Reisetagebuch

27.10. – 28.10.2005: Sudan, von Gallabat bis Khartum

Nun haben wir jenes Land erreicht, auf dessen Visum wir doppelt so lange gewartet haben, wie wir im Land sein dürfen. Wir müssen daher so zügig wie irgendwie möglich von Gallabat über Khartum nach Wadi Halfa kommen. Die ersten knapp 600 Kilometer erleben wir als ziemlich stressig. Zunächst ist die Piste schlecht. Auf der Strecke Khartum-Port Sudan ist sehr viel Schwerlastverkehr unterwegs, gegen die GeU mit seinen neun Tonnen Kampfgewicht ein Winzling ist. Vielleicht ist das der Grund, warum er sich besonders „naughty“ benimmt und dadurch einige Wutanfälle unsererseits provoziert.

Ob man es glauben will oder nicht, auch diese Einreise hat noch Überraschungen für uns parat. Bei der Immigration können wir auch der erforderlichen Meldepflicht nachkommen. Das mussten wir noch nie irgendwo machen, aber für den Sudan ist das eine weitere Einnahmequelle. Wir müssen pro Person 8.500 Dinar (ca. 32 Euro) zahlen und bekommen einen weiteren Stempel in den Pass, ohne den man nicht wieder herauskommt. Es ist der erste Beweis dafür, dass der Sudan als eins der größten Länder Afrikas auch eine der umfangreichsten Bürokratien hat. Ein Haus weiter ist der Zoll. Das Carnet wird gestempelt, außerdem werden noch etliche Formulare ausgefüllt. Wir werden nach einem Computer gefragt und müssen die Seriennummer angeben. Da dies noch keinen interessiert hat, muss Arthur zu GeU laufen und nachschauen. Ein Blick ins Auto wird nicht geworfen, dabei hatten wir extra das letzte Bier und die Weinflasche versteckt. Für die Formulare müssen wir 1.178 Dinar (knapp vier Euro) zahlen, werden aber zu einer kalten Cola eingeladen. So nett war noch keiner an der Grenze. Aber die Sudanesen gelten als besonders gastfreundlich. Der Zöllner darf sich der Cola leider nicht anschließen. Es ist Ramadan. Tagsüber sind Getränke und Speisen jeglicher Art nicht erlaubt, erst nach dem Sonnenuntergang darf getrunken und gegessen werden. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Straße deutlich leerer, da alle Lkw-Fahrer an den Garküchen am Wegesrand stoppen. Damit wir den Grenzort verlassen dürfen, müssen wir uns noch beim Security Check melden. Wir finden mit Mühe den Eingang. Es wird ein weiteres Formular mit Passbild ausgefüllt, das wir kostenfrei mit einem Fingerabdruck gegenzeichnen. Was es beinhaltet, haben wir wegen der arabischen Schrift nicht identifizieren können. Aber gerne füllen wir die Aktenordner des Sudans.
Die Piste bis Doka ist grottig, dann haben wir für einige Kilometer eine gute Teerstraße, bis wieder Piste kommt, nun aber in gutem Zustand. Wir sind inzwischen nur noch um die 600 Meter hoch. Drinnen wie draußen ist es heiß. Die Vegetation hat schnell abgenommen. Auf den ersten Metern im Sudan haben wir noch einmal – und wohl zum letzten Mal – afrikanische Savanne mit Akazien gesehen, dann wird es platt, baumlos und sandig. Riesige Sorghumhirse-Felder säumen die Straße. Irgendwo stehen auch noch gut 50 Großschlepper vom Erzfeind USA herum.
Kurz vor Gedaref will man Toll für die Strecke. Es sind zwar nur wenige Euros, aber irgendwo hatte ich gelesen, dass Touristen als Gäste nichts zahlen. Das erklärt Arthur dem Vorgesetzten so überzeugend, dass wir wirklich nichts bezahlen. Auch bei den weiteren Toll-Stationen werden wir durchgewunken bzw. kommen mit der Begründung „we are guests“ durch.
Als wir die Hauptstraße zwischen Port Sudan und Khartum erreichen, nimmt der Verkehr sehr stark zu. Busse, Kleinlaster und Schwertransporte mit bis zu zwei großen Containern auf zwei hintereinander gehängten Sattelschleppern (rund 35 Meter lang und 80 Tonnen schwer) brettern hier lang. Die Teerstraße hat heftige Spurrillen und einige Schlaglöcher. Hier verabschiedet sich der nächste Reifen, allerdings auf einem Stück, wo eigentlich „nichts“ war. Es ist ein Totalschaden, der nun wie viele andere Reifen am Wegesrand liegt, und wir haben nur noch zwei unserer Ballonreifen. Einer davon ist schon profillos und zeigt sein Drahtgeflecht. Aber „inshallah“ kommen wir damit bei reduzierter Geschwindigkeit bis nach Khartum. Das war an diesem Tag nicht das erste, womit GeU sich unbeliebt gemacht hat. Morgens bockte er an der Kupplung, was sich nach einigen Minuten spontan von selbst regulierte. Aber dann nimmt das Lenkrad den Blinkerhebel beim Drehen mit. Warum erfahren wir nicht, können es aber mit einigen radikalen Tricks beheben. So ist unsere Laune alles andere als gut. Es ist brütend heiß im Auto, Arthur verbrennt sich den linken Arm in der Sonne und als wir schließlich in Khartum im „Blue Nile Sailing Club“ ankommen, trinken wir viel kalte Cola, zunächst ohne, dann mit (hier natürlich verbotenem) Whisky.

28.10.2005

Khartum
Sudan

[ zurück ]