Reisetagebuch

26.11. - 01.12.2005: Ägypten, von Gisa bis Taba

Wir nehmen unsere letzte Etappe auf dem afrikanischen Kontinent in Angriff und genießen es, wie selten auf der gesamten Reise, Zeit zu haben und langsam durch die Gegend zu zockeln. Allerdings sorgt der ägyptische Straßenverkehr für Stress. Wie gut, dass wir uns nach dem Durchqueren der Riesenmetropole Kairo an der Küste erholen können.

Das Verkehrsverhalten war in allen afrikanischen Ländern fragwürdig und weit entfernt von einem umsichtigen und rücksichtsvollen Fahrstil, auch die Ägypter fallen dabei nicht aus der Rolle. Überholt wird an allen Seiten. Blinker werden nicht betätigt und ignoriert, wenn wir damit unsere Intension anzeigen wollen. Im Dunkeln wird nur Standlicht angeschaltet und zum Grüßen aufgeblendet, so dass der Gegenverkehr dann richtig geblendet wird. Langsam ist keiner unterwegs - mit Ausnahme der Eselskarren und Traktoren, die auch auf der Autobahn zu finden sind. Aber Arthur schafft es, uns auf der Ringroad aus der Metropole Kairo herauszubringen. Trotzdem entkommen wir dem ägyptischen Verkehr nicht schadensfrei. Als wir im Internetcafe sitzen, wird unser geparkter GeU hinten links ziemlich heftig gestreift. Das Ergebnis: eine tiefe Schramme im Glasfaserkoffer und eine verschwundene Servicetür für unsere Toilette. Wir suchen noch die Straße ab und schauen auch im daneben liegenden Kanal, der als Müllkippe dient, aber finden nichts. Vom Fahrer fehlt natürlich ebenso jegliche Spur. Unbemerkt kann der Rumps an ihm eigentlich nicht vorbeigegangen sein. So bleibt uns nur, später die Schramme mit Glasfaserspachtel zu reparieren und das Loch notdürftig mit einer Holzplatte verschließbar zu machen. Leider ist uns mit der Tür auch der relativ teure Abluftsog abhanden gekommen.
Auf der Autobahn fahren wir nach Suez und verlassen durch den Ahmed-Hamdi-Tunnel nach 329 Tagen den afrikanischen Kontinent. Die noch zu Ägypten gehörende Halbinsel Sinai gehört geografisch bereits zu Asien. Vom Suez-Kanal haben wir bis dahin noch nichts gesehen und die Suche nach einem Platz zum Schiffe Gucken gestaltet sich schwieriger als gedacht. Als wir schließlich einen Zugang finden, findet die Polizei keinen Gefallen an uns und unserem Wunsch, dort zu stehen und gar zu nächtigen. Wir können zwar ein Stück weiter südlich noch unbehelligt Mittag essen, werden aber auch dort vertrieben. Aber die Zwischenzeit reichte, um einige nicht ganz kleine Containerschiffe an uns vorbeiziehen zu sehen.
Wir überqueren den Sinai, eine Strecke, die wir überwiegend schon kennen. Vor knapp zehn Jahren waren wir hier mit dem Fahrrad unterwegs und sind vom Golf von Aqaba auf das Hochplateau hochgestrampelt. Jetzt geht es mit GeU abwärts an die Küste. Wir wollen noch einige Tage Urlaub am Golf von Aqaba machen und finden einen traumhaften Platz direkt am Wasser. Wir sind nur vom Wasser aus zu sehen, da man auf einem schmalen Pfad um die Felsen herumfährt. Das ist mal wieder genau nach unserem Geschmack: stehen bleiben, wo es uns gefällt. Dafür sind wir mit GeU unterwegs. Bis auf zwei Taucher und einige fischende Ägypter sieht uns drei Tage keiner. Es ist angenehm warm, wir holen unsere kurzen Hosen nochmals aus dem Schrank, die wir seit Kenia nicht mehr getragen hatten. In Äthiopien war es zu frisch gewesen, danach schickte es sich für uns beide nicht, Knie zu zeigen. Einen Ausrüstungsgegenstand holen wir zum ersten Mal heraus: unsere Campingdusche. Das Duschen mit kaltem Wasser im Wohnmobil ist schon mit etwas Überwindung verbunden. Da kommt das von der Sonne im schwarzen Sack gewärmte Wasser besser. Den Golf von Aqaba finden wir auch recht frisch und wagen uns nur einmal richtig hinein - trotz unserem Hausriff mit bunten Fischen.
