweite Nacht genau dort verbracht.

Neben der Begrüßung Chiracs, den regelmäßigen Besuchen in der kamerunischen Botschaft und diversen Einkäufen haben wir noch ein wenig „Touri-Programm“ in Dakar gemacht: einen Ausflug auf die Insel Gorée, von wo bis zum 18. Jahrhundert Sklaven nach Amerika verschifft worden sind. Ein kleines Museum informiert uns über die traurige Vergangenheit. Heute ist Gorée eine ruhige Idylle mit Blick auf die Skyline von Dakar. Hübsche Häuser, Cafes und viele Verkaufsstände mit netten Bildern.

03.02.2005

Dakar
Senegal

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