Reisetagebuch

03.01. - 10.01.2005: Marokko, von Ceuta bis Tan-Tan

Die Einreise nach Marokko ist unkompliziert. Erst werden unsere Pässe gestempelt, dann ist GeU dran. Leider haben wir doch keinen Haftpflichtversicherungsschutz für Marokko - obwohl es mir telefonisch von unserer Versicherung zugesagt war. Nur hatten wir die zugesandte grüne Versicherungskarte in den hektischen Tagen vor unserer Abreise nicht daraufhin geprüft und es erst am Vorabend festgestellt. Als der Grenzer diesen Tatbestand feststellt, wird sofort ein vielsprachiger Mann herbeigerufen. Er nennt uns auf Deutsch die Preise für die marokkanische Versicherung (ein Monat für 150 Euro) oder erklärt, dass es auch mit 50 Euro bar ginge. Als wir diese Angebote beim einzigen Versicherungsbüro an der Grenze checken, will der noch mehr. Es ist klar, Schmiergeld ist gewünscht und wird vermutlich zwischen Grenzer, dem hilfsbereiten Mann und dem Versicherungstyp aufgeteilt. Schade ums Geld, aber vermutlich sollten wir uns an solche Gegebenheiten in Afrika gewöhnen, wenn wir sicher noch etwas hätten handeln können. Sonst wird nach einem GPS-Gerät gefragt, was verneint wird, weil es - wie allgemein empfohlen - versteckt im Schrank liegt. So erzeugen nur die Anzeigen für die Wassertanks mäßiges Interesse. Anschließend wird alles gestempelt, wir sind in Marokko.

Unser erstes Ziel in Marokko ist die Überquerung des Mittleren und Hohen Atlasses, um an den Nordrand der Sahara zu gelangen. Schnee auf den Straßen, wie in Frankreich haben wir nicht, aber am Wegesrand gibt es reichlich davon. Auch die Temperatur ist entsprechend, womit wir durchaus gerechnet hatten, was wir aber trotzdem als zu kalt empfinden. Dafür haben wir nette Gebirgsanblicke, als wir über die kahle und leere Hochebene zwischen den beiden Atlas-Zügen rollen.

Die Menschen begegnen uns bislang ausnahmsweise freundlich. Es wird viel gewunken, wenn wir mit GeU durch die Orte fahren. Beim Bummel durch Orte wird uns häufig auf Französisch guten Tag gesagt. Größere Aufmerksamkeit erzeugen wir zum Glück nicht, auch nicht beim Einkauf auf Märkten. Wir denken, es werden uns ehrliche Preise abgenommen. Einmal wurde sogar mehr Gemüse in die Tüte getan, um wirklich den Preis für 1,5 Kilo Gemüse zu kassieren. Das gefällt uns. Auch sonst gefallen uns die Märkte. Fleisch gibt es ebenfalls in diverser Auswahl – tot und lebendig, mit und ohne Fell bzw. Federn. Wer will, kann auch den kompletten Ziegen- oder Rinderkopf kaufen. Die Hühner laufen ebenfalls noch lebendig im Laden herum, legen vor Ort Eier und bekommen bei Nachfrage den Hals umgedreht. Ansichten, die es in Deutschland so ohne weiteres nicht gibt und wohl für mehr Vegetarier sorgen würde.

Manche Begegnungen sind natürlich eindeutig auf Geschäfte aus. So ein Jeepfahrer, der uns am Rande des Rif-Gebirges entgegenkommend zum Halten auffordert und auf seine Farm einlädt. Später sind wir uns sicher, es ging hier um Drogenkonsum und -verkauf. Ein Geschäft viel kleinerer und harmloserer Art will ein Polizist machen, der eigentlich zur Überwachung des Verkehrs auf der Kreuzung steht. Er bittet Arthur den Werbekalender einer Autowerkstatt zum Kauf an. Nur brauchen wir keinen Wandkalender. Und als wir eine kleine Reparatur am Dachgepäckträger vornehmen lassen, muß Arthur die Bezahlung fast aufzwingen.
Als die ersten kleinen Sanddünen am Wegesrand auftauchen, nutzt Arthur die Gelegenheit, GeU´s Geländegängigkeit zu testen. Mal schauen, was er kann. Die ersten Versuche sind problemlos, doch bei einer etwas höheren Sanddüne, die von Arthur bewusst mit weniger Schwung gefahren wird, sitzt GeU fest und buddelt sich beim Durchdrehen ein. Also schaufeln wir ihn wieder frei. Mit reduziertem Reifendruck wird die Testphase wiederholt. Die Geländegängigkeit unseres Gelben verbessert sich deutlich. Gut zu wissen und mit Hilfe des bordeigenen Kompressors bekommen die Reifen auch wieder den richtigen Druck. Insgesamt hatten wir alle unseren Spaß, der nur dadurch getrübt wurde, dass die Digitalkamera aus Arthurs Hemdtasche fiel und leider unter eine Schaufel Sand geriet. Fürs nächste gibt es somit keine Digital-Fotos von unserer Reise.

Aber GeU wurde nicht ohne Grund getestet. Bei den einzigen, größeren marokkanischen Sanddünen Erb Chebbi südlich von Erfourd darf er wirklich durchs Gelände und seine Fähigkeiten zeigen. Ein Gefühl von Freiheit überkommt uns, als wir uns nur mit den Richtungspfeilen des Navigationsgeräts unseren Weg suchen. Dazu ziemlich tolle Landschaft um uns herum: im Hintergrund die mit Schnee bedeckten Gipfel des Atlasses, voraus große, rötliche Sanddünen und dazu die Weite der Sahara. Das gefällt uns so gut, dass wir auch noch zu Fuß auf die ca. 150 Meter hohen Sanddüne laufen. Schweres Gelände auch für Fußgänger.

Auch an größeren Wadis (ausgetrocknete Flussbetten) mit großen Steinen und Ansammlungen von viel Sand – GeU stört das wenig und schaukelt uns durch die Gegend. So wählen wir auch die kürzere Pistenvariante, um von Tazzarine über Zagora nach Foum-Zguid zu gelangen. Stundenlang werden wir kräftig durchgeschüttelt. Anstrengend! GeU verliert die Schrauben für die Hintertür, was wir aber rechtzeitig bemerken und das Besteck verlässt - ohne das sich die Schublade öffnet - sein Fach und verteilt sich im Schrank.

Von Foum-Zguid geht es zügig auf Asphaltstraßen zur Hauptstraße nahe der Atlantikküste und dann weiter südlich nach Tan-Tan. Hin und wieder gibt es Personenkontrollen am Wegesrand. Arthur ist mittlerweile fast perfekt im Smalltalk mit Polizisten. Einziges Verständigungsproblem: was bedeutet die Berufsbezeichnung „Consultant“?

10.01.2005

Tan-Tan
Marokko

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