Reisetagebuch

06.12. - 08.12.2005: Israel, Ashdod

Obwohl wir zwei Tage vor der Abfahrt der Frachtfähre den Hafen von Ashdod erreicht haben, wäre das Schiff fast ohne uns gefahren. Wir bekommen noch einmal kräftig Stress und müssen leider beim Hafenagenten einen „Thekentanz“ machen - aber mit Erfolg. Drei Stunden später rollt GeU an Bord der MS „Fides“ und wir können in See stechen.

Obwohl wir schon mit kühlerem und feuchterem Wetter an der israelischen Mittelmeerküste gerechnet hatten, begrüßt uns Ashdod mit strahlendem Sonnenschein und wir können noch im Mittelmeer baden. Als wir den weichen Sand und das klare Wasser sahen, müssen wir da noch einmal hinein und genießen es, im salzigen Mittelmeer zu schwimmen. Sonst versuchen wir uns, seelisch auf die Kälte und möglichen Schnee in Europa einzustellen. Das fällt uns ziemlich schwer, fangen wir doch zur Zeit bei unter 27 Grad an zu frieren!
Da wir davon ausgegangen waren, bereits am Dienstag Israel zu verlassen, war unser Temporary Import Permit nur bis zu diesem Tag ausgestellt worden. Die Verlängerung an sich ist kein Problem. Der Zöllner gibt die Permitnummer in den Computer ein und schon wird die Verlängerung ausgedruckt. Deutlich schwieriger war es, bis zum Zöllner zu kommen und die ebenfalls nur für sechs Tage abgeschlossene Versicherung zu verlängern.
Die Israelis sind verständlicherweise etwas paranoid mit ihrer Sicherheit. Wir müssen zwar nicht durch eine Sicherheitsschleuse gehen und unser Handgepäck wird nicht geröntgt, aber um Zugang zum Zollgebäude auf dem Hafengelände zu bekommen, werden wir einer ausführlichen Sicherheitsbefragung unterzogen. Dabei sorgt mein einjähriger Pass für besondere Aufmerksamkeit. Für künftige Befragungen solle ich doch möglichst alle alten Pässe bei mir haben, damit Israel sehen kann, wo ich schon alles war! Das man allerdings auf jeden Fall durch den Sudan kommt, wenn man auf dem Landweg von Südafrika kommt, ist der Sicherheitstante nicht klar - zum Glück. Wir bekommen jede Menge Fragen zu unseren Jobs, von was wir zur Zeit leben, zur Fährbuchung und wo wir überall Leute kennen, gestellt, bevor wir zum Zoll gehen dürfen. Um die Importerlaubnis verlängert zu bekommen, muss auch die Versicherung verlängert werden. Um das zu erledigen, will uns die Versicherung in Tel Aviv sehen, weil es kein Büro in Ashdod gibt. Aber dank der Hilfe des Zöllners, seines Telefons und seines Faxgeräts sowie unserer Kreditkarte lösen wir das Problem auch ohne persönliches Erscheinen. Allerdings ist die Verlängerung der Versicherung teurer als die, die wir ursprünglich in Taba abgeschlossen haben. Der Kollege dort hätte einen Fehler gemacht. Wir haben keine andere Wahl und belasten die Kreditkarte.
Für unsere Abfertigung ist der Hafenagent Allalouf zuständig. Dort bestätigt man uns, dass die Fähre erst am Donnerstag kommt. Diese Zeit wird am nächsten Tag bei unserer telefonischen Nachfrage auf Donnerstag Morgen konkretisiert. Wir sollen daher am Donnerstag um 9.00 Uhr bei der benachbarten Agentur Interdel erscheinen, die sich um die Ausreiseformalitäten rund um das Fahrzeug kümmert, wozu auch ein ausführlicher Sicherheitscheck mit Komplettausräumen gehört, bevor GeU auf das Hafengelände darf. Warum es zwei Agenturen sein müssen, die wie beide direkt vor Ort zahlen müssen, bleibt uns unklar. Sie sorgen gemeinschaftlich für etwas Stress und erleben uns von unserer unfreundlichen Seite.
