Reisetagebuch

24.11. – 26.11.2005: Ägypten, Gisa

Die Pyramiden stehen direkt am Stadtrand von Gisa. Zur einen Seite ist Wüste, zur anderen fangen die Millionenstädte Gisa und Kairo an. Entsprechend laut ist es hier. Zur Geräuschkulisse gehören neben den Klängen von den Moscheen (positiv ausgedrückt!) vor allem Verkehrslärm. Die Suche nach einem Campingplatz ist nicht gerade einfach, aber am Ende haben wir einen Platz mit Blick auf die Pyramiden gefunden (Salma Camp, Saharamar gibt es nicht mehr.). Das ist eine schöne Einstimmung auf den Besuch des berühmtesten Friedhofs der Welt.

Natürlich hatten auch wir schon viele Fotos von den Pyramiden gesehen und oft wirkt die Realität anders, manchmal leider auch enttäuschend. Bei den Pyramiden waren wir vom ersten Anblick bei der Ankunft in Gisa schlicht und einfach angetan. Auch als wir unmittelbar vor ihnen stehen, wirken sie immer noch gigantisch groß und sehr majestätisch. Keine Frage, hier muss man einfach hinkommen. Das sagen sich an diesem Freitag, dem Ruhetag im Islam, auch viele Ägypter und reiten ebenfalls auf Kamelen und Pferden um die Pyramiden.
Wir laufen und legen etliche Meter bei immer noch kräftiger Sonne zurück. Wir betrachten und fotografieren die Pyramiden von allen Seiten. Der Sphinx, die Löwenfigur als Wächter für die Pyramiden, erscheint uns dagegen kleiner als wir dachten und ist wirklich nur von vorne schön. Obwohl es Extraeintritt kostet, besichtigen wir auch die Sonnenbarke, jenes Schiff, mit dem Cheops im Jenseits von einem Horizont zum anderen fahren wollte. Das Holzschiff hat die ca. 4.500 Jahre seit dem Pyramidenbau in einer luftdicht abgeschlossenen Gruft überlebt und ist hervorragend restauriert worden. Wir fragen uns, wie Cheops auf die Idee kam, ein Boot mit ins Grab zu nehmen und überlegen, ob wir folglich ein GeU mitnehmen müssen, um auch im Jenseits unsere Reiseträume verwirklichen zu können.
Nun fehlt nur noch das Foto mit allen drei Pyramiden – wie im Reiseführer abgedruckt. Wir wandern bis zum Panoramahügel, wo kräftig Auftrieb ist. Hier werden die Menschenmassen mit Bussen hingekarrt. Aber die schönste Perspektive finden wir etwas weiter westlich. Hier sind nur die Pyramiden und nichts von der Stadt auf dem Bild.
Insgesamt finden wir die gesamte Anlage etwas heruntergekommen. Dafür das es eine der Hauptattraktionen Ägyptens ist, sind wir erstaunt, dass es keine Toiletten, keine Beschilderung und keine Wege gibt und überall Müll und Geröll herum liegt. Positiv finden wir, dass man überall lang laufen kann, wenn auch hin und wieder die Tourismuspolizei hinter einem her ruft. Auch die Sicherheitskontrollen wirken wie auch an den anderen Sehenswürdigkeiten in Ägypten alles andere als professionell und sollen wohl nur zur Beruhigung der Menschen dienen. Uns beruhigt es eher weniger, wenn auf das Tuten beim Durchschreiten der Sicherheitsschleuse nie einer reagiert!
Obwohl uns der Transport mit dem Kamel oder Pferd immer günstiger angeboten wird, bleiben wir beim Laufen und kommen entsprechend hungrig am Ausgang an. Da kommt das Angebot, beim Büffet zu zuschlagen, gerade richtig. Wir lassen uns mit Blick auf die Pyramiden nieder und genießen ägyptische Speisen. Vor allem beim Nachtisch fällt das Zügeln schwer. Der Grieskuchen ist hervorragend, man könnte „dran bleiben“.
Gut gefüllt wollen wir mit einem Taxi zurück zu GeU fahren. Am Ausgang der Pyramiden wimmelt es nur von Taxifahrern. Doch den ersten lassen wir umgehend stehen, als wir seine Preisvorstellung für die Fahrt hören. Wir waren für zehn ägyptische Pfund zu den Pyramiden gekommen und hören jetzt 120 Pfund für den gleichen Weg zurück! Der Taxifahrer schafft es somit zwar in unseren Reisebericht, aber macht mit uns kein Geschäft. Ein Kollege bringt uns für 15 Pfund zum Campingplatz.
Dort angekommen hat GeU eine Überraschung für uns. Der gerade am Vortag geflickte Vorderreifen ist schon wieder platt. Warum so etwas beim Stehen passiert, bleibt unklar, aber in der Nähe des Ventils ist ein großes Loch, das möglicherweise durch eine Quetschung entstanden ist. Etwas später als gedacht verlassen wir die Campsite. Kairo selbst wollen wir später einmal erkunden. Zur Zeit ist uns nicht nach Lärm und Trubel in einer Millionenstadt. Wir wollen lieber Schiffe gucken am Suezkanal.

26.11.2005

Gisa
Ägypten

[ zurück ]