Reisetagebuch

25.01. - 01.02.2005: Senegal, von der Grenzstation Diama nach Dakar

Die Geldabzockerei geht im Senegal direkt weiter. Noch auf der Brücke über den Senegal werden wir gestoppt. 20 Euro sind für die Benutzung der Brücke fällig. Diesbezüglich hatten wir eine andere Summe im Kopf und lassen uns das entsprechende Dokument zeigen. Ob das echt war oder nicht, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall werden für Fahrzeuge mit einem Gewicht von 10 Tonnen oder weniger 12500 CFA, was ca. 20 Euro entspricht, verlangt. Und wenn das Dokument gefälscht sein sollte, haben sie sich wirklich Mühe gegeben. Wir zahlen und haben dann unsere Ruhe. Der Polizist fragt noch einmal dezent nach Geld, wird aber von Arthur mit Hinweis auf die Brückengebühr abgewiesen. Der Zöllner sagt gar nichts und stempelt zügig das Carnet ab. Wir sind im Senegal. Im einzigen Cafe an der Grenzstation schließen wir noch die erforderliche Haftpflichtversicherung für mehrere westafrikanische Länder ab und zahlen für zwei Monate 78 Euro.

Auf dem Weg zur Teerstraße fragen wir uns, was der Autor des Reiseführers unter einer „guten Wellblechpiste“ versteht. Wir erleben ein gnadenloses Durchschütteln. Ein Ausweichen ist aufgrund der Büsche nicht möglich. Aber auch 20 Kilometer vergehen.

Auf der Teerstraße haben wir mehrfach Polizeikontrollen. Bevorzugte Variante: gar nicht erst anhalten müssen. Blickkontakt herstellen, lächeln und weiter geht es. Klappt häufig, aber nicht immer. Wenn nicht, wird nach diversen Papieren gefragt, die wir alle dabei haben. Dumm gelaufen für die Polizisten. Ungelesen werden sie zurückgegeben. Nur einer diskutiert ein wenig über die Anschnallpflicht, der wir mangels Gurten in unserem Laster (vom deutschen TÜV so abgenommen) nicht nachkommen können. Aber auch der verliert schnell die Lust und bekommt kein „cadeaux“. Unsere anschließende empirische Untersuchung zur Anschnallpflicht verläuft erwartungsgemäß.

In St. Louis empfängt uns reges Treiben auf den Straßen. GeU wird auf der durch Brücken zugängigen Insel im Senegal abgestellt. Zu Fuß erkunden wir die Altstadt, eine nette Mischung französischer und afrikanischer Baustile. Auf der weiter zum Atlantik liegenden Langue de Barbarie schauen wir uns den moslemischen Fischerfriedhof an, auf dem die Gräber mit Fischernetzen bedeckt sind. Jedenfalls so lange, bis die Ziegen die Netze aufgefressen haben. Auffallend: ein starker Fischgestank. Wir finden den Grund dafür am Ufer: zahlreichst wird hier Fisch in der Sonne getrocknet. Sehr gewöhnungsbedürftig!

Von St. Louis sind es nur noch 20 Kilometer zum „Muß“ aller Afrikafahrer: der Zebra-Bar. Ein Schweizer Paar hat hier eine Idylle geschaffen. An der Mündung des Senegals in einem Nationalpark finden Afrikafahrer wie wir, was sie brauchen: kaltes Bier (unser erstes seit Spanien, denn dort waren die letzten Vorräte von zuhause alle), Aussichtsturm für den Überblick und zur Vogelbeobachtung, Werkstatt mit guter Ausstattung und erfahrenem Monteur. Dazu viel Ruhe! Leider suche ich mir diese Idylle aus, um zwei Tage mit Hals- und Gliederschmerzen in der Hängematte zu verbringen. Aber auch dafür gibt es schlechtere Plätze. Arthur nutzt die Zeit, GeU´s Stoßstange hochzulegen und repariert den Hinterachsdifferentialsperrkontrollleuchtenkontaktschalter. Was das ist, sollten wir vielleicht als Frage des Monats auf die Homepage stellen. Wir wären gespannt auf die Antworten. Als ich wieder fit bin, wechseln wir für zwei Stunden das Fortbewegungsmittel. Statt GeU nutzen wir GeP, ein gelbes Paddelboot auf dem Senegal. Leider umgekehrt, als wie man es machen soll, geht es mit dem Wind und der Strömung zur Insel, wo Tausende von Vögeln leben und brüten. Auf dem Rückweg landen wir auf der Landzunge zum Atlantik hin an und laufen kurz zum Meer. Dort rollen große Wellen an den Strand. Gegen den Wind und die Strömung paddeln wir zurück. Aber es tat gut, sich nach gut 7500 Kilometern im Autositz körperlich zu betätigen.

Die Abreise von der Zebra-Bar ist nicht so einfach wie gedacht. Vier Tage zuvor war Ebbe, der Weg vom Dorf zum Campingplatz einfach zu erkennen. Jetzt ist mehr Wasser da. Also erkunden wir zu Fuß, wo GeU fahren kann. Der Weg durch das Wasser ist kein Problem, aber der Weg dahin. Der Teufel steckt in einer Schlammschicht, die von Gras überdeckt ist, was GeU mit seinen neun Tonnen aber merkt. Und als seine Reifen mit Matsch zugesetzt sind, will er weder vor noch zurück. So sorgen wir unfreiwillig für die Nachmittagsunterhaltung im Camp. Fast alle kommen sie zum Gucken, wie Arthur Matsch schaufelt, was deutlich anstrengender als Sand schaufeln ist. Martin, der Besitzer der Zebra-Bar, holt schließlich seinen Magirus zum Herausziehen. Das Stück Wasser durchpflügt GeU dann problemlos mit Bugwelle.

Der Strecke nach Dakar ist ereignislos. Viele Dörfer liegen am Weg. Unterwegs wird GeU endlich gewaschen, bevor Salz und Schlamm ihm zu sehr zusetzen. Nun ist unser Ungetüm wieder gelb. Wir übernachten in der Nähe des Kilometersteines „100 bis Dakar“ und wollen am nächsten Morgen über die „Autoroute“ zügigst in die Stadt rollen, um unsere diversen Besorgungen anzugehen. Doch die Planung schlug fehl.

01.02.2005

Dakar
Senegal

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