Reisetagebuch

01.12. - 06.12.2005: Israel, von Taba bis Ashdod

Der erste Blick in unsere Pässe erfolgt noch vor der Schranke, aber diese erste Hürde für die Einreise nach Israel nehmen wir noch zügig und dürfen GeU jenseits der Schranke parken. Doch dann geht es ans Eingemachte. Viereinhalb Stunden später nach einem wirklich gründlichen Sicherheitscheck heißt es: enjoy your visit in Israel. Das tun wir: am Strand, auf dem Weg nach Ashdod und auf einer Farm. Aber auch die Einreise fanden wir es alles andere als unangenehm.

Die Mannschaft der israelischen Grenzstation ist durch die Bank jung, überaus freundlich, spricht gutes Englisch und ist durchaus zu Scherzen aufgelegt. Wir nehmen es mit großer Gelassenheit hin, dass wir GeU komplett bis auf das letzte Stück Ausrüstung ausräumen müssen. Und wir haben viel Zeug dabei, was allerdings alles mal gebraucht wurde. Fach für Fach wird ausgeräumt, das Zeug in Kisten verstaut und zum ausführlichen Sicherheitscheck mit Röntgen und Absuchen nach Sprengstoff in die Ankunftshalle gebracht. Arthur räumt aus, während ich überwiegend die Gepäckdurchsuchung überwache. Etliche Sachen müssen mehrfach durch das Röntgengerät. Der Inhalt vieler Gefäße wird auf Sprengstoff untersucht. Da auch das komplette Werkzeug und die Ersatzteile durchsucht werden, gibt es schnell für alle Beteiligte schmutzige Hände. Als der in Wadi Halfa ausgebaute Kompressor dran kommt, greifen die Sicherheitsleute dann doch zu Gummihandschuhen. Am Ende steht unser gesamtes Hab und Gut auf zwölf Gepäckwagen in der Halle. GeU ist leer und wird, ohne dass wir zuschauen dürfen, von den Sicherheitsleuten untersucht. Arthur wird nur einmal hinzugerufen, um die Außenfächer auszuräumen und alle Tanks zu öffnen. Auch die Reservekanister mit Diesel werden noch geröntgt und auf Sprengstoff untersucht.
Wir warten in der Ankunftshalle und kümmern uns zunächst um die Immigration, eine Angelegenheit, wo wir nicht sicher waren, ob sie uns Probleme bereiten könnte. Jeder von uns hat zwar seit Kapstadt dank eines Fehlers der Deutschen Botschaft zwei gültige Pässe, aber vollkommen sind sie alle nicht. In den neuen Pässen, die noch über sechs Monate gültig sind, sind die Visa und Stempel vom Sudan drin. Der Sudan ist ein arabisches Land, gehört nach israelischer Sicht wohl nicht zu den allerbösesten, aber sicher war sich die Deutsche Botschaft in Tel Avis nicht, ob wir damit einreisen sollten. Also holen wir die alten Pässe heraus. Arthurs Pass ist zwar noch lange gültig, aber eigentlich komplett voll und hat das Visum und die Stempel von Mauretanien drin. Meiner hat zwar noch Platz ohne Ende und ist arabisch gesehen „clean“, ist aber nur noch vier Monate gültig. Aber irgendwann kommt das erlösende Stempelgeräusch. Wir sind drin. Vielleicht haben wir unschuldig genug ausgesehen, vielleicht lag es auch hier am gezeigten Humor. Wir werden nach unserem Reiseziel befragt und antworten „Ashdod“. Die Grenzbeamtin kommt mit unserer falschen Aussprache der Hafenstadt nicht klar und fragt, wo das sein soll. Als Arthur es erklärt, wird gelacht. Als sie den mauretanischen Stempel sieht, greift ein Israeli am Schalter neben uns ein. Tolles Land, Israel hätte dort eine Botschaft.
Der Abschluss einer Versicherung und der Tausch von Geld ist schnell erledigt. Da auch der Inhalt unseres Kühlschranks in der Ankunftshalle steht, picknicken wir neben dem Röntgengerät. Gestärkt dürfen wir wieder einräumen, wofür wir exakt eine Stunde brauchen. Auch jetzt entschuldigen sich die Israelis mehrfach für den uns entstandenen Aufwand, bringen uns Kaffee und wundern sich vermutlich immer noch, wie ruhig und gelassen wir die Aktion mitgemacht haben. Auf viele mag der intensive Check abschrecken wirken. Natürlich ist es aufwändig, alles einmal auszuräumen, und wir sind froh, dass nur einmal machen zu müssen. Aber zum einen hatte dieser Check wirklich mal den Namen Sicherheitscheck verdient, zum anderen war die gesamte Zeit das Verhalten der Israelis einwandfrei, sehr professionell und keinerlei Anzeichen für Schikane zu erkennen. Israel muss leider genau schauen, wen und was sie ins Land lassen.