Nur einmal verlassen wir diese Idylle, um uns die Unterlagen für unsere Verschiffung von Ashdod zu faxen zu lassen. Ein erlebnisreiches Unterfangen. Da es nur große Hotelanlagen gibt, suchen wir eine solche auf und sind guter Dinge, dass das Telefonieren und das Empfangen eines Faxes in einem Hyatt-Hotel eine schnelle Angelegenheit ist. Fehlgedacht. Wir brauchen über eine dreiviertel Stunde, bis wir in der Hotelhalle stehen. Die Sicherheitsleute haben erhebliche Probleme mit unserem Truck, der auch noch aus dem Sudan eingereist ist. Die Herren am Tor fragen mehrfach per Funk und Handy irgendwo nach, mehrfach wird nach „Licence“ gefragt, womit sie den Pass meinen, mehrfach wird in GeU hineingeschaut, um Bomben zu finden. Ob man die allerdings mit einem Blick von draußen oder durch das Öffnen von zwei Schränken findet, bleibt für uns mehr als fraglich. Arthur wird entsprechend ungeduldig und unwirsch. Mit einem Sicherheitsmann im Auto dürfen wir auf das Gelände. Doch auch mit ihm dürfen wir die weiteren beiden Sicherheitskontrollen nicht einfach durchfahren. Wieder wird flüchtig in GeU hineingeschaut und mit einem Spiegel der Unterboden betrachtet. Dann weist uns unser Begleiter einen Platz auf dem Hotelparkplatz zu und wir verschwinden zum Telefonieren im Hotel. Arthur spricht gerade mit der Reiseagentur in München, als der Front Desk Manager erscheint und uns auffordert, GeU umgehend vom Hotelparkplatz zu entfernen. Das sollen wir am Besten während des Telefonats, aber sicher noch vor dem Bezahlen des Telefonats tun. Er selbst ist nicht zu freundlich, auch wir regen uns inzwischen lauthals auf, auch darüber, dass man selbst im Hyatt kein Wechselgeld hat. Schließlich holt der Front Desk Manager einen Geldschein aus dem privaten Portemonnaie. Man will uns nur noch los werden. Auch wir wollen nur noch weg. Da sich eine der Schranken nicht schnell genug öffnet (wir sollen noch den Sicherheitsmann wieder einsteigen lassen, wozu wir aber keine Lust haben), nimmt Arthur den Weg am Tor vorbei. Wozu haben wir schließlich ein geländegängiges Fahrzeug? Gebracht hat die gesamte Aktion außer Ärger nichts. Die zuständige Mitarbeiterin war nicht im Haus. So will man uns die Unterlagen für die Verschiffung zumailen, was wir auch per Mail von Gisa hätten veranlassen können.
Zum Glück konnten wir uns an unserem Traumplatz gut erholen und sind wieder entspannt, um aus Ägypten auszureisen. Die Ausreise ist deutlich einfacher als die Einreise, aber nicht frei von Schwachsinn. Das persönliche Gepäck (unser kleiner Tagesrucksack) wird durch das Röntgengerät gejagt, wir gehen durch die Sicherheitsschleuse, die wie üblich tutet, was keinen stört. Es folgt der übliche kurze Blick in GeU. Dann kümmern wir uns um Zoll und Verkehrspolizei. Trotz eines großen Schildes, auf dem steht, dass man einige wenige ägyptische Pfund für die Rückgabe der Nummernschilder bekommt, will uns keiner Geld geben. Dafür müssten wir zurück nach Assuan fahren. Der Verlust von 18 Pfund stört uns weniger, aber wir müssen noch zehn Pfund für den Carnetstempel zahlen, hatten aber das letzte Geld schon ausgegeben. Also müssen wir noch einmal fünf Dollar tauschen. Dann fordert allerdings auch die Verkehrspolizei noch einen Pfund (ca. 15 Cent). Der Schwachsinn schlägt wieder zu. Mit dem Pfund kaufen wir Marken, die auf die ein arabisches Formular für die Rückgabe der Schilder geklebt werden. Allerdings bekommen wir dieses Formular nicht. Die gehört zu den Schildern! Wir wollen zwar noch eine Quittung für das Pfund und die Rückgabe der Nummernschilder, um die Ägypter auf ihren Schwachsinn aufmerksam zu machen, aber sie begreifen es nicht und wir geben auf. Good bye Ägypten. Beim nächsten Mal lassen wir GeU lieber Zuhause.

01.12.2005

Taba
Ägypten

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