Doch zuvor verleben wir eine Nacht am Strand in der Nähe der Stadt. Von dort laufen wir in die Stadt und besorgen die Dollars für die beiden Agenten. Der Bankautomat gibt uns mit der EC-Karte Schekel, die das benachbarte Geldwechselbüro in Dollar tauscht. Das ist deutlich günstiger als direkt in Schekel zu zahlen, da die Schiffsagenten mit abstrusen Dollarumtauschraten arbeiten. Die letzte Nacht in GeU außerhalb Europas verbringen wir auf dem Parkplatz vor Allalouf. Sieben Stunden stört sich keiner an uns, gegen Mitternacht sind wir plötzlich ein Sicherheitsrisiko auf dem leeren Parkplatz und müssen auf einen anderen Parkplatz 200 Meter entfernt umparken. Schwachsinn!
Überpünktlich erscheinen wir bei Interdel, warten 20 Minuten, bis sich jemand für uns interessiert. Die uns schon bekannte Mitarbeiterin ist plötzlich im Urlaub und der Vertreter erklärt lapidar: „We have a problem“. Das Schiff sei bereits fertig beladen, solle in zwei Stunden den Hafen verlassen und die verbleibende Zeit sei zu knapp, um alle Formalitäten für das Fahrzeug zu absolvieren. Wir würden mitfahren, aber GeU folge erst in einer Woche.
Wir haben das Gefühl, nicht richtig zu hören und erklären: „It is impossible, we have to go with the truck“. Gemeinsam geht es ins Büro von Allalouf, wo Arthur ziemlich deutlich macht, dass wir heute und mit diesem Schiff fahren werden, sonst gäbe es eine heftige Schadensersatzklage. Daher solle man jetzt nicht quatschen, sondern handeln und uns auf das Schiff befördern. Der Auftritt zeigt Wirkung. Der Chef von Allalouf erscheint und telefoniert hektisch im Hafen herum.
Die erste halbe Stunde des zweistündigen Zeitkontingents ist um, als wir schließlich das Büro verlassen. Für das Bezahlen der beiden Agenturen reichte die Zeit schon mal. Allalouf will 100 US-Dollar und Interdel 250 US-Dollar. Wofür wir das Geld zahlen, wissen nicht wirklich. Bislang haben wir von einer ordnungsgemäßen Abfertigung nicht viel gesehen und kündigen schon mal an, alles wieder haben zu wollen, wenn wir stehen bleiben. Das Passieren der ersten Schranke ist der erste Akt. Uns kommen die Minuten endlos vor, schauen besorgt immer wieder auf die Uhr und verstehen nicht, worüber der Interdel-Mitarbeiter und der Mann an der Schranke diskutieren. Es geht weiter zum Sicherheitscheck. Wir bekommen wieder jede Menge Fragen gestellt und man kommt von selbst auf die Idee, dass wir im Sudan waren. Der große Sicherheitsscheck bleibt aber aus. Wir müssen noch nicht einmal die hintere Tür öffnen. Nur ein Sprengstoffhund läuft einmal um das Auto und schlägt erwartungsgemäß nicht an. Wir sind froh, nicht noch einmal alles ausräumen zu müssen, wundern uns aber schon. Der Allalouf-Chef hatte beim Chef der Sicherheit angerufen und für das schnelle Hineinkommen in den Hafen gesorgt. Unsere Chancen auf die Fähre steigen, aber erst einmal fordert die Bürokratie ihre Zeit.
Den Zöllner kennen wir bereits. Er erledigt seinen Job schnell. Das Bezahlen der Porttax dauert etwas länger. Der Computer fordert viele Antworten, sonst geht es nicht weiter. So steht auf unserem Papier nun die Adresse des Hafenmitarbeiters und wir zahlen 238 Schekel (ca. 43 Euro). Bei der Polizei gibt es den Ausreisestempel in den Pass. Nach weiterem Warten auf den Mitarbeiter von Grimaldi, der wegen des Mittagessens nicht erscheint, fährt Arthur GeU selbst auf das Schiff und wir atmen erleichtert auf. Irgendwie hätten wir diese drei stressigen Stunden nicht gebraucht, aber nun können wir uns sieben oder acht Tage an Bord der MS „Fides“ erholen. Schon eine Stunde später legt das Schiff tatsächlich ab.

08.12.2005

Ashdod
Israel

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