Reisetagebuch

09.11. – 11.11.2005: Ägypten, Nasser-Stausee

Zum ersten Mal auf der gesamten Tour sind Arthur und ich getrennt unterwegs. Nach 322 Tagen ist das ein ungewohntes Gefühl, einen Teil der Tour alleine zu erleben. Aber wir erreichen am gleichen Tag ägyptisches Gebiet, wenn wir auch den offiziellen Einreisestempel an unterschiedlichen Tagen in unsere Pässe bekommen. So haben wir keine Probleme mit unserer Reisestatistik. Sehr wichtig! Doch bevor wir ägyptischen Boden erreichen, machen wir jeder eine „Kreuzfahrt“ auf dem Nasser-Stausee.

Der Nasser-Stausee wird wegen seiner Größe auch Nubisches Meer genannt. Er ist bis 35 Kilometer breit und geht mitten durch die Wüste. Erstmals wurde er bereits Ende des 19. Jahrhunderts unter britischer Verwaltung aufgestaut. Ziel war es, den steigenden Wasserbedarf Ägyptens zu sichern und die sommerlichen Fluten nicht ungenutzt ins Mittelmeer abfließen zu lassen. 1963 wurde ein weiterer Damm – der High Dam – errichtet. Damals war er der weltweit größte Staudamm. Er ist 3,6 Kilometer lang, davon befinden sich 520 Meter im Flussbett, 111 Meter hoch und an der Basis bis zu 980 Meter breit. 42 Mio. Kubikmeter Stein, Sand, Felsmaterial und Ton sind damals verbaut worden.
Der Arthur reist mit GeU auf dem Ponton und hat ausreichend Zeit, sich die Wüstenlandschaft auszuschauen. Aber nur Gucken wird ihm schnell langweilig. Er bastelt weiterhin ein wenig an GeU herum und wäscht mit dem Nilwasser das Ungetüm. Der Ponton ist deutlich langsamer als die Personenfähre unterwegs und fährt nur am Tage. Nachts wird an irgendwelchen Felsblöcken am Ufer festgemacht. Ziemlich genau zwei Tage nach der Abfahrt in Wadi Halfa erreicht er den Hafen von Assuan und erlebt hier ein deutlich professionelleres Anlegemanöver. Die Pässe sind schnell gestempelt, die Fahrzeuge können vom Ponton gefahren werden und müssen im Hafen von Assuan abgestellt werden. Mit dem Taxi geht es ins Hotel, wo Swantje bereits eine Nacht verbracht hat. Bis die Fahrzeuge den Hafen verlassen dürfen, müssen allerdings noch wahre bürokratische Hürden genommen werden.
Ich habe eine deutlich kürzere Schiffsreise. Bis zum Sonnenuntergang habe ich die Ausblicke auf die Wüste genossen. Ca. vier Stunden nach der Abfahrt in Wadi Halfa kommt die Fähre am Tempel von Abu Simbel vorbei. Die 22 Meter hohen Sitzfiguren von Ramses II. sind angestrahlt. Ein beeindruckender Anblick, der Lust macht, den Tempel zu besichtigen. Wegen der nächtlichen Stops sieht Arthur Abu Simbel bei Sonnenaufgang.
Die Fähre ist nicht so dreckig und furchtbar, wie ich befürchtet hatte. Vielleicht bin ich aber auch nach bald einem Jahr in Afrika abgehärtet. Die erste Klasse hat Zwei-Bett-Kabinen, denen eine gründliche Säuberung nicht schaden würde. Aber Afrikaner haben dafür keinen Blick. Ich teile mir die Kabine mit Kath aus England vom Dragoman-Truck und sie besprüht sicherheitshalber auch mein Bett mit Anti-Floh-Spray ein. Das wir eine Maus oder ähnliches im Raum hatten, bemerken wir erst am nächsten Morgen, als mein Apfel angeknabbert auf dem Fußboden liegt. Die Waschräume sind dreckiger und gerade einmal für das Händewaschen geeignet. Zum Glück gibt es Hockklos. Das im Preis enthaltene Abendessen ist gut: Reis, Bohnen, ein Stück Fleisch mit Brot. Das sonstige Angebot des „Bord-Restaurants“ ist bescheiden: Tee, Cola und Kekse zum Frühstück, alles mit ägyptischen Pfund zu bezahlen.
Zum Sonnenaufgang bin ich wieder an Deck, auch später schaue ich von dort, wie wir Assuan erreichen. Ab diesem Moment hören wir immer wieder neue Aussagen, wann wir die Fähre verlassen können. Die Worst-Case-Aussage ist: sieben Stunden Wartezeit. Warum das so sein soll, bringe ich nicht in Erfahrung. Die Immigration kommt an Bord und hat nach spätestens einer Stunde alle Pässe gestempelt. Aber 3,5 Stunden nach dem Anlegen dürfen wir tatsächlich ägyptischen Boden betreten. Im Terminalgebäude werden wir und das Gepäck nach Waffen durchsucht. Willkommen in Ägypten.

11.11.2005

Nasser-Stausee
Ägypten

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