Reisetagebuch

28.10. – 01.11.2005: Sudan, von Khartum bis Wadi Halfa

Bevor wir Khartum Richtung Wadi Halfa verlassen, müssen wir wohl oder übel neue Reifen für die Hinterachse kaufen. Die Sudanesen helfen mit ihrer bekannten Hilfsbereitschaft. Auch die Gastfreundschaft lernen wir kennen, bevor wir uns wieder auf die Strecke begeben. Knapp 900 Kilometer liegen bis Wadi Halfa vor uns, ein Stück, das von uns allen drei viel abverlangt. Mit Müh und Not und viel gutem Zureden schafft es GeU, uns in den Grenzort des Sudans am Nasser-Stausee zu bringen.

Als wir in Khartum erzählen, dass wir neue Reifen bräuchten, hatte sich ein Clubmitglied sofort angeboten, Arthur zu einem Reifenhändler zu fahren. Dort wird er „übergeben“ und man fährt so lange mit ihm durch die Stadt, bis auch passende Felgen für die neuen Reifen gefunden worden sind. Der ungeplante Reifenkauf reist ein kräftiges Loch in unsere Bargeldbestände. Der Sudan ist eins der wenigen Länder Afrikas, wo wir Geld weder mit irgendwelchen Karten noch durch das Einlösen der Travellerchecks bekommen. Wir haben zwar noch Bargeld, aber das ist eigentlich für die Fähre über den Nasser-Stausee gedacht. Um den Ponton alleine zu chartern, reicht es nun nicht mehr, aber das war uns schon vorher eigentlich zu teuer. So hoffen wir sehr, noch andere Reisende zu finden. Sonst könnten wir ein Problem haben.
In Khartum ist es noch einmal richtig heiß – am Tag wie in der Nacht. Auch der ständig kräftig wehende Wind bringt wenig Abkühlung, trocknet aber unsere Wäsche in kürzester Zeit und macht es etwas angenehmer. So füllt sich am Abend der Sailing Club mit Mitgliedern, die am Ufer des Blauen Nils Karten spielen. Hier sind wir zum ersten Mal über das freundliche Verhalten der Sudanesen erstaunt. Arthur sitzt auf GeU´s Dach und versucht mit dem Satellitentelefon, unseren Kontaktmann in Wadi Halfa wegen der Fähre zu erreichen. Da er mit dem eigenen Telefon nichts wird, bekommt er kurzer Hand ein Handy in die Hand gedrückt. Doch damit nicht genug, ihm wird auch noch eine Seven Up gebracht, die er wahlweise auch mit Wodka hätte haben können. So viel zu Alkohol im Sudan während des Ramadans!
In der Abenddämmerung verlassen wir mit neuen Reifen Khartum, überqueren den sehr viel breiteren Weißen Nil und schauen von der Brücke in Richtung des Nilzusammenflusses. Für einen Spaziergang dorthin hatten wir leider keine Zeit. Auch sonst bekommen wir von Khartum nur einen Eindruck vom Auto, sind aber angenehm überrascht. Es wird an vielen Stellen gebaut, wieder investiert und insgesamt herrscht eine positive Grundstimmung. Die Straßen sind voller Menschen. Mehrfach fragen wir nach dem Weg nach Abu Dom und Dongola, ein nicht einfaches Unterfangen bei den geringen Englisch-Kenntnissen der Sudanesen. Wir sind auf dem richtigen Weg und sind zunächst enttäuscht über die schlechte Teerstraße, denn eigentlich sollte hier neuer Asphalt sein. Aber die Straße wird besser, wir kommen am nächsten Tag zügig nach Abu Dom. Ab dort gibt es mit geringen Ausnahmen südlich Dongolas nur noch Piste: hart, steinig und mit Wellblech versehen. Wir fahren in Sichtnähe des Nils entlang. Vom Fluss selbst sehen wir nichts, nur den grünen Vegetationsstreifen mit Palmen und Feldern am Ufer.
In Dongola kaufen wir auf dem Markt ein und wollen dann noch ein Stück am Westufer des Nils fahren, bevor wir eine Fähre über den Nil nehmen. Sowohl im Därr- wie im Bradt-Reiseführer sind weitere Fähren genannt, aber wir finden keine und unsere Fragerei bringt uns nicht wirklich weiter. So kehren wir nach ca. 50 Kilometer um, eine Tatsache, die wir bekanntlich gar nicht gerne mögen und unsere Laune verschlechtert. Die Fähre in Dongola ist dann ein wahres Abendteuer. Um GeU herum stehen dichtgedrängt mehrere Pick-Up´s, Eselskarren, zahlreiche Säcke, Kisten und Bettgestelle sowie Menschen ohne Ende. Wir haben den Eindruck, das Beladen beginnt bevor das Entladen an der gerade angekommenen Fähre begonnen hat. Afrikanisches Chaos, für das wir 3.400 Dinar (ca. 12 Euro) bezahlt haben!
Nun geht es am Nilufer immer den sandigen Spuren entlang. Wir sind überrascht, wie viele Menschen hier noch leben. Teilweise ist Dorf an Dorf mit hübschen, bunt verzierten Häusern. Nur leider verlieren wir hin und wieder die Hauptspur, was uns Nerven kostet. Aber GeU hat Allrad und darf mehrfach zeigen, was er wirklich kann – zur Freude seines Fahrers. Auf diesem Stück kommt auch das Navigationsgerät wieder richtig zum Einsatz und es ist immer wieder toll, nach Richtungspfeil ins Nichts zu fahren. Landschaftlich ist die Strecke nach Wadi Halfa toll. Sie wäre es wert, hier mit Ruhe entlang zu fahren und hier und dort einfach stehen zu bleiben und Wüste pur oder Wüste mit Fluss zu genießen. Wir haben die Zeit nicht und brettern, sofern man das hier tun kann, weiter.
GeU macht immer deutlicher, dass er keine Lust mehr hat, auf afrikanischen Pisten zu fahren. Er sehnt sich nun doch nach einem ruhigen Plätzchen in Berlin (was wir für ihn allerdings noch finden müssen), wo wir ihn regelmäßig besuchen kommen und an ihm herumbasteln. Aber die Strecke nach Wadi Halfa ist auch das härteste, was GeU in Afrika bewältigen muss. Wellblech ohne Ende, das uns gnadenlos schüttelt. Die neuen Hochdruckreifen machen sich zwar gut, auch in sandigen Passagen, aber das Fahren ist viel härter. Die Ballonreifen waren gemütlicher. Da Arthur nur noch ankommen will, fährt er nicht gerade langsam, aber langsam fahren hätte die Qual nur verlängert. Es ist laut im Auto, GeU knarrt und quietscht an allen Ecken und Kanten und wir sind immer wieder auf´s Neue überrascht, was kaputt, durch die Gegend geflogen oder auseinandergefallen ist. Als Wadi Halfa schon in Sicht ist, bekommt GeU Probleme mit der Dieselversorgung. GeU hört mehrfach „please“, „Halte durch, wir sind gleich da“ und „morgen bekommst Du bestimmt einen neuen Dieselfilter“. GeU schafft es! Wir atmen alle drei erleichtern auf, als wir die 400 Kilometer zwischen Dongola und Wadi Halfa in eineinviertel Tagen geschafft haben.

01.11.2005

Wadi Halfa
Sudan

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