Reisetagebuch

19.01. - 25.01.2005: Mauretanien, von Nouadhibou bis Nouakchott

Es regnet immer noch! Auch die ganze Nacht haben wir in diesem Wüstenland Regentropfen auf dem Dach vernommen. So wirkt das Cap Blanc mit dem Leuchtturm, der Südspitze jener Landzunge, auf der Nouadhibou liegt, wie ein Strandstück an der Nordsee. Von den dort lebenden Mönchsrobben ist nichts zu sehen. Dafür sehen wir die zweite im Reiseführer erwähnte Sehenswürdigkeit von Nouadhibou mehrfach: den längsten und schwersten Zug der Welt, der Eisenerz aus dem Landesinneren zum Hafen von Nouadhibou transportiert. Wir zählen einmal 104 Waggons mit zwei Loks, einmal 150 Waggons mit drei Loks, das ergibt einen Zug von über zwei Kilometern Länge.

Der Weg in den Nationalpark Banc d’Arguin soll nach einem kurzen Stück Teerstraße über eine trockene, staubige Piste gehen. Wir erleben eher eine Schlammschlacht - mitten in der Wüste. GeU lädt etliche Kilos Matsch zu und arbeitet an einer idealen Wüstentarnfarbe. Vom Gelb ist nicht mehr viel zu sehen. Mitten im Nichts treffen wir dann auf die vor kurzem fertig gestellte Teerstraße. Verkehrsschilder sind auch aufgestellt worden, allerdings noch in Folie verpackt! Die Teerstraße verlassen wir bald und folgen dem GPS-Richtungspfeil zum Nord-Eingang des Nationalparks. Der „Entree Nord du Parc“ erweist sich allerdings lediglich als Pfahl mitten im Nichts.

Der Nationalpark soll von Millionen von Vögeln bevölkert sein. Nach zwei Tagen lautet unsere Bilanz: etliche Möwen, drei Pelikane und zwei Raubvögel. Dafür sehen wir mehrfach riesige Kamelherden. Die Landschaft ist nett, aber von spektakulär weit entfernt. Immer wieder tauchen kleine Sanddünen auf, dann wieder große Salzflächen, auf denen GeU so richtig entlang düsen kann. Hin und wieder muss GeU hart arbeiten, wir durchqueren sandige Passagen mit vielen Pflanzen. Aber im Gegensatz zum Magirus und Toyoto Landcruiser macht er es ohne Murren, schlürft nur mehr Diesel. Wie gut, dass wir das so genau nicht kontrollieren können. Abends gibt es Nachschub aus den Zusatztanks.

Nouamghar, im Reiseführer als sehr ärmliches und vermülltes Fischerdorf beschrieben, umfahren wir, da unsere Parkgenehmigung abgelaufen ist und wir nicht wissen, ob das jemanden interessiert. Daher wissen wir auch nicht, wann der optimale Zeitpunkt zum Befahren der Strandpassage nach Nouakchott ist. Aber ein Blick auf den Spülsaum verrät uns: jetzt! Erste Spuren sind noch zu sehen, also hinterher.

Das Fahren unmittelbar am Wasser ist cool. Zur rechten Seite sehen wir das blaue Meer, zur linken den gelben Sahara-Sand. Immer wieder scheuchen wir riesige Möwen-Ansammlungen auf, deren Flügel im Sonnenlicht leuchten. Genial. Nach ca. 30 Kilometern suchen wir uns an einer Düne ein Plätzchen und warten auf die anderen, die wir am Vorabend verloren hatten. Zwei Stunden später tauchen sie auf. Es folgt Strandleben mit Angeln und dem Bau einer Sandburg.

Das nächste Stück auf der Strandpassage ist mit Herausforderungen verbunden. Eine Wanderdüne hat sich bis zum Meer bewegt, wo auch noch Felsen liegen. Also über die Düne! Doch zum ersten Mal will GeU nicht. Das Sand ist ihm zu weich und zu steil aufgeschüttet. Im ersten Gang reichte nach kurzer Zeit das Drehmoment nicht und im Kriechgang mahlten alle vier Räder in der Steigung hängend. Also rückwärts. Zweiter Versuch über eine sehr schmale Stelle direkt am Wasser. Funktioniert auch nicht. Beim Rückwärtsfahren rutscht GeU von der Felskante ab. Um keine weiteren Schäden am Rad zu produzieren, bauen wir eine Rampe aus Sand und Sandblechen. Wieder auf der Anfangspositionen diskutieren wir über erfolgreichere Wege über dieses Hindernis. Wir bauen mit allen vorhandenen Sandblechen, zusammen immerhin elfeinhalb Meter, eine Straße die Düne hoch. Nach und nach fahren der Toyoto, der Magirus und GeU hoch. Der Nachteil: im Anschluss müssen wir die Sandbleche einige hundert Meter durch die Dünen tragen - bei knalliger Sonne und entsprechender Temperatur. Daher machen wir Schluss für den Tag, erholen uns und grillen am Abend den direkt vom Fischerboot gekauften Fisch. Super frisch und lecker! Da wir nun auf den Geschmack gekommen sind, kaufen wir am nächsten Tag im nächsten Fischerdorf neuen Fisch, für uns eine Dorade, 750 Gramm schwer für gute 2 Euro. Noch vor Nouakchott machen wir erneut Station, das Leben am Strand ist einfach göttlich. GeU fährt sich zum ersten Mal wirklich fest, auch rückwärts geht nichts mehr. Also ausbuddeln und wieder einmal treiben wir mit den Sandblechen den Straßenbau in Mauretanien voran - allerdings wenig nachhaltig!

Nun sind es nur noch neun Kilometer bis zum Zentrum von Nouakchott. In aller Ruhe wollen wir den Fischern beim Einholen ihres Netzes vom Strand aus zuschauen. Doch unsere Männer werden schnell in die Arbeit eingebunden und müssen/dürfen mitziehen, was recht anstrengend aussah. Als der Fang an Land ist, wird Arthur „entlohnt“: vier Fische für unser Abendessen.

In Nouakchott finden wir mitten in der Stadt einen Campingplatz, der mit unseren drei Fahrzeugen fast voll ist. Es folgen die üblichen Aktivitäten, wenn man in der Stadt ist: Einkaufen, Wäsche waschen, Tanken und Internetcafe.

25.01.2005

Nouakchott
Mauretanien

[ zurück ]