Anschließend fahren wir in die nur acht Kilometer entfernte Stadt Eilat und erfahren per Mail, dass unsere Fähre vermutlich zwei Tage Verspätung hat. So setzen wir unseren Urlaub am Golf von Aqaba 15 Kilometer weiter nördlich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen fort.
Einen Campingplatz gibt es Eilat nicht, aber man darf in Israel fast überall einfach wild campen. Wir finden ein nettes Plätzchen direkt am Wasser in der Nähe der Grenzstation und verleben zwei weitere faule Tage. Die Unterwasserwelt ist es wert, sich mehrfach mit Maske und Schnorchel ins kalte Wasser zu wagen. Die Küste vor Eilat ist ein Naturreservat, wo nur an gekennzeichneten Stellen ins Wasser gegangen werden darf, um die Korallen im flachen Wasser zu schützen. Wir sitzen viel in der Sonne und werden wegen unserem auffälligen GeU häufig angesprochen. Die Israelis sprechen gutes Englisch, kommen offen und freundlich auf uns zu und sind von unserer Reise fasziniert. Als wir berichten, verstehen sie schnell, dass wir Israel später einmal erkunden wollen. Momentan sind wir schlicht und einfach mit Reiseeindrücken „gesättigt“ und wollen ohne Umwege zum Hafen in Ashdod fahren.
Durch das Jordantal verlassen wir die Küste vom Golf von Aqaba und fahren durch trockene, hügelige Landschaft, wo außer Steinen nichts ist. Trotzdem ist es wunderschön. Die karge Landschaft dient zum einen der Armee als Schießübungsplätze, zum anderen gibt es immer mal wieder Hinweise auf 4x4-Roads in den Wadis und Wanderwege. Ab Beer Sheeba verändert sich die Landschaft schlagartig. Es ist wieder grün und das Landschaftsbild erinnert uns an die Toskana. Links und rechts der Straße wird Getreide, Zwiebeln, Weintrauben, Zitrusfrüchte, Oliven, Obstbäume und Artischocken angebaut. Außerdem gibt es zahlreiche Gewächshäuser.
Wir sind schon auf der Zielgerade für die Hafenstadt Ashdod und machen nur einen kurzen Stopp an einer Raststätte, als wir mal wieder wegen GeU angesprochen werden. Nissim findet unser Gefährt und unsere Tour so spannend, dass er uns auf seine Ziegen- und Schafsfarm einlädt. Da kann Arthur natürlich nicht nein sagen, aber auch ich finde den Besuch bei den Schafen und Ziegen spannend. Nissim lebt mit Maggie zusammen, die gebürtig aus Nordrhein-Westfalen ist, aber seit vielen Jahren in Israel lebt. Zur Familie gehören zwei Töchter. Die 15-jährige sehen wir nur einmal kurz am Abend, während wir mit der gut einjährigen May viel spielen und herumschäkern. Wir werden über die Farm geführt, streicheln jede Menge Schafe, Lämmer, Ziegen und Zicklein. Außerdem gibt es insgesamt zehn Hunde, die sehr selbstbewusst ihr Gelände bewachen. Aber ich stelle den „Rudelführer“ als „Leibwächter“ an und schon können wir uns weitgehend unbehelligt auf der Farm bewegen. Insgesamt haben wir eine nette Zeit, erfahren das eine oder andere über Israel und wissen nun, wo es den „besten Falafel Israels“ gibt: irgendwo in der nahen Beduinenstadt.
Nach einem gemütlichen Frühstück mit selbstgemachten Frischkäse von Schafsmilch und Tahine, dem Sesammus, machen wir uns auf den Weg und erreichen eine knappe Stunde später den Hafen von Ashdod. Wir finden auf Anhieb den für uns zuständigen Hafenagenten und wissen schnell, dass es eine aufwändige und teure Sache sein wird, Israel per Schiff zu verlassen.

06.12.2005

Ashdod
Israel

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