Reisetagebuch

11.11. – 24.11.2005: Ägypten, von Assuan bis Gisa

Wüste, wir kommen! So lautet unser Ziel, als wir Assuan gegen Mittag verlassen. Wir fahren Richtung Norden am Nil entlang und warten darauf, jeden Moment von der Polizei wegen Konvoipflicht gestoppt zu werden. Wir kommen an zig Polizeicheckpunkten vorbei, aber keiner hält uns an oder ist irritiert, dass wir uns alleine ohne Polizeischutz durch Ägypten bewegen. Das gefällt uns gut, ist aber wohl eher die Ausnahme auf der Strecke. Wir hatten wohl einfach Glück. So nähern wir uns schneller als erhofft der westlichen Wüste (auch libysche Wüste genannt) und tauchen für über eine Woche in der Wüste ab.

Ägypten besteht zu über 90 Prozent aus Wüste. Das merkt man schon, wenn man am Nilufer entlang fährt. Breit ist der Vegetationsstreifen nicht. Drei kräftige Farben treffen sich hier: das Blau des Flusses, das Grün der Dattelpalmen und das Gelb des Sandes. Bei Edfu überqueren wir den Nil und besichtigen den Tempel des Horus. Groß, gut erhaltend und im Abendlicht einfach schön wirkt er auf uns sehr beeindruckend.
Wir bleiben auf der Westseite des Nils und können südlich von Luxor auf die Western Desert Road abbiegen. Auch hier stoppt uns keiner. Wir werden nur immer wieder nach unserer Nationalität gefragt, die mit der Personenzahl und dem Kennzeichen per Funk an den nächsten Checkpunkt weitergegeben wird. An Luxor selbst waren wir nicht interessiert, kannten wir doch die Stadt und ihre berühmten Tempel bereits.
Und so sind wir in der Wüste. Knapp 1.000 Kilometer durch Sand, Geröll und Kalk liegen vor uns, allerdings auf bester Teerstraße. Wir können das GeU in Wadi Halfa gegebene Versprechen halten. Ab Assuan gibt es bis nach Hause nur noch Teer unter den Reifen. Nur um Stellplätze zu finden, weichen wir davon ab und fahren uns am ersten Abend beim Verlassen der Straße fast fest. Aber mit allen Difflocks kommen wir wieder frei und am nächsten Morgen auch wieder auf die Straße.
Unser erstes Ziel ist die Oase Dakla. Dort besuchen wir Daniela aus Berlin, die seit kurzem im „Bedouin Camp el Dohous“ (GPS: N 25 33.741, O 28 56.968) arbeitet. Sieben Kilometer nördlich von Mut, dem Hauptort der Oase, hat eine Beduinenfamilie ein nettes Plätzchen errichtet. Das Hotel ist gerade erheblich erweitert worden, noch ist nicht alles fertig, aber man hat mit viel Liebe und netten Ideen eine schöne Anlage geschaffen, die auch Platz für Camper wie uns bietet. Hier verbringen wir drei Nächte und machen mit Daniela und Josef einen Ausflug in die nahe Sandwüste. Arthur will selbst mit GeU im Sand fahren, nur will GeU nicht. War Sand mit den breiten Ballonreifen nie ein Problem, tut sich GeU mit seinen schmalen Hochdruckreifen schon schwerer. Er muss hart arbeiten und dann fehlt ihm schnell die Kühlung, da der Kühlerventilator mit den abgebrochenen Flügeln im Schrank liegt. So bleibt GeU stehen und wir steigen in den Geländewagen um. Wir kurven durch puren, teilweise unberührten Sand. Feiner gelber Sand, wo immer wir hinschauen und der bis zur libyschen Grenze geht. Im Abendlicht ist das sehr pittoresk. Arthur darf auch mal fahren und später auch mitbuddeln. Der Geländewagen steckt im Sand fest – trotz Allrad. Wie sich bald herausstellte, hatte Josef zwar die Drehschalter an den Reifen betätigt, aber Allrad nicht ein-, sondern ausgeschaltet. Außerdem verbringen wir viel Zeit in der heißen Quelle und finden uns plötzlich – dort sitzend und planschend – im deutschen Fernsehen wieder. Für das ZDF und Arte wird eine Sendung über die Beduinen und die westliche Wüste als Reiseziel gedreht. Später am Abend kommen wir daher noch in den Genuss klassischer Beduinentänze.
Der nächste Stopp erfolgt bei Farafra direkt an der heißen Quelle Bir Hamsa, die fernab vom Dorf ist, so dass wir dort die Nacht bleiben (GPS: N 27 03.736, O 27 55.762). Wir genießen am Abend wie am Morgen „Wellness in der Wüste“. Das heiße Wasser sprudelt in ein Bassin und hat eine ideale Badewannentemperatur. Nutzen wir die Quelle nicht zuletzt wegen Arthurs Hexenschuss mehr als Wellnesseinrichtung und weniger als Waschgelegenheit, sind die Bassins für die Einheimischen zum Waschen errichtet worden. Mehrfach kommen Ägypter im Laufe des Abends und baden sich im Licht ihrer Autoscheinwerfer.
Von Farafra ist es nicht mehr weit bis zur Weißen Wüste. Vor vielen, vielen Jahren hat es hier Wasser gegeben. Die Kalkablagerungen sind später durch Winderosionen zu wunderschönen Kalkgebilden und Kalkformationen geschliffen worden. Wir haben das Gefühl, inmitten einer riesigen Kunstausstellung zu stehen, nur kann man inmitten von Kunstausstellungen selten campen. Hier kann man es tun. Wir verbringen drei ruhige Tage in der Weißen Wüste und genießen die Ruhe. Menschen stehen wir selten und nur von weiter Ferne. GeU ist ausnahmsweise mal klein genug und versteckt sich hervorragend inmitten der Kalkhügel. Nach unseren Wanderungen finden wir ihn nur mit Hilfe des GPS-Geräts wieder. Beim Laufen gibt es viel zu entdecken. Die Wüste lebt. Wir finden Wasserspuren und Kleinstpflanzen an den Kalkgebilden. Wir sehen Spuren von Tieren, die in den Hohlräumen unter den Kalkgebilden leben. Außerdem finden wir versteinerte Muscheln, Schnecken und Würmer sowie eisenhaltige Ablagerungen im Kalk, die ebenfalls von einer wasserreicheren Zeit zeugen.
Nach der Weißen Wüste folgt die Schwarze Wüste, die wir wenig spektakulär finden. Wir nähern uns langsam Kairo und verbringen eine letzte Nacht in der Wüste, sehen aber schon die Lichter der ersten Vorworte der 15-Millionen-Stadt. Am Morgen sehen wir dann aber nichts. Nebel! Die Sichtweite beträgt gerade mal 50 Meter. Wir wagen uns trotzdem auf die Straße und sind erstaunt über die vorsichtige Fahrweise der Ägypter, wenn sie überhaupt fahren. Viele stehen am Straßenrand und warten, dass die Sonne genug Kraft bekommt, den Nebel aufzulösen. Das gelingt zwar bald, es bleibt aber diesig. Aus dem Dunst tauchen plötzlich die Pyramiden vor uns auf. Größer als erwartet und sehr majestätisch!

24.11.2005

Gisa
Ägypten

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