Reisetagebuch

11.01. - 18.01.2005: Marokko, von Tan-Tan bis zum Grenzposten Guerguarat

In Tan-Tan legen wir einen „Orga-Tag“ ein: Einkaufen, Wäsche waschen lassen, Internetcafe. Zur Belohnung - und weil die Wäsche noch nicht trocken ist - gibt es für uns Tahine, das marokkanische Nationalgericht im Tontopf gegart. Sehr lecker! Da wir erst zwei Tage später mit anderen Afrika-Reisenden auf einem Campingplatz zwischen Tarfaya und Laayoune zwecks gemeinsamer Weiterfahrt verabredet sind, gehen wir es ruhig an. Wir wandern im Naturschutzgebiet „Sebkha Naila“, wunderschön an einer Lagune gelegen, wo das Meer unmittelbar an die Dünen reicht. Wir sehen Flamingos und Fischreiher und entdecken einen toten abgemagerten Hai am Strand. Weiter entlang der Küste gibt es immer wieder Schiffswracks. Arthur würde ja gerne auf eins drauf klettern, aber die Wassertemperatur lässt bislang nur das Baden der Füße zu. Aber immerhin! Überall entdecken wir Berge von toten Heuschrecken, ein Überbleibsel der Plage vom Sommer. Beim Laufen auf dem Sand knackt es wenig appetitlich. Das muss im Sommer ziemlich unangenehm gewesen sein.

Und wie es der Zufall will, treffen wir am Strand Daniel und Nina, die mit einem Magirus 120 Afrika durchqueren wollen. Über ein Internetreiseportal hatten wir uns kennen gelernt und schon in Deutschland mehrfach miteinander telefoniert. Die erste Bewährungsprobe für das gemeinsame Fahren lässt nicht lange auf sich warten. Als Daniel GeU am Wegesrand sieht, verlässt er abrupt die Straße und will GeU´s Spuren folgen - allerdings im falschen Gang, was seinem Magirus nicht gefiel. Also schaufeln und ziehen wir den Wagen wieder frei. Die Zusammenarbeit funktioniert!

Auf dem Campingplatz treffen wir Charly und Sylvia aus der Schweiz, die mit einem Toyota Landcruiser das gleiche Ziel haben. Außerdem schließen sich Robert und Stefanie mit einem VW-Bus an. Doch bevor es weiter Richtung Süden geht, erleben wir den ersten, faulen Tag seit langer Zeit. Wir genießen die Sonne, basteln ein wenig an GeU herum und wandern über die nahe Sebkha. Der Untergrund ist fest und salzig. Nur eine Stelle ist leicht vertieft und mit einer scheinbar harten 2 bis 3 Zentimeter dicken Salzschicht bedeckt. Darunter folgt ziemlich weiche Pampe, in der man mindestens knöcheltief, wenn nicht auch tiefer, hätte einsinken können. Als Andenken nehmen wir uns Salzstücke mit. Auf die "gepökelten" Heuschrecken verzichten wir.

Bevor es im Konvoi durch die Westsahara geht, wird GeU in diesem zoll- und steuerfreiem Gebiet betankt - für umgerechnet 0,27 Euro pro Liter! Die Westsahara selbst besteht vor allem aus Wüste. Aber mit wertvollen Rohstoffen im Boden, weswegen sie von Marokko in den 70er Jahren einverleibt worden ist. Noch finden wir die Leere entlang der Straße spannend genug und zockeln im Konvoi gen Süden. Abends werden die vier Wagen zur Wagenburg aufgestellt. In die Mitte kommt das Lagerfeuer. Einen ausgespannten Spaziergang unternehmen wir in der Lagune bei Dakhla. Wir beobachten Vögel, deuten Spuren im Sand und beobachten das Verhalten einer Krabbe, wenn sie ausgegraben wird. Nach dem Fototermin auf dem Watt lassen wir sie in Ruhe. Außerdem kommen Stein- und Muschelsammler voll auf ihre Kosten. Wie gut, dass wir Platz an Bord haben.

Die letzte Übernachtung in Marokko erfolgt kurz vor der Grenze. Wir finden einen traumhaften Platz am Strand mit Blick auf riesige Wellen. Das gefällt uns so gut, dass wir spontan einen Ruhetag einlegen. Und was macht man am Stand? Spielen im Sand - jedenfalls so lange bis auch der VW-Bus am Strand steht. Angesichts der fehlenden Geländegängigkeit ein nicht einfaches Unterfangen. Zwischendrin musste GeU den auch festsitzenden Toyoto Landcruiser freiziehen. GeU selbst war schon am Vorabend ohne Probleme durch den Sand gefahren. Deutlich zügiger donnert nur die marokkanische Marine mit einem Unimog durch den Sand, als sie „uns überfällt“. So unser erster Eindruck, aber kaum haben wir uns erhoben, wird Entwarnung gegeben. Man hatte befürchtet, wir würden fischen. Campen ist kein Problem.

Nach dem traumhaft sonnigen Tag sind wir über den Wetterwechsel überrascht. Es ist bewölkt und ziemlich stürmisch, noch vor der Grenze fängt es an zu regnen. Der Wind von vorne hat direkten Einfluss auf GeU´s Geschwindigkeit. Mehr als 70 Kilometer will er nicht. Sand fetzt über die Straße. Der marokkanische Grenzposten wirkt bei diesem Wetter entsprechend trist. Der Wind fetzt Putz von den heruntergekommenen Hütten auf uns herunter, als wir vor der Hütte auf die Ausreisestempel warten. Die Hütten haben ihre besten Tage längst hinter sich. Wenige Meter weiter entsteht die neue, größere Grenzanlage. Die Ausreiseformalitäten aus Marokko erfolgen zügig. Nach einigen hundert Metern kommt noch eine Kontrolle, wo Name und Passnummer auf ein schon nasses Stück Papier geschrieben werden. Noch drei Tropfen und keiner kann mehr lesen, wer dort ausgereist ist. So rollen wir Richtung Mauretanien.

18.01.2005

Guerguarat
Marokko

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